LUNGERN: Schönbüel belastet Teilsame noch lange

Ab 2016 weht ein frischer Wind auf dem «Pleitenberg». Doch auch mit neuem Investor plagen die Korporation Altlasten. Vielleicht sogar für ein ganzes Jahrzehnt.

Christoph Riebli
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Archivbild Neue OZ / Corine Glanzmann

Archivbild Neue OZ / Corine Glanzmann

Es passierte, als niemand mehr so recht daran glauben mochte: die Rettung der Seilbahn von Lungern nach Turren durch den Alpnacher Unternehmer Theo Breisacher. Der 79-Jährige garantiert dem Berg mit bewegter Geschichte einen soliden Neubeginn. Dazu investiert er gegen 8,5 Millionen (wir berichteten).

Mit Altlasten muss indessen die Teilsame Obsee, die Grundbesitzerin, zurechtkommen. Mit der Löschung der ursprünglichen Verträge mit der Panoramawelt Lungern-Schönbüel AG fallen alle übrigen Anlagen sowie Schulden in ihren Besitz: Natürlich freue es auch ihn, dass die Turrenbahn erhalten bleibe, doch «ich finde, der Bürger darf auch wissen, dass uns das etwas kostet», sagt Pius Gasser, Korporationsbürger und Mitglied der Seilbahnkommission. Damit es auf dem Berg weitergehe, habe die Teilsame zwei Grundpfandgläubiger auszahlen müssen. Kostenpunkt 370 000 Franken. Zudem müsse sie auch die weiteren Lasten noch beseitigen, Anlagen und Gebäude rückbauen.

Schmerzender Landverkauf

«Das darf man schon wissen», sagt auch Teilsame-Präsident Hansurs Bürgi. Es sei jedoch schwierig, eine konkrete Zahl zu nennen. Genauso wie für Land ausserhalb der Bauzone mit baufälligen Gebäuden drauf einen Verkaufswert zu finden. Fest steht: Die Korporation sei Kompromisse eingegangen, einerseits beim Landverkauf auf Turren an die LTB Lungern-Turren-Bahn und andererseits bei der Übernahme «gewisser» Schulden. «Es ist für uns die beste Lösung, obwohl der Landverkauf schon wehtut», gibt Bürgi zu.

Alles andere als ein Gelingen der Aktion wäre eine absolute Katastrophe und für die Teilsame verheerend gewesen: «Hätte es keine Lösung gegeben, hätten wir alles selbst rückbauen müssen.» Mit Kostenfolgen von 5 bis 6 Millionen Franken «oder sogar noch mehr». Dass man die Bahn also nicht einfach stehen lassen konnte, hätten auch die rund 60 Teiler (Bürger) an der Teilengemeinde grossmehrheitlich so gesehen.

Nebst den Verhandlungen rund um die neue Seilbahngesellschaft sei dazu gekommen, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Frist für das Abhängen der seit März 2013 stillstehenden Transportseile nur für kurze Zeit aufgeschoben hatte. Für alternative Lösungen fehlte also schon bloss die Zeit.

Interessent aus dem Südtirol

Wie weiter? «Es steht noch vieles in den Sternen», sagt Hansurs Bürgi, «diese Geschichte wird uns noch lange beschäftigen.» Er ist dieser Tage auch ein viel beschäftigter Mann. Denn es gilt, die Skilifte auf Schönbüel und den Sessellift von Turren auf Schönbüel zurückzubauen. «Das Bewilligungsverfahren dafür ist so aufwendig wie für einen Neubau», veranschaulicht er. Das BAV habe eine ganze Liste voller Anforderungen zugestellt. Immerhin habe man bereits einen Interessenten für die Sesselbahn gefunden. Und: «Die Bahn kommt kostendeckend weg», sagt Bürgi. Ein Zwischenhändler aus dem Südtirol sei daran interessiert. Wo genau die Bahn letztendlich zu stehen kommt, weiss er noch nicht. «Irgendwo weiter in Richtung Osten.»

Rund zwei bis drei Monate dauere der Abbau im Herbst voraussichtlich – unter der Voraussetzung, das BAV erteile die Bewilligung für den Rückbau zügig – und das Wetter auf fast 2000 Meter über Meer sorge für keine Überraschungen. Ausgeführt werden die Arbeiten von einem Seilbahnmonteur aus der Region. «Das kann nicht jedermann. Die Seile muss man ablegen und die Masten für den Lufttransport vorbereiten.»

Ohne Hilfe aus der Luft geht es nämlich nicht zwischen Turren und Schönbüel: «Es muss praktisch alles bis in Strassennähe geflogen werden», so Hansurs Bürgi. Und: «Ich habe die schwache Hoffnung, dass uns das Militär die beiden Skilifte ausfliegt.» Auch die Tal- und Bergstation der Sesselbahn gelte es noch abzubauen. Um Unterstützung, gerade etwa für den Rückbau der Masten-Fundamente der Sesselbahn, hat die Teilsame nebst der Armee den Zivilschutz oder auch Job-Vision gebeten. Die Antworten sind jedoch noch hängig.

Keine Eile wegen Bestandesgarantie

Das Berghaus auf der Krete wird von einer Genossenschaft weiter betrieben. Was mit dem Sporting-Gebäude auf Schönbüel passiert, dem ehemaligen Restaurant und Massenlager, steht noch nicht fest. «Der Bau geniesst Bestandesgarantie. Solange er niemanden gefährdet, muss er nicht abgebrochen werden.» Nahtlos daran folgt die alte Bergstation der ehemaligen Gondelbahn auf Schönbüel. Für den Betonbau könnte sich Hansurs Bürgi dereinst eine alpwirtschaftliche Nutzung vorstellen. Doch auch das sei noch keine beschlossene Sache. Auf die Frage, bis wann er einen Schlussstrich unter die Sache zu ziehen hofft, sagt Bürgi: «Zehn Jahre könnte der Rückbau sämtlicher Anlagen schon noch dauern.»

Christoph Riebli