Manager treffen sich hinter Klostermauern

Seit 25 Jahren treffen sich Führungspersönlichkeiten hinter den Engelberger Klostermauern, um fern von Hektik und Betriebsamkeit über Grundsätzliches nachzudenken. Beispielsweise über die Zeit, wie am diesjährigen Engelberger Symposium, das am Donnerstag beginnt.

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Im Kloster Engelberg diskutieren rund 80 Unternehmer, Personen aus der öffentlichen Verwaltung, dem Gesundheitswesen und der Politik. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Im Kloster Engelberg diskutieren rund 80 Unternehmer, Personen aus der öffentlichen Verwaltung, dem Gesundheitswesen und der Politik. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Im Gegensatz zu anderen Foren wie dem WEF macht das Engelberger Symposium (am 24. und 25. November) keine Schlagzeilen. Mediale Resonanz sei nicht angestrebt, sagt Andreas Moser von der Trägerin, dem Beratungsunternehmen Bernd Remmers Consultants. Rückzug, Abgeschiedenheit und ein kleiner Teilnehmerkreis dienen vertiefter Diskussion besser als Scheinwerfer und Lautsprecher.

Dazu ist das Kloster geradezu prädestiniert. Doch ist es nicht so leicht, dort zu Gastrecht zu kommen. Dass die Benediktiner von Engelberg dem Symposium die Türen öffnen, verdankt sich dem Kontakt zwischen Bernd Remmers und dem Jesuitenpater Albert Ziegler, der sich als Unternehmensethiker einen Namen gemacht hat.
Ziegler arbeitete für Remmers Beratungs- und Schulungsunternehmen und dabei entwickelten die beiden die Idee des Symposiums: Eine Gelegenheit für Manager, sich aus dem Alltag herauszunehmen und diesen zu hinterfragen.

Spezielle Aura

Trotz fehlender medialer Resonanz bringt das Symposium immer wieder herausragende Persönlichkeiten ins Klosterdorf: Philosophen wie Peter Sloterdijk oder Wilhelm Schmid, Kulturschaffende wie Dieter Meier, Thomas Hürlimann oder Jean-Christoph Ammann, Politiker wie Oskar Lafontaine, Hans Dietrich Genscher oder Thomas Waigel. Es sei die spezielle Aura des Symposiums, die das Engagement renommierter Redner ermögliche, sagt Andreas Moser, Chef der Remmers- Gruppe. Es ermögliche Begegnungen, erlaube von einer anderen Ebene aus einen Blick auf das, was die Wirtschaft beschäftige. Und daraus ergäben sich neue Kontakte, die dann im Alltag weitergeführt werden.

Der Kreis der Teilnehmer ist klein, er bewegt sich zwischen 70 und 80 Personen. Sie kommen etwa zu 80 Prozent aus der Schweiz und zu 20 Prozent aus Deutschland. Es handelt sich um Unternehmer, Personen aus der öffentlichen Verwaltung, dem Gesundheitswesen, der Politik.

Den Veranstaltungsort findet Moser nach wie vor ideal. Es gebe auch keine thematischen Vorgaben, keine Einschränkungen, keine Zensur durch das Kloster. «Wir haben ja immer auch wieder Referenten, die sehr kritisch eingestellt sind gegenüber der Kirche.» Aber das sei kein Problem.

Wieder mehr unternehmerische Aspekte

Bestimmt wird das Symposiums-Thema von Bernd Remmers, wobei er sich mit anderen Personen berät und von dort auch Impulse bekommt. Dem diesjährigen Thema «Zeit-Ökonomie» hat Remmers ein Zitat des römischen Philosophen Seneca vorangestellt: «Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.» Zurzeit findet in der Leitung des Symposiums ein Generationenwechsel statt. Bernd Remmers zieht sich zurück und Andreas Moser rückt nach. Damit einher gehe ein Wandel, sagt Moser. Das Symposiums werde künftig wieder etwas stärker auf Entscheidungsträger in Wirtschaft, auf die unternehmerische Realität und weniger auf philosophische Ansätze ausgerichtet sein. Klar sei anderseits auch, so Moser, dass das Symposium kein Wirtschaftsforum ist. Es sei auch nicht eine Verkaufsveranstaltung des Beratungsunternehmens Remmers, und das werde es auch in Zukunft nicht sein.

sda