Mario Botta baut einstiges Hotel in Wilen zu Appartements um

Wo früher das Hotel Waldheim in Wilen stand, entsteht das erste Gebäude des Tessiner Stararchitekten in Obwalden.

Philipp Unterschütz
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Alexandra Townend Genoni mitten auf der Baustelle.Bild: Philipp Unterschütz (Wilen, 13. August 2019)

Alexandra Townend Genoni mitten auf der Baustelle.Bild: Philipp Unterschütz (Wilen, 13. August 2019)

Der Park an traumhafter Lage am Sarnersee präsentiert sich im üppigsten Grün, auf den Pflanzen glitzern noch Regentropfen der vergangenen Nacht. Abgesehen vom Zwitschern der Vögel herrscht eine geradezu paradiesische Ruhe, und auch der Zug, der auf der anderen Seite des Sarnersees Richtung Brünig fährt, ist kaum zu hören. In diesem Idyll wirkt sogar die sauber aufgeräumte Baugrube, wo einst das Parkhotel Waldheim stand, irgendwie ästhetisch. Aber ganz so ruhig wird es in den nächsten 16 Monaten ab Ende August – mindestens werktags – nicht mehr sein.

Bereits im November 2015 hatten die Besitzer Alexandra Townend Genoni und ihr Mann Maurizio Genoni bekanntgegeben, dass im Waldheim eine neue Ära anbrechen werde. Das ehemalige Hotelgebäude wurde mittlerweile zurückgebaut, alles ist bereit für den Ersatzbau. Dieser wird bis zu 6 Wohnungen umfassen, die teilweise der Familie dienen und teilweise als bediente Appartements für längere Aufenthalte angeboten werden. «Es entstehen weder riesige Wohnblöcke noch Spekulationsbauten», erklärt Maurizio Genoni. Die freie, unüberbaute Umgebung bleibt grosszügig bemessen. Der von Christoph Mennel nach dem Jahrhundertunwetter realisierte Neubau wird unverändert ins Ganze integriert.

Neubau mit klarer geometrischer Sprache

Der aktuelle Neubau trägt die Handschrift von Mario Botta, der ein guter Freund der Familie ist. Es wird das erste Gebäude im Kanton Obwalden sein, das der Tessiner Stararchitekt entworfen hat. «An eine der schönsten Lagen am Sarnersee gehört keine mittlere, verflachte Architektur, deren Hauptziel funktionale und wirtschaftliche Zielsetzungen sind. Es entsteht ein starker Bau mit klarer geometrischer Sprache», betont Maurizio Genoni. Die künstlerische Ader des weltweit anerkannten Architekten, der sowohl im In- wie auch im Ausland architektonische Markenzeichen gesetzt hat, durchdringe das neue Gebäude. Man lege viel Gewicht auf die gestalterische Qualität, das Waldheim solle architektonisch nicht verkümmern. «Wir haben uns damit auch gegen die wirtschaftlich interessante, architektonische Sprache der Neuzeit mit ihren Wohnblöcken entschieden.»

Im Frühling wurde das Parkhotel Waldheim abgebrochen. (Bild: Philipp Unterschütz, 28  Mai 2019)

Im Frühling wurde das Parkhotel Waldheim abgebrochen. (Bild: Philipp Unterschütz, 28  Mai 2019)

Die Zweckbestimmung der Waldheim-Parzelle, die seit 133 Jahren im Familienbesitz ist, bleibe unverändert, sagt Alexandra Townend Genoni, die über all die Jahre das Parkhotel Waldheim und die daneben liegende «Lakeside Villa» geführt hat. Die Villa blieb übrigens auch seit der Schliessung des Hotels Waldheim im Dezember 2015 in reduziertem Ausmass für Stammgäste offen. Das gilt auch während der Bauarbeiten am Neubau.

Vorerst kein öffentliches Restaurant mehr

Die Waldheim-Parzelle diene weiterhin dem Wohnen und dem Fremdenverkehr, sagt Alexandra Townend Genoni. «Die Ausrichtung ändert sich insofern, als sie sich auf das ursprüngliche Konzept zurückbesinnt und sich die touristische Ausrichtung auf Familien und Individualreisende konzentriert.» Wie die «Pension Waldheim» aus dem Jahr 1886 werde die «Lakeside Villa» an dieser «Oase der Ruhe» den Gästen – ohne ein öffentliches Restaurant – diskrete und hochklassige Aufenthalte anbieten.

«Die Infrastruktur umfasst die Parkanlage, den Wald, die Feuer- und Grillanlage, den Seepavillon, den Bootssteg, Boote, Bikes und die Schwedensauna am See.» Mit dem Neubau bricht in der familiären Tradition der Gastfreundschaft eine neue Ära an: Die fünfte Generation übernimmt. Tochter Enrica Genoni, soeben von einem dreijährigen Berufsaufenthalt in Rom zurück, wird sich zusammen mit ihrem Ehemann Miro Rosati um die Gäste kümmern. «Er ist ein begabter und fantasievoller Kochkünstler», meint Alexandra Townend. Ob künftig wieder ein Restaurant eröffnet werde, sei aber noch nicht entschieden. «Das Angebot der ‹Lakeside Villa› wird nach Abschluss der Bauarbeiten kontinuierlich ausgebaut werden.»

Botta-Bau am Sarnersee weckt grosses Interesse

Fragt man die bisherige Hotelchefin, wie es sei, nun die Leitung abzugeben, meint Alexandra Townend, dass sie sich sehr auf den Zeitenwechsel freue. «Es gibt doch nichts Schöneres für eine Mutter, als wenn sie die Führung des Familienbetriebes in die Hände der nächsten Generation übergeben kann.»

Auf gute Resonanz stösst das Projekt auch bei der langjährigen Stammkundschaft des Waldheims. Auch wenn bedauert werde, dass vorderhand kein öffentliches Restaurant mehr entstehe, werde das neue hochwertige Angebot sehr geschätzt, betont Maurizio Genoni. «Die architektonische Seite des Projektes weckt weitherum Interesse, zumal ein Botta-Bau an dieser Lage am Sarnersee eine einzigartige und glückliche Kombination darstellt.»