LUNGERN/ALPNACH: Schiessstand bereitet Jägern grosse Sorgen

Weil der Schiessstand der Obwaldner Patentjäger an der Schliere für insgesamt 478 000 Franken saniert und neu gebaut werden muss, gerät der Verein in Nöte. Ohne ihn kann er die Schiessausbildung seiner Mitglieder nicht gewährleisten.

Romano Cuonz
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Thomas Zemp und Bärti Durrer (von rechts) in der Schiessanlage an der Schliere. (Bild: Romano Cuonz (Alpnach, 2. März 2017))

Thomas Zemp und Bärti Durrer (von rechts) in der Schiessanlage an der Schliere. (Bild: Romano Cuonz (Alpnach, 2. März 2017))

Romano Cuonz

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«Kurz nach der letzten GV traf bei uns Obwaldner Patentjägern eine Hiobsbotschaft vom Kanton ein», teilt Jägerpräsidentin Nadja von Rotz den versammelten Jägern an der 100. GV in Lungern mit. «Sie kündigte an, dass wir in unserem Schiessstand an der Alpnacher Schliere nur noch bis 31. Dezember 2016 schiessen dürfen!» Grosses Schweigen im Saal und spürbar die Besorgnis in den Reihen der Mitglieder. Zwar habe man von Seiten des Obwaldner Patentjägervereins das Schlimmste gerade noch verhindern können, fährt die Präsidentin fort. Aber nur für eine kurze Zeitspanne und mit der strikten Auflage, dass unverzüglich Bodenproben entnommen und ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben werden müssten.

Eine spezialisierte Nidwaldner Firma übernahm die Aufgabe. Mit ihrer Studie – sie allein kostete 18 000 Franken – traf gleich die zweite Hiobsbotschaft ein: Die nötige Sanierung aller Stände werde 300 000 Franken kosten und müsse 2020 abgeschlossen sein, sonst zahle der Bund nichts daran. «Eine Riesensumme, die die Möglichkeiten eines Vereins mit 425 Mitgliedern übersteigt», hält Aktuar Bärti Durrer fest.

Leer geschluckt und in den sauren Apfel gebissen

Aber das sei noch nicht alles, so Durrer weiter. Die Gemeinde Alpnach projektiere am Ort, wo sich der seit den 1960er-Jahren bestehende Schiessstand befinde, einen Sammler zum Hochwasserschutz. Deshalb sei der Standort ernsthaft in Frage gestellt. Auf jeden Fall müsste die Anlage neu konzipiert und gebaut werden. Und Bärti Durrer erklärt den Jägern: «Offerten haben ergeben, dass ein neuer Stand, ob in Alpnach oder anderswo, gleich nochmals 160 000 Franken kosten wird.» Alles zusammengerechnet seien das Ausgaben von 478 000 Franken! Dazu käme, wie damals beim Erstellen des gegenwärtigen Standes, ein grosser Anteil Fronarbeit der Jäger. «Natürlich darf unser Verein mit 40 Prozent Subventionen vom Bund an diese Kosten rechnen», sagt Bärti Durrer. Aber selbst der Betrag, der für den Verein übrig bleibe, sei mit heutigen Mitteln nicht zu verkraften. Der Vorstand schlage deshalb vor, neben dem Jahresbeitrag von 45 Franken einen zusätzlichen jährlichen Obolus von 55 Franken für den neuen Schiessstand auf unbefristete Zeit zu entrichten. «Das wäre dann halt ein Hunderter», meint Durrer seufzend. Auch viele im Saal schlucken zwei Mal leer. Aber so richtig opponieren mag niemand. Mit 73 Ja, vier Nein und 26 Enthaltungen beissen die Jäger in den sauren Apfel. Auch der unabwendbaren Sanierung und Planung eines neuen Standes wird zugestimmt.

Jäger müssen dem Kanton Schiessnachweis liefern

Der eben neu in den Vorstand gewählte Schiessplatzchef Thomas Zemp kann auch erklären, warum ein Schiessstand für die Jäger von derart grosser Bedeutung ist. «Ohne Schiesstraining im Freien mit realen Bedingungen wie Wind und Wetter oder unterschiedlichen Lichtverhältnissen können wir den Schiessnachweis, den der Kanton von uns verlangt, nicht mehr erbringen», sagt er. Zu Ausbildungszwecken wird mit Kugeln flussaufwärts auf acht Tierscheiben geschossen. Mit Schrot nimmt man bewegliche Ziele wie den Blechhasen, den Rollhasen oder Tontauben ins Visier. «Die meisten Übungen sind Prüfungsdisziplinen, die Jungjäger bestehen müssen, bevor sie auf die Jagd gehen können», erklärt Zemp. Jede Gemeinde führe ein Schiessen durch. Ein weiteres werde vom Vorstand organisiert. Bis zu 18 Helfer würden an jedem Schiesstag für Sicherheit und Verpflegung sorgen. Die bestehende Bude ist nur einer von drei Gründen, dass sich die Obwaldner Patentjäger so lange wie nur möglich für den Verbleib und Neubau am heutigen Standort an der Schliere einsetzen werden. «Dafür spricht auch, dass er weitab von Wohngebieten ist und die Leute sich längst an uns gewöhnt haben», sagt Aktuar Bärti Durrer. «Es wäre unglaublich schwierig, in Obwalden einen neuen Standort zu finden.»