LUNGERN: Im Brünig sollen Pucks übers Eis kullern

Eishockey-Matches oder Konzerte mit bis zu 3000 Zuschauern unter Tage. Diese Vision im Brünigfelsen soll Realität werden – Gespräche mit Investoren laufen.

Matthias Piazza
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Eine erste Vorstellung, wie die Eishalle im Lungerer Berg aussehen könnte. (Bild: Visualisierung PD)

Eine erste Vorstellung, wie die Eishalle im Lungerer Berg aussehen könnte. (Bild: Visualisierung PD)

Die Eishalle im norwegischen Lillehammer ist die grösste unterirdische Sportanlage der Welt und fasst 6000 Zuschauer. Hier wurde der Eishockey-Final der Olympischen Winterspiele 1994 ausgetragen. Das imposante Bauwerk im fernen Skandinavien dient sozusagen als Referenz für das neuste Projekt im Brünig-Park in Lungern. Denn auch dort ist eine solche Anlage geplant – als Ergänzung zum Restaurant und zur unterirdischen Schiessanlage (siehe Kasten). Die Ergebnisse einer kürzlich erstellten Machbarkeitsstudie der dort ansässigen Gasser Felstechnik AG sind verheissungsvoll. Der Kavernenbau im Felsen am Fusse des Brünigs wird als grundsätzlich machbar beurteilt. Zudem sei der Standort ideal, da hier bereits ein unterirdisches Baurecht bestehe und sich der Bau der Eishalle nicht auf das Landschaftsbild auswirke.

Die Studie sieht vor, für die Eishalle eine 70 Meter lange und 35 Meter breite Kaverne im Gestein auszubrechen. Neben der Hauptkaverne für das Hockeyfeld wäre eine 34 Meter lange und 16 Meter breite Nebenkaverne für die nötige Infrastruktur geplant.

Anlässe in neuen Dimensionen

Erste positive Erfahrungen mit Wintersport unter Tage hat man im Brünig bereits im Sommer 2012 gemacht – mit dem Indoor-Biathlon. Doch die Halle könnte für weit mehr als nur für Eishockeyspiele genutzt werden. «Die Eishalle ist multifunktional, vor allem zusammen mit der bereits bestehenden Infrastruktur im Berg», betont Projektleiter Christian Pfammatter von Gasser Felstechnik. Die Tribüne soll 80 Sitzplätze bieten. Zusätzlich fänden ungefähr 1000 Zuschauer rund ums Spielfeld Platz. «Auch Konzerte mit bis zu 3000 Besuchern könnten hier durchgeführt werden, indem man die Eisfläche abdeckt. Das ist ein Verfahren, das man auch andernorts schon kennt.» Ebenso wären Bankette für bis zu 1000 und Versammlungen mit bis zu 2000 Leuten möglich. Anlässe in diesen Dimensionen seien bis jetzt nicht möglich gewesen.

Der Lärm wird im Keim erstickt

Als weitere Vorteile des Standorts erwähnt Christian Pfammatter, dass die Anlage während des ganzen Jahres rund um die Uhr betrieben werden könne, der Bau kaum ins Landschaftsbild eingreife und der Energieverbrauch dank der konstant tiefen Temperaturen von rund 10 Grad niedriger als bei Aussenanlagen ist. Brauche es für eine Veranstaltung mehr Wärme, könne man problemlos heizen. «Und vor allem werden die Nachbarn bei einer lauten Veranstaltung – wie etwa einem Konzert – nicht gestört, was ein weiteres grosses Plus der Fels-Lösung ist.»

Auch erfülle das Projekt sämtliche sicherheitsrelevante Anforderungen. «Das Fluchtkonzept besteht bereits, wir wissen, wie man 3000 Leute evakuiert, und haben auch ein eigenes Evakuationsteam, das laufend geschult wird», erklärt Christian Pfammatter.

Der Anstoss fürs Projekt kam von aussen. Verschiedene Investoren hätten Interesse an einer solchen schweizweit einzigartigen Anlage bekundet – auch vor dem Hintergrund, dass es rund um den Brünig lediglich in Luzern und Engelberg oder auf der Berner Seite in Interlaken und Grindelwald Eisflächen gebe. Pfammatter ist überzeugt, dass die Nachfrage für die Eishalle vorhanden wäre. Es wird mit Kosten von 11,5 Millionen Franken gerechnet. Gespräche mit Interessenten seien am Laufen. Wenn die Finanzierung gesichert ist, kann mit der Umsetzung gestartet und frühestens zwei Jahre danach der Betrieb aufgenommen werden.

Eine Welt im Brünigfelsen

Brünig-Park map. Am Fuss des Brünigs sind eine Schiessanlage (Brünig-Indoor), Restaurants sowie eine Tunnel-Übungsanlage für Feuerwehren untergebracht. Zudem ist mit dem Safety Campus ein unterirdisches Kompetenzzentrum für die Schulung von Flughelfern und Rettungskräften geplant. Trainiert werden sollen das Aufhängen von Lasten an Helikoptern, das Fliegen von Holz, die Montage von Masten und die Einweisung auf Landeplätze. Gemäss Mediensprecher Beat Kohler sind die Diskussionen zur Finanzierung noch im Gange und die Termine der Umsetzung darum noch offen.