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LUNGERN: Wenn Familienväter ihr Dorf rocken

Am nördlichen Dorfeingang steht der Turm der Alten Kirche. Hin und wieder ist es jedoch um die ländliche Idylle rund um das historische Gemäuer geschehen.
Backface in ihrem Proberaum: von links Benno Ming (Gitarre), Pirmin Ming (Sänger), Hannes Ming (Schlagzeug), Andreas Imfeld (Bass), René Gasser (Gitarre). Bild: Primus Camenzind (Lungern, 14. März 2017)

Backface in ihrem Proberaum: von links Benno Ming (Gitarre), Pirmin Ming (Sänger), Hannes Ming (Schlagzeug), Andreas Imfeld (Bass), René Gasser (Gitarre). Bild: Primus Camenzind (Lungern, 14. März 2017)

Im Übungslokal der Hardrock-Band Backface wird nämlich mindestens einmal pro Woche knallhart gerockt. Die Besetzung der Band samt Manager wird vollständig von den einheimischen Familiennamen Ming, Imfeld und Gasser beherrscht. Es sind gestandene Familienväter mit bürgerlichen Berufen, die sich zurzeit auf die Präsentation und Taufe ihrer CD «Bullets and Balls» vorbereiten. Sie greifen zu ihren Gitarren, zum Bass, Schlagzeug oder zum Mikrofon und lassen keine Zweifel offen: Backface spielt Musik, welche den Bandmitgliedern sichtlich Spass macht.

Lange Haare wurden weniger – Musik blieb laut

Aus Lungern sind allerdings schon früher rockige Töne gekommen. Elmar Ming, Manager von Backface, erinnert sich an seine Jugendjahre: «Jetzt kommen die Langhaarigen aus Lungern wieder, hiess es jeweils, wenn wir im Unterland auftauchten.» Luke Gasser sei der Erste im Dorf gewesen, der mit seiner Band Leif Erikson rockige Töne von sich gegeben habe. «Das hat uns schon motiviert», sagt der 46-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. «Heute wird bei uns Hardrock gespielt – nicht zuletzt von jenen, denen die langen Haare inzwischen ausgegangen sind», betont er mit Verweis auf die Musiker von Backface.

«Die Jugend von heute ist weniger an unserem Sound interessiert», stellt Elmar Ming fest. «Es sind eher unsere Kollegen und der Bekanntenkreis ab 30, die den Stil von AC/DC, Status Quo, den Rolling Stones und ähnlichen Gruppen schätzen.» Von Nostalgie will er jedoch nicht sprechen, denn die eben erwähnten Gruppen seien ja heute noch sehr gefragt. «Diese Musik ist einfach, gradlinig, kompakt und pulsierend – einfach gut», bekräftigt er. «Das sind jene Eigenschaften, die Backface ebenfalls anstrebt», gibt Ming zu verstehen.

Neue Eigenkompositionen erscheinen auch auf Vinyl

Tatsächlich, was wir beim Besuch im Übungslokal der Band zu hören bekommen, ist dank Gehörschutzstöpseln in der Lautstärke reduziert, aber äusserst kompakt und von beachtenswerter Qualität. Im Programmdurchlauf für das anstehende Konzert werden lauter Eigenkompositionen gespielt: «Shake it», «Movin’ On», «Get In», «Shut Down», «Fire», «High Loaded» heissen einige der 16 Titel, welche mit der Überschrift «Bullets And Balls» nicht nur auf CD, sondern auch auf eine limitierte Anzahl Vinylplatten gepresst werden.

Pirmin Ming, Frontman der Gruppe, verzichtet im Übungsraum auf eine Bühnenshow. Der Ex-Sänger der Lungerer Band Painkiller stellt jedoch schon beim Proben seine elektrisierende Rockröhre unter Beweis. Links und rechts von ihm überzeugen Benno Ming und René Gasser abwechselnd mit gekonnten Gitarrensoli und mitreissender Begleitung, während Bassist Andreas Imfeld und Schlagzeuger Hannes Ming in der «second line» die ­stabile rhythmische Basis beisteuern.

Jodlerklub und Rockband schliessen sich nicht aus

Da der Manager von Backface gleichzeitig auch Präsident des Jodlerklubs Bärgsee Lungern ist, drängt sich die Frage auf, wie die sonst eher ländlich geprägte Dorfbevölkerung auf die Rockszene im Dorf reagiert. «Wir sind absolut akzeptiert. Bis vor kurzem waren übrigens zwei Bandmitglieder auch im Jodlerklub», gibt Elmar Ming zu verstehen. «Die Zeiten, in denen harte Musik hier noch einen Kulturschock auslöste, sind längst vorbei», bekräftigt er.

Den Job als Manager will er nicht überbewerten. «Sehr bescheiden», meint er zu seiner Arbeit. Der gelernte Offsetdrucker erledigt einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit, er fotografiert, gestaltet die Drucksachen und das CD-Cover, organisiert die Konzerte und die bevorstehende CD-Taufe und anderes mehr. Bei diesem Pflichtenheft scheint der Begriff Manager also doch nicht ganz aus der Luft gegriffen, aber «die Engagements holen die Jungs selber rein», lässt er uns wissen.

Auch das persönliche Umfeld der Bandmitglieder zieht mit. Was die Familien angeht, einigen wir uns mit Elmar Ming auf folgende These: «Lieber glückliche Männer, die ab und zu im Proberaum oder auf der Bühne abrocken, als weniger glückliche Männer, die auf ihr heissgeliebtes Hobby verzichten.» Die Band ist seit fast zehn Jahren auf den Bühnen der Region im Einsatz. Nach Erscheinen des neuen Tonträgers sollen etliche Konzerte folgen.

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

CD-Taufe «Bullets And Balls» von Backface. Samstag, 8. April, 20 Uhr, im «Elliot’s» in Lungern. Eintritt frei.

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