Lungerer waren zu einer besonderer Buchvernissage geladen

Die stark sehbehinderte Lungererin Hanny Sutter wird an der Vernissage ihres Buches für ihre besondere Beobachtungsgabe gelobt.

Robert Hess
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Hanny Sutter mit ihrem Mann Hans an der Vernissage. (Bild: Robert Hess, Lungern, 24. November 2019)

Hanny Sutter mit ihrem Mann Hans an der Vernissage. (Bild: Robert Hess, Lungern, 24. November 2019)

«Der Föhn braust in den Bergen, fällt ins Tal, reisst an den Bäumen, schüttelt die Blätter, treibt sie vor sich her durch Strassen und Matten.» – Es sind die ersten Zeilen des Gedichts «Später Herbst» im eben erschienenen Buch von Hanny Sutter-Gasser. Unter dem Titel «Wo ich daheim bin» schenkt uns die 1938 in Lungern geborene Autorin mit Gedichten, Betrachtungen und Geschichten eine Auswahl ihres literarischen Schaffens aus drei Jahrzehnten. Sie «blieb ihrem Bergdorf immer treu, kam erst zum Schreiben, als ihre drei Kinder flügge wurden», heisst es im Begleittext. Sie erreichte ihre Leserschaft mit Artikeln und Kolumnen im «Lungerer Boten», im «Obwaldner Wochenblatt», im «Lungern informiert» und auch in der Tageszeitung.

Als hätte der Föhn geahnt, dass er im neuen Buch Hanny Sutters gebührenden Platz finden werde, machte er sich bereits am Samstag, einen Tag vor der Buchvernissage, mit ganzer Heftigkeit bemerkbar. Bis zum Sonntag hatte er sich zur Ruhe gelegt, der traditionelle «Adväntsmärt» konnte stattfinden, und viele der rund hundert Besucher der Buchvernissage erfreuten sich vorher an den schönen Ständen mit vielen einheimischen Produkten und der vorweihnachtlichen Stimmung.

Peter Ming, Inhaber des Lava-Verlages Lungern, hob in seinen Einführungsworten an der Vernissage «die besondere Beobachtungsgabe» von Hanny Sutter hervor. «Wachsam sein heisst für sie, Wertschätzung für das Kleine haben und das Unscheinbare achten als etwas Grosses und Wertvolles.»

Mit einem richtigen Buch beschenkt

«Für Hanny geht damit ein Traum in Erfüllung», meinte später Ehemann Hans Sutter. «Trotz ihrer starken Sehbehinderung und der beschränkten Schreibfähigkeit hat sie uns mit einem richtigen Buch beschenkt.» Sie habe dabei auf Hilfe und Unterstützung vieler Freunde zählen dürfen. Besonders die Kolleginnen Brigitte Jurt und Greta Waltisberg von der Schreibwerkstatt Luzern hätten sie motiviert und bei der Sichtung der umfangreichen Materials sehr unterstützt. «Ein solches Lob gehört vor allem Hans», meinte Jurt später im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Vernissage wurde abgerundet durch Kostproben aus dem Buch, vorgetragen von Sabi Zurgilgen, Evi von Wyl und Karl Vogler. Peter Berchtold umrahmte die Texte musikalisch sehr einfühlsam und Albert Amgarten, «dr Chrummelbacher Älpler», krönte die Feierstunde mit dem Betruf.

«Ds Hanny will oi nu eppis sägä», sagte Hans Sutter schliesslich. Sie dankte allen, die zum guten Gelingen des Buches beigetragen hatten und meinte dann sichtlich bewegt: «Ich hoffe, dass ihr mich darin spürt.»