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LUNGERN: Obwaldner Sessellift reist nach Tschechien

500 bis 600 Tonnen Sesselbahn-Material werden bis im Winter vom Schönbüel auf der Strasse nach Tschechien spediert. Quasi über Nacht hat der Berg so ein Facelifting erhalten.
Christoph Riebli
Beim Sammelplatz ob Turren werden die Bahnrollen auf den Camion verladen. Bild: Corinne Glanzmann (Lungern, 2. November 2016)

Beim Sammelplatz ob Turren werden die Bahnrollen auf den Camion verladen. Bild: Corinne Glanzmann (Lungern, 2. November 2016)

Wie Tag und Nacht: So frappant ist die Veränderung auf Schönbüel, ohne ständig die Masten der stillgelegten Sesselbahn im Blickfeld zu haben. Die total 22 Stützen hatten die Berglandschaft zwischen Turren und Schönbüel seit 1999 derart geprägt, dass ihr plötzliches Verschwinden dem Gebiet fast schon ein neues Gesicht verleiht.

«In nicht einmal fünf Stunden war alles weg», erzählt Heinz Altmann, der mit seiner Firma Altmann Seilbahnen für die Demontage zuständig ist. So ganz weg sind die Stützen jedoch noch nicht: Etwas sonderbar mutet derzeit das Metallgewirr aus Seilbahnrollen und Masten zwischen Turren und Breitenfeld an. Auf diesen Sammelplatz wurden die zerlegten Bauteile der Sesselbahn diese Woche per Helikopter geflogen. Via Strasse gelangen sie nun ins Tal: «Bis Ende Woche möchten wir alles Stützenmaterial unten haben», meint Heinz Altmann zum Zeitplan.

«Ein kompletter Glücksfall»

Dass nun alles schnell geht, nachdem es lange gestockt hat, hat seinen Grund: Die Teilsame Lungern-Obsee als Besitzerin hat erst vergangene Woche den Kaufvertrag für die Sesselbahn abgesegnet und den Zuschlag einem zweiten Käufer gegeben (wir berichteten). «Der erste Käufer, ein Händler aus Polen, versuchte schnelles Geld zu machen. Als er seinem Endabnehmer in Polen die Bahn für das Doppelte andrehen wollte, war dieser dann abgesprungen», erzählt Heinz Altmann zu den Hintergründen. Und zum Händler, der wiederum die Teilsame wegen angeblicher Mängel im Kaufvertrag angezeigt hat: «Für mich ist das ein Vagant. Wegen seines Verhaltens steckten wir alle in der Zwickmühle.» Denn die Vorarbeiten für den jüngsten Helikoptertransport seien bereits vor einem halben Jahr erfolgt. «Da kein Geld gekommen ist, mussten wir die Arbeiten einstellen.»

In dieser kurzen Zeit einen anderen Käufer zu finden, sei aus seiner Sicht «ein kompletter Glücksfall». Für die Teilsame sei das «eine brutale Strafaufgabe» gewesen. Etappenweise wird das demontierte Material nun per Sattelschlepper in ein Skigebiet in Osteuropa transportiert: «Die Bahn hätte man in der Schweiz aufgrund neuer Sicherheitsnormen nirgends mehr aufstellen können», erklärt der Fachmann. Auch ein Verkauf im übrigen westeuropäischen Alpenraum sei deshalb nicht in Frage gekommen.

Rund 900 Strassenkilometer von Lungern entfernt liegt Deštné. Das Skigebiet im tschechischen Adlergebirge liegt auf einer Höhe von 600 bis 850 Metern und verfügt gemäss Bewertungen im Internet über 4,5 Pistenkilometer. Vor Ort soll es neben einer Doppelsesselbahn auch mehrere Schlepplifte geben. Gemäss Heinz Altmann wird dort auch die Vierersesselbahn aus Lungern revidiert und nächstes Jahr wieder in Betrieb genommen. Doch das geht nicht einfach so: «Es braucht schon noch Anpassungsarbeiten.» Etwa bei den Stützen. Auch die Elektronik für die Bahnsteuerung müsse vollständig erneuert werden. Der Bahnfachmann schätzt, dass der neue Betreiber für den Wiederaufbau und die Inbetriebnahme der Anlage das x-Fache des Kaufpreises investieren muss. «Total sind das sicher gegen 1,5 Millionen Franken.»

Über 500 Tonnen müssen transportiert werden

«Bereits sechs Lastwagen, unter anderem mit den Sesseln an Bord, sind bereits nach Tschechien unterwegs. Total braucht es wohl mindestens 30 weitere Fahrten», schätzt Altmann. Denn das gesamte Sesselbahn-Material wiege schätzungsweise 500 bis 600 Tonnen. Derzeit demontieren die Seilbahn-Spezialisten aus Altendorf die Bergstation auf Schönbüel – die Talstation ist bereits komplett zurückgebaut: «Wir möchten noch vor dem Winter damit fertig werden», hofft Altmann. Damit wäre dann zugleich ein Kapitel der jüngeren, turbulenten Schönbüel-Geschichte abgeschlossen.

Christoph Riebli

500 bis 600 Tonnen Sesselbahn-Material werden bis im Winter vom Schönbüel auf der Strasse nach Tschechien spediert. (Bild: Corinne Glanzmann)

500 bis 600 Tonnen Sesselbahn-Material werden bis im Winter vom Schönbüel auf der Strasse nach Tschechien spediert. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die total 22 Stützen hatten die Berglandschaft zwischen Turren und Schönbüel seit 1999 derart geprägt, dass ihr plötzliches Verschwinden dem Gebiet fast schon ein neues Gesicht verleiht. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die total 22 Stützen hatten die Berglandschaft zwischen Turren und Schönbüel seit 1999 derart geprägt, dass ihr plötzliches Verschwinden dem Gebiet fast schon ein neues Gesicht verleiht. (Bild: Corinne Glanzmann)

Rund 900 Strassenkilometer von Lungern entfernt liegt Deštné. Das Skigebiet im tschechischen Adlergebirge liegt auf einer Höhe von 600 bis 850 Metern und verfügt gemäss Bewertungen im Internet über 4,5 Pistenkilometer. (Bild: Corinne Glanzmann)

Rund 900 Strassenkilometer von Lungern entfernt liegt Deštné. Das Skigebiet im tschechischen Adlergebirge liegt auf einer Höhe von 600 bis 850 Metern und verfügt gemäss Bewertungen im Internet über 4,5 Pistenkilometer. (Bild: Corinne Glanzmann)

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