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LUNGERN: In Krisen muss man Fakten liefern und Klartext reden

Bei der Raiffeisenbank Obwalden war Beatrice Tschanz zu Gast. Ihr Referat liess Bilanz und Erfolgsrechnung etwas in den Hintergrund geraten.
Primus Camenzind
Kommunikationsfachfrau Beatrice Tschanz referiert an der Delegiertenversammlung von Raiffeisen Obwalden. Bild: PD

Kommunikationsfachfrau Beatrice Tschanz referiert an der Delegiertenversammlung von Raiffeisen Obwalden. Bild: PD

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Die wohl bekannteste Kommunikationsfachfrau des Landes trat in der Cantina Caverna im Brünigpark ans Rednerpult, um den 93 Delegierten der Raiffeisenbank, den geladenen Gästen und vor allem der Bankleitung charmant und gleichwohl unmissverständlich klarzumachen, was sie unter Kommunikation versteht. «Herr Verwaltungsratspräsident, Namen wie Trump und Erdogan hätten Sie im politischen Teil ihres Jahresberichts ruhig nennen dürfen. Aber die Banker sind inzwischen vorsichtiger geworden.» Und nachdem die Managerin für ihren freundschaftlichen Ratschlag an die Adresse von Branko Balaban ein ebenso freundliches Lächeln erntete, doppelte sie gleich nach: «Im Verwaltungsrat der Bank sitzen eine Dame und sieben Herren. Die Verhältniszahlen 1 zu 7 sind keineswegs so gut wie die Zahlen Ihrer Jahresrechnung.»

Der Swissair-Absturz wirkt bis heute nach

Was von Beatrice Tschanz im mit «Unternehmenskommunikation in Krisensituationen» betitelten Referat zu hören war, zog die Delegierten in Bann. Die 72-jährige, energiegeladene Frau ist geprägt von ihrer Zeit als Kommunikationsleiterin der Swissair-Group in den Jahren 1997 bis 2001. «Wenn die Situation schwierig ist, müssen Sie Fakten liefern und Klartext reden», betonte Tschanz. Sie weiss, wovon sie spricht: «Ich werde 19 Jahre nach dem Swissair-Absturz mit 229 Todesopfern im kanadischen Halifax noch heute darauf angesprochen.» Als Pressechefin des Unternehmens setzte sie durch, dass es zu keinem «Versteckspiel» kam. «Der Konzernchef musste sich hinstellen, um klare und präzise Botschaften zu kommunizieren.» Glaubwürdigkeit sei in der Kommunikation das höchste Gut, gab die Referentin zu verstehen. Beatrice Tschanz ist jedoch ebenso überzeugt: «Gute Kommunikation ist die Reduzierung auf das Wesentliche» – und dies in Worten, welche für alle verständlich seien. Sie vermisst diese Grundsätze häufig bei Politikern. Nochmals ging es den Männern an den Kragen: «Sie schieben Unangenehmes gerne vor sich hin. Wir Frauen können den Staub auch nicht einfach unter den Teppich kehren, dort vermehrt er sich nämlich!»

Eigene Fehler eingestehen, braucht Mut

Und in Erinnerung an die schwierigen Jahre 2001 und 2002 bei Sulzer Media, als sie auf dem amerikanischen Markt einen millionenschweren Vergleich wegen verschmutzter künstlicher Hüftgelenke kommunizieren musste, machte Tschanz deutlich: «Es braucht Mut, eigene Fehler einzugestehen. Aber das ist vor allem in der Krise unverzichtbar.»

Schlussendlich kam die Referentin auch auf die Medien zu sprechen: «Ich respektiere sie, aber man darf sich von der Presse nicht ständig unter Druck setzen lassen.» Schlagzeilen seien überdies selten von Dauer: «12 Tage nach dem Flugzeugabsturz in Halifax war für uns Schluss mit dem täglichen Mediendruck. US-Präsident Bill Clinton und seine Praktikantin Monica Lewinsky sorgten mit ihrer Affäre für die Breaking News.»

«Wir wachsen über dem Markt»

Jahresrechnung Im Rahmen der offiziellen Delegiertenversammlung präsentierte Oliver Britschgi die Zahlen des vergangenen Jahres. «Wir erwirtschafteten in einem äusserst anspruchsvollen Marktumfeld erneut ein gutes Ergebnis und können an den Erfolg der Vorjahre anknüpfen.» Der Leiter der Raiffeisenbank Obwalden brachte es auf den Punkt: «Wir wachsen über dem Markt.»

Konkret: Die Bilanzsumme per 31. Dezember 2016 beträgt 1,065 Milliarden Franken (+5,6 Prozent). Auch die Ausleihungen an Kunden (zu über 95 Prozent Hypotheken) stiegen um 4,1 Prozent auf 851,5 Millionen. «Die Kreditvergabe ist für uns wichtig, wenn auch die Standards da und dort etwas höher sind als bei den Mitbewerbern», liess Britschgi verlauten. Die Einlagen der Kunden betrugen 868,6 Millionen und haben demnach um 6,1 Prozent zugenommen. Eine Steigerung erfuhr auch der Jahresgewinn: 1,322 Millionen Franken (+1,7 Prozent). Raiffeisen Obwalden zählt neu 13298 Mitglieder (+220).

Die erste digitale Beratungsbank von Raiffeisen ist seit September 2016 in Lungern in Betrieb. «Mit ihr sind wir auf guten Wegen», erklärte Britschgi. Um das Angebot zu etablieren, müssten allerdings noch weitere Anstrengungen unternommen werden. (cam)

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