Mädchen bauen ihren eigenen Tanzroboter in Stans

In der letzten Nidwaldner Ferienpass-Woche ging's nochmals kreativ zu und her. Im Kollegi entstand ein Tanzroboter. Beim Löten nahmen die Mädchen auch mal eine Brandwunde in Kauf.

Matthias Piazza
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Elina Rast, Elin Hager, Josefina Durrer und Solène Barmttler (von links) testen den Tanzroboter.

Elina Rast, Elin Hager, Josefina Durrer und Solène Barmttler (von links) testen den Tanzroboter.

Bild: Urs Hanhart (Stans, 12. August 2020)

Konzentriert ist Chiara Külling über das kleine elektronische Bauteil gebeugt. Mit dem Lötkolben lötet sie ein Drähtchen an der Platine an. Präzision und eine ruhige Hand sind gefragt, damit die Elektronik dann einwandfrei funktioniert. Die 14-jährige Hergiswilerin ist eine von 10 Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, welche am zweitägigen Workshop im Rahmen des Ferienpasses Nidwalden in die Welt der Technik eintauchen. Diesen Workshop speziell für Mädchen schätze sie als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Klischees. «Jeder Mensch soll den Beruf ergreifen können, den er mag, unabhängig vom Geschlecht. Als Mädchen soll man nicht schief angeschaut werden, wenn man einen technischen Beruf ausübt. So können Männer ebenso gute Krankenpfleger und Geburtshelfer sein», ist sie überzeugt. Sie selber wolle auf jeden Fall in einem technischen Beruf schnuppern.

Dass man auch im Alter von 10 Jahren nicht zu jung ist, um mit heiklen elektronischen Bauteilen zu arbeiten, beweist Josefina Durrer aus Ennetmoos. Sie hantiert schon flink mit dem Lötkolben, man merkt kaum, dass sie das erste Mal mit dem sehr heissen Werkzeug arbeitet. «Wenn man einmal weiss, wie es geht, funktioniert es gut», erzählt sie. Schwierig findet sie, dass die Löchlein so eng beieinander sind. Einen Kurzschluss habe sie knapp verhindern können. Vor dem heissen Lötkolben habe sie nicht Angst, aber schon Respekt. «Heute hat sich ein anderes Mädchen den Finger verbrannt», erzählt sie. Dies sei ihr zum Glück erspart geblieben. Auf den Tanzroboter freue sie sich. «Technik macht mir einfach Spass.» Auch Werken in der Schule mag sie. Sie könne sich gut vorstellen, später einen technischen Beruf auszuüben.

Roboter bewegt sich im Takt von «More Than You Know»

Am zweiten Kurstag werden die Mädchen mit einer Spezialsoftware eine Choreografie erstellen, sodass der Roboter zur Lieblingsmusik der Ferienpass-Teilnehmerinnen tanzt und leuchtet. Kursleiter Patrik Markovic beweist mit einem fertigen Modell, dass dies tatsächlich funktioniert. Im Takt zu «More Than You Know» bewegt sich der Roboter auf seinen Rollen vor und zurück – ergänzt durch das rhythmische Leuchten.

«Wir wollen die Jugendlichen, auch die Mädchen, für technische Berufe, etwa im Maschinenbau, in der Elektrotechnik oder in der Informatik, begeistern», erläutert Workshopleiter Patrik Markovic, der den Mädchen am ersten Halbtag die Grundlagen der Elektrotechnik erklärte, bevor er sie dann beim praktischen Teil begleitete.

«Zu wenige Frauen ergreifen zukunftsträchtige technische Berufe»

Dass für den Ferienpass Nidwalden unüblich zu diesem Workshop nur Mädchen «zugelassen» wurden, hat einen Grund. Der Kurs wird von der Serviceorganisation Zonta Schweiz finanziert, der die Förderung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik ein Anliegen ist. Zonta Schweiz wählte darum als Projekt zum 100. Geburtstag von Zonta International das Angebot «Mint & Pepper» aus und finanziert insgesamt 14 Robotic-Workshops in der ganzen Schweiz. «Nach wie vor ergreifen zu wenige Frauen zukunftsträchtige technische Berufe. Das wollen wir ändern», meint Zontian Vreni Knöpfel, die als Helferin den Kurs in Stans begleitet.

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