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Kernser Familie wanderte nach Bangladesch aus: «Man kann dort viel mehr bewirken»

Vor bald zehn Jahren wanderte die Familie Ambauen von Kerns nach Bangladesch aus. In einem kleinen Spital helfen sie Einheimischen.
Marion Wannemacher
Xaver und Bea Ambauen mit Tochter Janine. (Bild: Marion Wannemacher, Buochs, 15. Juli 2019)

Xaver und Bea Ambauen mit Tochter Janine. (Bild: Marion Wannemacher, Buochs, 15. Juli 2019)

Perfektes Ferienidyll in Buochs an der Uferpromenade. Ein Schwan zieht graziös seine Runde dem Ufer entlang. «Da können wir später noch mal an den See», schlägt Xaver Ambauen seiner Frau Bea und der zwölfjährigen Tochter Janine vor. Jeder Augenblick ist kostbar. Denn vor einem Jahr waren die drei zum letzten Mal hier beim Vater des gebürtigen Buochsers. Bereits am anderen Tag geht es zu Bea Ambauens Eltern nach Bern.

Das Daheim der Familie war mal Kerns und ist nun weit weg in Bangladesch. Dorthin ist sie vor fast zehn Jahren ausgewandert. Bea Ambauen startete als Gynäkologin in einem kleinen christlichen Spital, 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka. Viel hat sich seitdem für die Drei getan.

Karriere im Lamb-Spital 
in Bangladesch

«Mein besonderes Anliegen ist die Ausbildung der Gynäkologen, welche wir durch eine klare Strukturierung deutlich verbessern konnten, zum Beispiel wann welche Operationen gelernt werden sollen», nennt sie ein Beispiel. «Die Facharztausbildung in Bangladesch ist sehr schwach und hängt beispielsweise in Unispitälern sehr von der Person des Chefarztes ab», erklärt Bea Ambauen.

Einer der schönsten Momente in ihrer Zeit in Bangladesch sei gewesen, als sie ihre Aufgabe als Chefärztin in die Hände einer einheimischen Ärztin habe übergeben können, die sie über viele Jahre ausgebildet hatte. Seit vergangenem Februar ist die 49-Jährige als stellvertretende Spitaldirektorin für Personalfragen aller Abteilungen, Ambulatorien und für strategische Fragen im Lamp-Spital zuständig. Als einer ihrer derzeitigen Herausforderungen nennt sie vor allem die Frage nach fähigem Personal. «Zunehmend gibt es einen Konkurrenzkampf mit Privatspitälern, die leider alle auf Profit aus sind und eine sehr schwache Qualität haben», erzählt Bea Ambauen. Es sei schwierig, Ärzte zu finden, die zu tieferen Löhnen arbeiten. Denn das Lamb-Spital sei nach wie vor abhängig von Spenden aus dem Ausland.

Ein weiterer Schwerpunkt von Bea Ambauens Arbeit besteht darin, Frauen durch Operationen von ihren Fisteln zu heilen. Diese entstehen als Folgen von Geburtskomplikationen oder unfachmässig ausgeführten Operationen und verursachen Inkontinenz. Dadurch gelten die betroffenen Frauen als unrein und werden von der Gesellschaft ausgestossen. Das Lamb-Spital gilt als Kompetenzzentrum im Norden von Bangladesch für den Bereich Fisteln.

Selbstständigkeit als Ziel der Entwicklungshilfe

Auch ihrem Gatten Xaver Ambauen, der auf dem Areal des Lamb-Spitals eine Gärtnerei für Behinderte aufbaute, lag die Selbstständigkeit seines Projekt sehr am Herzen. «Mittlerweile könnte ich dieses von hier aus betreuen», freut er sich. Vor ihrer Auswanderung hatte der heute 53-Jährige als Gruppenleiter in der Gärtnerei der Stiftung Rütimattli gearbeitet. Aus anfänglich 8 behinderten Mitarbeitern in der Gärtnerei beim Lamb-Spital wurden 18. Die Mitarbeiter legen unter Anleitung Salat und Brokkoli an, verkaufen das Gemüse und pflegen Gärten. «Mittlerweile konnte ich die Betreuung und Administration an zwei einheimische Vollzeitmitarbeiter übergeben», freut sich Ambauen. Ausserdem hilft er einem Einheimischen beim Betreuen eines Obdachlosenheims für Frauen und ist in der lokalen Kirche aktiv.

Für Tochter Janine sei das Leben als sogenanntes «Third-Culture-Kid», nicht einfach, sind sich die Eltern bewusst. «Für sie ist es ein längerer Prozess, ihre Identität zu finden, damit muss man als Eltern umgehen.» Das letzte Schuljahr verbrachte sie wegen der besseren Ausbildung in einer internationalen Internatsschule in Indien, keine einfache Situation für alle drei, wie die Eltern bestätigen. Sie wolle später studieren, vielleicht etwas mit Musik, erzählt die aufgeweckte Zwölfjährige. Die Frage, wie ihr Kind im Internat zurechtkomme, werde darüber entscheiden, ob sie alle noch länger in Bangladesch bleiben, ist sich das Ehepaar bewusst.

«Ein extrem 
erfülltes Leben»

«Es geht immer um die Frage: ‹Wo ist mein Platz›», sagt Xaver Ambauen. «Es ist wie eine Berufung. Wir passen nach Bangladesch, das ist ein extrem befriedigendes und erfülltes Leben», fasst Bea Ambauen zusammen. Und ihr Mann Xaver ergänzt: «Man kann dort viel mehr bewirken. 14 obdachlose Frauen können leben, 18 Behinderte haben eine Arbeit. Das ist gelebte Nächstenliebe.»

Die Familie ist unter bea.ambauen@gmail.com erreichbar.

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