LUNGERN: Werden Seile zu Juristenfutter?

Das Bundesamt für Verkehr verlangt den Abbau der Bahnseile. Doch niemand will zuständig sein. Ein Rechtsstreit droht oder rettet ein Fahrplan der Regierung alles?

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Bis vor zwei Jahren noch in Gebrauch: Die Seile der Pendelbahn Lungern-Turren. (Archivbild Markus von Rotz)

Bis vor zwei Jahren noch in Gebrauch: Die Seile der Pendelbahn Lungern-Turren. (Archivbild Markus von Rotz)

Oliver Mattmann

Selbst wenn die Luftseilbahn Lungern Turren und der Sessellift nach Lungern-Schönbüel seit März 2013 stillstehen, geht von den Seilen «eine potenzielle Gefahr für die Bevölkerung und die Luftfahrt aus», heisst es beim Bundesamt für Verkehr (BAV). Es habe darum das Obwaldner Konkursamt in einem Schreiben aufgefordert, die Seile beider Bahnen bis Ende April zu demontieren, bestätigt BAV-Mediensprecher Jürg Walpen einen Bericht des «Sonntagsblicks». Das kostet offenbar mehrere zehntausend Franken. Laut einem im Bericht zitierten Experten stehen die Seile auch unter Belastung, wenn die Bahn nicht fährt. Im schlimmsten Fall könnten sie reissen. Doch warum wurde das Konkursamt in die Pflicht genommen? Zum Zeitpunkt des Schreibens seien das Konkursverfahren noch hängig und das Amt für die Verwaltung der Anlagen zuständig gewesen, begründet Jürg Walpen.

Ratlosigkeit beim Konkursamt

Inzwischen hat sich die Ausgangslage geändert: Das Konkursverfahren ist eingestellt und somit der einzige Verwaltungsrat der in Liquidation befindlichen Panoramawelt Lungern Schönbüel AG, Paul Niederberger, wieder Eigentümer der Bahnanlagen. Und gemäss Seilbahngesetz ist dieser verantwortlich für den Rückbau. Bekanntlich hat Niederberger nach der Stilllegung der Bahnen vor zwei Jahren dem Kanton Obwalden den Rücken gekehrt. Via «Sonntagsblick» lässt er ausrichten, das bei ihm nichts zu holen sei. Seiner Meinung nach müsste die Teilsame Obsee (Korporation) als Grundeigentümerin für die Abbaukosten aufkommen. Was diese davon hält, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Präsident Hansurs Bürgi war wegen Ferien nicht erreichbar.

Beim Konkursamt scheint derzeit noch Ratlosigkeit zu herrschen, wer in dieser Angelegenheit nun aktiv werden muss. Auf Anfrage unserer Zeitung heisst es nur: «Das Konkursamt ist derzeit mit der Klärung der Zuständigkeiten beschäftigt. Bis darüber Klarheit besteht, können wir keine Auskunft erteilen.»

Auf ersten Blick eindeutig

Obwaldens Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker, der die erfolglose Investorensuche zur Rettung des Bergs unterstützt hat, bestätigt zum Thema Seilabbau: «Dafür verantwortlich ist der Eigentümer der Bahn, die Panoramawelt Lungern Schönbüel AG. Ist diese aber handlungs- und zahlungsunfähig, fällt die Aufgabe der Grundeigentümerin, sprich der Teilsame, zu.» Doch so eindeutig wie auf ersten Blick ist es laut Bleiker nicht. Die Panoramawelt bleibe eine Rechtsperson, selbst wenn sie «in Liquidation» sei. So lange aber könne die Teilsame darauf beharren, nicht dafür zuständig zu sein. Von Amtes wegen könnte die Panoramawelt frühestens drei Monate nach Einstellung des Konkursverfahrens, also Ende April, aus dem Handelsregister gelöscht werden. Doch dann ist die Frist für den Abbau der Seile verstrichen.

Für Niklaus Bleiker wäre es darum keine Überraschung, wenn sich schluss­endlich Juristen mit dem Seilabbau beschäftigen müssten so wie es Istvan Szalai, CEO der Garaventa, bereits in einem früheren Artikel in unserer Zeitung für die ganzen Bahnanlagen prognostiziert hat, sollte ein vollständiger Rückbau Tatsache werden. Wird letzten Endes gar Garaventa selber dafür belangt? Schliesslich ist sie Besitzerin des Sessellifts Turren–Schönbüel und besitzt auf der Luftseilbahn Lungern–Turren ein Grundpfand mit offenen Forderungen aus der Zeit der konkursiten Vorgängergesellschaft der Panoramawelt. Szalai wollte gestern auf eine entsprechende Frage nicht näher eingehen: «Aktuell gibt es aus unserer Sicht nichts Neues zu berichten.» Punkt.

Fahrplan für alle geplant

Ein Rechtsstreit scheint unausweichlich. Doch noch besteht Hoffnung: «Wir suchen nach wie vor mit allen Beteiligten eine Lösung», sagt Regierungsrat Niklaus Bleiker, «und sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen einen Fahrplan präsentieren können. Darin wollen wir sauber aufzeigen, wer was wann zu tun hat.» Ob dieser Fahrplan allenfalls auch eine Rettung der Destination, zum Beispiel als Sommertourismusbetrieb, beinhaltet, dazu kann Niklaus Bleiker zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.