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Luzerner Studenten entwickeln Vision fürs Sarneraatal

Architektur-Studenten der Hochschule Luzern zeigen im Historischen Museum Obwalden ihre Ideen für ein Sarneraatal in gut 30 Jahren.
Romano Cuonz
Die Bewahrung der Giswiler Streusiedlungen ist für Erich Häfliger ebenso Anliegen wie Vision. Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 19. September 2019)

Die Bewahrung der Giswiler Streusiedlungen ist für Erich Häfliger ebenso Anliegen wie Vision. Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 19. September 2019)

«Die qualitätsvolle Weiterentwicklung unseres Lebensraums ist die Grundlage, auf der jede Zukunft des Sarneraatals aufbaut», postuliert der Giswiler Architekt Erich Häfliger. Als Kurator hat er im Historischen Museum Obwalden eine visionäre Ausstellung über die künftige Siedlungsentwicklung und Baukultur im Sarneraatal gestaltet. Dabei arbeitete er eng mit dem Verein Kulturlandschaft- Landschaft und Kultur Obwalden und der IG Baukultur Obwalden zusammen.

Was an der aktuellen Ausstellung ganz besonders ist: Als Weiterbildungsleiter des Instituts für Architektur an der Hochschule Luzern hat Häfliger auch gegenwärtige Studenten miteinbezogen. Er selber sagt es so: «Studentische Arbeiten aus unserem Institut ergänzen die Ausstellung und zeigen exemplarisch die Vision zur Siedlungsentwicklung Sarneraatal 2050 auf.» Damit wird man dem gemeinsamen Grundanliegen aller Beteiligten gerecht: Die da und dort recht provokativ gestaltete Ausstellung soll zu einem intensiven und vor allem auch öffentlich politischen Nachdenken über die künftige Entwicklung des Lebensraums Sarneraatal einladen.

Leere Dorfkerne und volle Züge

«Wie werden wir in 30 Jahren leben, arbeiten, uns bewegen? Was macht das Sarneraatal aus? Was soll es in Zukunft sein?» fragen sich Erich Häfliger und die Aussteller. Gerade Obwalden als Lebensraum sei ein Beleg dafür, wie stark sich das Leben über die letzten 60 Jahre verändert habe. Schleichend zwar, aber in der Menge und in den Auswirkungen drastisch. Häfliger wörtlich: «Davon erzählen heute im Tal leere Dorfkerne, volle Züge und markant ansteigende Pendlerzahlen, aber auch leerstehende Ställe, ungenutzte Bauernhöfe und massiv angestiegene Immobilienpreise.» Konkret – und illustriert anhand vieler Modelle, Bilder und gut verständlicher Informationen – vermittelt die Ausstellung Visionen für zwei prototypische Räume. Zum einen geht es um den Erhalt der Streusiedlung Grossteiler Ebene Giswil. Zum andern um Sarnen Nord als mögliches Entwicklungsgebiet.

Häfliger dazu: «Unsere langsam gewachsene Kulturlandschaft mit ihren Streusiedlungen gerät zunehmend in das Einzugsgebiet von Luzern.» In der Tat: Gemäss Prognosen vom Bund soll die Obwaldner Bevölkerung bis 2050 um bis zu 6000 Personen zunehmen. Da stellt sich dann die Frage, wo man all diese Leute unterbringen will, ohne dabei die wertvolle Kulturlandschaft mit Weilern, Dörfern und Streusiedlungen zu zerstören. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung erfahren Besucher unter anderem, dass der Kanton Obwalden mit 54 Prozent der Gebäude und 23 Prozent der Wohnungen ausserhalb der Bauzone landesweit zu den Spitzenreitern gehört.

Angesichts solcher Zahlen gibt Häfliger klar zu verstehen: «Unsere Kulturlandschaft kann das prognostizierte Wachstum nicht bewältigen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Das Wachstum muss konzentriert werden.»

3500 Einwohner mehr in Sarnen Nord

«Wie kann sich die Streusiedlung der Grossteiler Ebene in Giswil qualitätsvoll und nachhaltig weiterentwickeln? Welchen Umgang soll man mit leerstehenden Ökonomiebauten, die teilweise von historischer Bedeutung sind, pflegen?» Diese und weitere Fragen stellen sich die Studenten im Historischen Museum. Und sie versuchen Antworten zu geben. Klar wird, dass der Bevölkerungszuwachs nicht in Streusiedlungsräumen aufgefangen werden darf. Häfliger bringt den Lösungsansatz auf den Punkt: «Gemäss unserer Vision sollen im Entwicklungsgebiet Sarnen Nord bis 2050 ungefähr 3500 Einwohnerinnen und Einwohner, also 60 Prozent des Zuwachses, mehr leben als heute.»

Allerdings nicht in einer Siedlung auf grüner Wiese. Viel mehr laute die Devise: «Sarnen Nord nutzt die Chancen der Verdichtung, kennt neue Orte des Aufenthalts, eröffnet neuen Nutzungen Raum und ermöglicht neue Formen der Mobilität.» Wichtig dabei, so Häfliger: «Sarnen Nord will den Hauptort, insbesondere den Dorfkern stärken und schafft neue Bezüge zwischen den Ortsteilen.» Die Ausstellung liefert augenscheinlich Argumente für diese Vision. Sie zeigt auf, wie in Sarnen Nord ein Wohn-, Arbeits- und Lebensraum der Zukunft mit öffentlichen Freiräumen und einem attraktiven Wegnetz entstehen kann.

Sarneraatal 2050 – Eine Vision zur Siedlungsentwicklung im Historischen Museum Obwalden. Noch bis zum 30. November. Geöffnet jeweils Mittwoch bis Sonntag 14 – 17 Uhr. Weitere Informationen: www.sarneraatal-2050.ch

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