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LUNGERN: «Mondlandschaft» hat auch gute Seiten

Die meisten Gäste und Touristikunternehmen ärgern sich über den tiefen Seepegel. Mancher kann dem aber auch etwas abgewinnen.
Marion Wannemacher
Der Seeboden des abgelassenen Lungerersees wird auch gerne zum Motocross-Fahren genutzt. (Bild Christoph Riebli)

Der Seeboden des abgelassenen Lungerersees wird auch gerne zum Motocross-Fahren genutzt. (Bild Christoph Riebli)

Marion Wannemacher

Er sieht im Winter gar trist und armselig aus. Die smaragdgrüne Schönheit des Stausees leidet im Winter durch die Absenkung des Seepegels um rund vierzig Meter extrem. Grau treten die Uferringe hervor, lehmig morastig kommt an manchen Stellen der Seegrund zum Vorschein, «eine virtuelle Mondlandschaft», monierte dieser Tage ein Leserbriefschreiber aus Lungern. Die Rede ist vom «trostlosen Tümpel».

Wie viel ist nicht schon unternommen worden, um die Seeabsenkung zu verhindern. Vor etwa einem Jahr wurde eine Interessengemeinschaft von Einheimischen, Heimweh-Lungerern und Auswärtigen gegründet. Diese schlug vor, den Seestand auf mindestens 685,75 Meter zu belassen, was eine Differenz von maximal 2,75 Meter bedeutet hätte.

Ein Vorstoss beim Obwaldner Regierungsrat blieb erfolglos: Der Einschnitt in die Bewirtschaftung des Speichersees würde für das Elektrizitätswerk Obwalden Jahresverluste von 1 bis 1,5 Millionen Franken bedeuten, wurde geltend gemacht. Regierungsrat Paul Federer führte an, das EWO habe mit IG-Mitgliedern an einem Tisch gesessen, es sei aber keine Lösung gefunden worden. Die Konzession zur Bewirtschaftung läuft noch bis 2041. Daran wolle man nicht rütteln, sagte Baudirektor Federer im vergangenen November auf Anfrage.

Wer in Lungern lebt oder im Winter Ferien macht, nimmt den tiefen Seepegel in Kauf. Wenn es aber wieder einen frühzeitigen Sommer geben sollte, streben Gäste nach einem Bad im See. Je nach Stelle ein schwieriges Unterfangen.

Auch das ist am See immer mal wieder zu beobachten: Töfffahrer, die das Zusatzterrain für Motocross-Runden nutzen. Mancher mag dem tiefen Seepegel etwas Positives abgewinnen: Die Uferreliefs lassen sich ausmachen. Der See zeigt sich in der unterschiedlichen landschaftlichen Ausprägung mit Felsen und Sumpfgelände.

Am See die Zeit vergessen

Bärbi Zumbrunn, Präsidentin von Tourismus Lungern und Betriebsleiterin vom Hotel und Restaurant Kaiserstuhl, erzählt von einer Begegnung mit einer Schulklasse aus dem Aargau: «Die haben den Zug eine Stunde später nehmen müssen, weil sie unten am See die Zeit vergessen haben.» Ganz verdreckt seien sie gewesen, erzählt sie schmunzelnd. Auch unter den Einheimischen sei es im Winter üblich, mit den Kindern am See zu «dräckle». Stinken würde der See nicht, bestätigt sie. «Ich hab aber das Gefühl, der Wind sei stärker, wenn der Pegel tiefer steht. Das kann aber auch an der Jahreszeit liegen. Vielleicht gibt es da einfach mehr Sturmböen.»

«Voller See ist optisch schöner»

Manchmal wird Bärbi Zumbrunn angesprochen: «Ah, Lungern, das ist da, wo der Seespiegel unten ist.» Das sei auch ein «Wert», sagt sie mit Augenzwinkern. Natürlich wäre es schöner, wenn der See nur um eineinhalb Meter tiefer wäre, findet sie. «Ein voller See ist einfach optisch schöner.» Manche Gäste fragten, ob das nur temporär sei, ob es mit einem Bauprojekt zu tun habe. Dafür werde aber der See zu einer Zeit abgelassen, in der touristisch nicht so viel los sei.

Fürs Fischen spiele der Seepegel nicht so eine grosse Rolle, erklärt Willy Walker, Fischereiverantwortlicher im Verwaltungsrat der Lungerersee AG. Im Gegenteil: «Bei abgesenktem See ist das Platzangebot zum Fischen rund um den See viel grösser.» Ideal wäre für die Fischer ein um fünf Meter tieferer Seepegel als normal. Probleme gebe es an gewissen Abschnitten mit Schlamm und Dreck, wenn die Differenz des Spiegels stark abgesenkt ist. Laichverluste treten laut Walker dann auf, wenn der See während der Laichzeit im Dezember und Januar abgelassen wird. Dieses Jahr wurde der See allerdings erst Ende Februar abgesenkt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Fische bereits geschlüpft.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die IG naturnaher Lungerersee jedenfalls hat nach Angaben von Präsident Andreas Gasser noch Hoffnung, eine gemeinsame Lösung zu finden. «Wir wollen mit dem EWO im Gespräch bleiben und noch einmal einen Vorschlag unterbreiten.»

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