Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUNGERN: St. Nikolaus kam bei eisiger Kälte

Als der «Samiglois» am Sonntag in Lungern einzog, peitschte ihm ein bissiger Wind Eisregen in Gesicht und Bart. Seine finsteren Schmutzli aber hielten die vielen Zuschauer trotz Kälte ständig auf Trab.
Die Lungerer «Samigloise» trotzen samt Schmutzli, Lakaien, Trinklern und zwei Eselchen Schneeregen und eisigem Wind. (Bild: Romano Cuonz (Lungern, 10. Dezember 2017))

Die Lungerer «Samigloise» trotzen samt Schmutzli, Lakaien, Trinklern und zwei Eselchen Schneeregen und eisigem Wind. (Bild: Romano Cuonz (Lungern, 10. Dezember 2017))

Wenn im Bergdorf Lungern an einem Tag trotz Minustemperaturen, eisigem Regen und bissigem Wind Hunderte aus ihren warmen Stuben kommen und all dieser Unbill zum Trotz voll Spannung an der Dorfstrasse stehen, dann kann nur der «Samiglois» im Anmarsch sein. Jede und jeder im Dorf weiss nämlich, dass der gute Mann im roten Bischofsrock mit Mitra und goldenem Stab aus seiner Hütte im Wald kommt und allen braven Kindern Süssigkeiten ohne Zahl mitbringt.

Genau genommen ist es nicht nur ein Samiglois: Nein, Lungern wird von gleich zweien besucht, und das ganz Besondere dabei ist, dass auch jeder von ihnen sein eigenes Eselchen mitbringt. Eines der Tiere ist grau und zahm und trägt vollbepackte Körbe. Das andre aber ist schwarz und eher ein bisschen störrisch.

Trinkler machen den Geistern den Garaus

Auch sonst sind die beiden «Samigloise» nicht allein. Wenn sie so nebeneinander der Kirche entgegenschreiten – würdevoll, obwohl in ihren Bärten vereisende Regentropfen nur so glitzern –, werden sie von ihren Lakaien mit den Geschenkkörben begleitet. Und natürlich ist da auch eine grosse Schar von Trinklern dabei. Die Buben wissen ganz genau, wie sie mit ihren Glocken allen Geistern den Garaus machen können. Einer der Trinklerbuben ist Luca. Er erzählt: «Auch bei diesem Sauwetter herrscht unter uns Trinklern eine ganz coole Stimmung.» Allerdings, so Luca an die Adresse aller Lungerer: «Es wäre bei dieser Saukälte schon gut, wenn man uns da ­ oder dort etwas zum Essen und Trinken aufstellen würde.» Zum Schlafen seien sie in diesen Tagen nur wenig gekommen!

Für Bewegung sorgen die Schmutzli. In Lungern sind sie furchterregender als anderswo: Rote Augen und Münder im rabenschwarzen Gesicht haben sie, und auf ihren Köpfen prangen spitze Hörner. Wo immer Buben frech oder Mädchen vorwitzig werden, machen die Schmutzli mit Stöcken Jagd auf sie. Den kleinen Marc stecken sie gar in den Sack. Doch kaum wieder draussen, lacht er übers ganze Gesicht: «Ich habe doch keine Angst, und zudem ist es im Sack viel wärmer als draussen!» Am Schluss sind dann alle froh, dass im warmen Pfarreisaal Cheli, Glühwein, Nüssli, Lebkuchen und andere Leckereien bereitstehen. Sogar für die beiden Eselchen gibt es eine Sonderration Heu. Nur die Trinkler haben noch lange nicht Feierabend: Ihr dröhnendes «Bumm, Bumm, Bumm» wird auch in den entlegensten Teilen des Bergdorfes noch bis nach Mitternacht zu hören sein.

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.