LUNGERN: Jetzt fordert IG naturnahen Pegel

Schluss mit der Seeabsenkung, fordert eine neu gegründete IG naturnaher Lungerersee. Sie gibt sich zuversichtlich, ihr Ziel mittelfristig zu erreichen.

Matthias Piazza
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Im Winter lässt der abgesenkte Seespiegel breite, steinige Streifen am Ufer des Lungerersees frei. (Archivbild Markus von Rotz)

Im Winter lässt der abgesenkte Seespiegel breite, steinige Streifen am Ufer des Lungerersees frei. (Archivbild Markus von Rotz)

Matthias Piazza

«Der Richtplan des Kantons sieht einen sanften Tourismus vor. Und was ist sanfter als ein voller See», fragt Andreas Gasser rhetorisch. Der Lungerer FDP-Kantonsrat und Präsident der neu gegründeten Interessengemeinschaft (IG) naturnaher Lungerersee spricht von einem erfolgreichen Start. «Wir haben bereits 160 Mitglieder, darunter nicht nur Direktbetroffene, sondern auch übrige Einheimische, Heimweh-Lungerer oder Auswärtige, die sich mit Lungern verbunden fühlen.» Sie alle haben sich einem Ziel verschrieben: dem ganzjährig vollen Lungerersee.

Bis jetzt senkt das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) den Stausee während der Wintermonate ab, aus produktionstechnischen Gründen. Zum Vorschein kommt eine Steinlandschaft. Boote liegen auf dem Trockenen, die Badi in Lungern kann erst später öffnen. «Das sind nicht gerade die Bilder, die ein Tourismusort Lungern und Obwalden als Seekanton vermitteln will.»

Am vergangenen Freitag wurde nun die IG gegründet – unter Beisein von 56 Mitgliedern. Dem Vorstand gehören Vertreter von Politik, Tourismus und der Fischerei an. So ist der Lungerer Gemeindepräsident Josef Vogler (CVP) ebenso vertreten wie der Lungerer Kantonsrat Bruno Furrer (CVP).

Widerspruch zu Naturschutz

Dass der See das ganze Jahr über gefüllt sein muss, steht für Andreas Gasser ausser Frage. «Eine Seeabsenkung widerspricht auch den Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes, der im Richtplan 2008 bis 2020 festgelegt ist. Dort steht explizit, dass dem besonderen Lebensraum mit Seen, Wiesen und Wäldern Sorge zu tragen ist.»

Der Werbewirksamkeit des Lungerersees könne nicht genug Beachtung geschenkt werden. So sei er das Tor zum Kanton Obwalden aus Süden und belegte im Lonely-Planet-Reiseführer auf der Bestenliste «worlds best wild swim» den Platz hinter «Schwimmen mit Pinguinen» in Kapstadt. «Bis vor rund 90 Jahren konnten wir über unseren See selbst bestimmen. Seit 1926 wird er nun zur Stromproduktion benutzt – mit allen Vor- und Nachteilen, die eine solche Stromnutzung bringt.» Der See sei ein Teil von Lungern. «Er gehört schon, seit es Lungern gibt, zu unserem Lebensraum.» Zudem habe in der Vergangenheit ein Wertewandel stattgefunden, hin zu mehr Natur-, Landschafts- und Gewässerschutz.

Vorgeschlagen wird, den Seepegel von September bis Anfang Juni auf mindestens 685,75 Meter zu belassen, was eine Schwankung von maximal 2,75 Meter bedeutet. Von Juni bis September soll eine Schwankung von 1,25 Meter möglich sein, was mehr als bisher ist. Bisher wurde der See bis auf eine Höhe von 649 Meter abgesenkt.

Zuversicht

Die IG ist zuversichtlich, ihr Ziel in wenigen Jahren zu erreichen – dass jetzt nach Jahren des Stillstandes und gescheiterter Verhandlungen mit dem EWO Bewegung in die Sache kommt. Zumal das EWO signalisiert habe, das Seeabsenkungs-Regime zu überdenken, falls die Politik dies wünsche, erzählt Gasser weiter.

Und beim Regierungsrat sei man mit den Vorstellungen Anfang April vorstellig geworden. «Je nach Antwort des Regierungsrates werden wir im Rahmen der Statuten weitere Massnahmen treffen.» Und er fügt an: «Unser Vorhaben unterstützt den Regierungsrat in seinem Ziel, die erneuerbare Energie zu fördern, da ein ganzjährig voller See mehr Energie produziert.»