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LUNGERN: Sesselbahn-Händler zeigt Korporation an

Beim Verkauf der alten Sesselbahn auf Lungern-Schönbüel harzt es. Ein polnischer Händler hat angebliche Mängel im Kaufvertrag festgestellt – und fordert seine Anzahlung zurück. Die Besitzerin aber will nichts davon wissen.
Adrian Venetz
Masten und Rollen der stillgelegten Schönbüel Sesselbahn, welche verkauft werden soll (Bild: Markus von Rotz / OZ)

Masten und Rollen der stillgelegten Schönbüel Sesselbahn, welche verkauft werden soll (Bild: Markus von Rotz / OZ)

Am Dienstag trifft sich die Teilsame (Korporation) Lungern-Obsee, um den Verkauf der stillgelegten Sesselbahn Turren-Schönbüel zu besprechen. Offenbar hat man einen Käufer aus Osteuropa gefunden. Für Gesprächsstoff sorgen dürfte an der Versammlung allerdings ein weiterer Osteuropäer.

Dieser hatte sich zu einem früheren Zeitpunkt für die Bahn interessiert und sogar einen Kaufvertrag mit der Teilsame abgeschlossen. Der Mann ist im Sommer aber plötzlich abgesprungen. Es handelt sich um ­einen Polen, der in Liechtenstein eine Firma betreibt und sich unter anderem auf den Kauf und Weiterverkauf von alten Seilbahnanlagen spezialisiert hat. Dieser Mann übt nun heftige Kritik an der Teilsame. Sie habe, so sagt er gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag», die Sesselbahn unter falschen Angaben angepriesen. Gemäss den technischen Daten der Anlage verfüge die Bahn über 120 Sessel. Als man jedoch vor Ort mit dem Abbau der Anlagen beginnen wollte, habe sich gezeigt, dass 29 Sessel fehlten. Deshalb habe er sich entschlossen, den Kaufvertrag – die Rede ist von einem Kaufpreis von 200 000 Franken – zu kündigen.

Teilsame rechtfertigt ihr Vorgehen

Anschliessend forderte der polnische Geschäftsmann seine Anzahlung von 70 000 Franken zurück. Die Bankbelege für diese Zahlung an die Teilsame Lungern-Obsee liegen unserer Zeitung vor. Die Besitzerin ging auf die Forderung, die Anzahlung zurückzuerstatten, indes nicht ein, worauf der Pole mit gerichtlichen Schritten drohte. Diese Drohung hat er nun wahr gemacht. Wie die Obwaldner Kantonspolizei auf Anfrage bestätigt, ist eine Anzeige gegen die Teilsame eingegangen. Der Fall geht nun weiter an die Staatsanwaltschaft.

Teilsame-Präsident Hansurs Bürgi spricht von «haltlosen Vorwürfen». Die technischen Daten, auf die sich der polnische Geschäftsmann beziehe, stammten aus einer alten Broschüre des Seilbahnherstellers Garaventa und bildeten keinerlei rechtliche Grundlage für den Kaufvertrag. Die Teilsame habe im Kaufvertrag klar festgehalten, dass die gesamte Sesselbahn «ab Platz» zu verkaufen sei. Man habe Kaufinteressenten darauf hingewiesen, dass die Anlage vor Ort besichtigt werden könne. Bürgi ist vielmehr überzeugt, dass der Endabnehmer der Bahn – ein Kunde aus Osteuropa – das Interesse an der Sesselbahn verloren hat und folglich auch der polnische Geschäftsmann damit nichts mehr anzufangen wusste. Das sei aber nicht das Problem der Teilsame. Deshalb werde man die Anzahlung nicht zurückerstatten. Schliesslich habe der Pole den Vertrag ohne triftigen Grund gekündigt.

Laut dem Präsidenten habe man sich juristisch beraten lassen. «Er droht uns immer wieder mit rechtlichen Schritten», sagt Hansurs Bürgi. Er ist offenbar nicht der Einzige, der mit dem polnischen Geschäftsmann im Clinch steht. Auch im Zusammenhang mit dem Abbau einer alten Seilbahn auf der Riederalp im Wallis ist nicht alles rund gelaufen, wie aus verlässlichen Quellen zu vernehmen ist.

«Es gibt einige in der Branche, die Probleme mit ihm ­haben», sagt ein langjähriger Seilbahnunternehmer aus der Zentralschweiz, der namentlich nicht genannt werden will. «Ein seriöser Händler ist er meiner Meinung nach nicht.» Zu diesen Vorwürfen wollte der polnische Geschäftsmann auf Nachfrage keine Stellung mehr nehmen.

Die Sesselbahn auf Lungern-Schönbüel war früher geleast und gehörte dem Seilbahnunternehmen Garaventa. Nachdem die damalige Betreiberin – die Panoramawelt Lungern-Schönbüel – in Konkurs gegangen war, stand die Sesselbahn still. Die Garaventa hat dann im Zuge des Neustarts auf dem Ausflugsberg die Anlage an die Teilsame Lungern-Obsee als Landbesitzerin abgetreten. Wie Garaventa-Geschäftsführer Istvan Szalai auf Anfrage sagt, ist ihm bekannt, dass es beim Verkauf der Sesselbahn harzt. Man sei allerdings in keiner Form in die Verhandlungen involviert ­gewesen. Die Firma halte sich bewusst fern von solchen Export­geschäften mit alten Bahnen. Istvan Szalai: «Wir wissen, dass sich eine alte Sesselbahn nur sehr selten und meist nicht vollständig an einem anderen Ort wieder aufstellen lässt.»

Adrian Venetz

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