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LUNGERN: Miniatur-Schreiner mit Schalk

Schmucke kleine Ställe, Häuser, Puppenstuben, Vogelhäuschen und Haushaltgeräte aus Holz sind das Werk von Otto Gasser (79). Er ist Schreiner mit Leib und Seele.
Robert Hess
Otto Gasser und das Prunkstück seiner Ausstellung: der im Massstab 1:10 nachgebaute Spycher in der Ey, Giswil, der 1634 erstellt worden war. (Bild Robert Hess)

Otto Gasser und das Prunkstück seiner Ausstellung: der im Massstab 1:10 nachgebaute Spycher in der Ey, Giswil, der 1634 erstellt worden war. (Bild Robert Hess)

«Ich habe den dümmsten Beruf der Welt», sagt Otto Gasser in seiner alten, heimeligen Schreinerwerkstatt in Lungern. Dabei lacht er spitzbübisch. «Ich meine nicht den Schreinerberuf», klärt er den verwunderten Besucher auf, «und der Spruch ist auch nicht von heute, sondern stammt aus dem Jahre 2000, als ich pensioniert wurde.» Tatsächlich hat Otto Gasser, «z Leos», wie er in Lungern heisst, damals den ungeliebten Beruf eines Pensionierten nur zwei Jahre lang ausgeübt, «dann wollte ich wieder Schreiner sein». Nicht im Geschäft der Leo Gasser Söhne AG im Zeigergässli, wo Otto mit seinen Brüdern Leo und Ernst bis 2000 gearbeitet hatte, sondern in der alten Schreinerwerkstatt im «Wendelhof» an der Röhrligasse, wo er Anfang der 1950er-Jahre die Lehre absolviert hatte.

Schreinerhandwerk im Kleinen

Selbstverständlich wollte er als pensionierter «Neu-Schreiner» nicht die frühere Arbeitgeberfirma konkurrenzieren, deren Inhaber seit rund zehn Jahren sein Neffe Bruno Gasser ist. Denn die Herstellung von Türen, Fenstern, Möbeln, Stiegen, Küchen und der Innenausbau von Häusern und Wohnungen waren für «z Leos Otti» endgültig Vergangenheit.

Er wandte sich dem feinen Schreinerhandwerk zu und fertigte künftig nur noch kleinere Dinge an: Ställe, Häuser, Puppenstuben, Spycher, Krippen, Blumenkistli, Vogelhäuschen, Brutkästen für Wildbienen und allerlei Haushaltgeräte aus Holz. «Am Anfang arbeitete ich nur ‹zur Churzwiil›», berichtet Gasser, «doch dann fragten mich immer mehr Leute, ob ich nicht einen Stall für den ‹Gettibiob›, eine Puppenstube ‹firs Techterli› oder ein Häuschen für ‹d Vegl› machen könnte.»

Grösser wurde die Nachfrage, als Gasser 2005 beim ersten Lungerer Adväntsmärt einen Teil seiner Produkte ausstellen konnte. Und zwar in den Räumen der Leo Gasser Söhne AG, die zu diesem Anlass jeweils auch als Bastelwerkstatt für die Kinder umfunktioniert wird. Seither ist Otto Gasser immer am Märt vertreten. Auch der Schalk ist stets dabei: So preist er einen selber angefertigten Fleischklopfer mit dem Spruch «Fürs Fleisch und fürs Füdli» an.

Der Spycher aus Giswil

Das Prunkstück in Gassers Ausstellung im «Wendelhof» ist ein originalgetreuer Nachbau im Massstab 1 zu 10 des 1634 erbauten Spychers in der Ey in Giswil. Der «Schreiner mit Herz und Blut», wie es auf einem Plakat heisst, hatte ursprünglich drei Exemplare gebaut. Eines davon besitzt er heute noch und präsentiert es besonders stolz.

«Eigentlich wollte ich nicht mehr so viel arbeiten», blickt er auf die vergangenen Jahre zurück, «doch hat es sich einfach so ergeben, und inzwischen habe ich sicher über 130 Ställe gemacht.» Dazu kommen Hunderte anderer Holzarbeiten. Jeden Tag steht er am Nachmittag während einiger Stunden in der Werkstatt und empfängt dort regelmässig auch Besucher, die etwas kaufen oder einfach die Ausstellung in- und ausserhalb des Hauses bewundern wollen.

Nicht ums Geld, zur Freude

Für einen grossen Stall wendet Gasser rund 28 Stunden auf, für einen kleinen sind es zwischen 20 und 22 Stunden. Verdienen will er dabei nicht viel. «Das Geld ist mir nicht wichtig», betont der 79-Jährige, «ich habe immer etwas zu tun und bin zufrieden, wenn die Sachen andern Leuten und vor allem den Kindern Freude machen.» Seine Produkte sind durchaus auch zeitgemäss. «So baue ich heute praktisch nur noch Laufställe. Und zwar wegen der Subventionen», fügt «z Leos Otti» augenzwinkernd hinzu.

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