Martin Ledergerber brachte die Musikschule nach Sachseln

Der Sachsler Musikschulleiter geht in den Ruhestand. Er war gut 40 Jahre bei Musikschulen in Sarnen und Sachseln tätig.

Marion Wannemacher
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Musikschulleiter Martin Ledergerber an der Querflöte.Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 20. November 2019)

Musikschulleiter Martin Ledergerber an der Querflöte.Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 20. November 2019)

«Martin A-D» steht auf dem Flugblatt in Form einer Jasskarte. Es ist eine Einladung zur Stubete, die letzte, an der Martin Ledergerber als Musikschulleiter von Sachseln teilnehmen wird. Seit gut 40 Jahren ist er in Musikschulen in Sachseln und Sarnen tätig, vor acht Jahren hat er die Leitung der Musikschule Sachseln übernommen. Kommende Woche geht er in den Ruhestand.

Er fühle sich «sehr gut» sagt er gegenüber unserer Zeitung und lächelt. «Ich habe viele verschiedene Interessen und freue mich darauf, mehr Zeit fürs Spielen zu haben.» Damit meint er das Musizieren für sich selber auf der Querflöte und dem Akkordeon, das Spielen in seiner Band Banda Nova (Jazz und brasilianische Musik) und auch daheim im eigenen «Trio familial» mit seiner Frau Maya am Bass und Sohn Anatol an der Klarinette.

«Musikschuel bi de Lüt» in Sachseln

«Weisst du, wer das ist?», habe eine Mutter ihren Sprössling mal in seinem Beisein gefragt. «Dem Mann gehört die Schule», antwortete das Kind. Auch wenn das nicht der Wahrheit entspricht, geprägt hat Ledergerber die Musikschule sicher. «Martin hat die Musikschule ins Dorf geholt, so eine Art ‹Musikschuel bi de Lüt›», erzählt Lisbeth Schmid, die Gesang unterrichtet. Ob Musikschule am Seefest, am Weihnachtsmarkt, am Marathon, am Muttertag, in Stubeten – wenn sich Gelegenheiten für Auftritte ergaben, nutzte Ledergerber sie.

«Es war meine Absicht, mit der Musikschule herauszugehen und zu spielen», bestätigt er. Gerne erinnert er sich an den kantonalen Schulsporttag, als ein Orchester die ankommenden Schüler bereits auf dem Dorfplatz begrüsste und Musikschüler den Tag musikalisch begleiteten. In Erinnerung mögen manch einem auch die Themenkonzerte anstelle eintöniger Vortragsübungen vor den Eltern geblieben sein. «2017 ergab es sich, dass das Konzert auf den Valentinstag fiel», erzählt er. Was lag näher, als ein Valentinskonzert rund um das Thema Liebe auf die Beine zu stellen? 40 Perücken brauchte es für das Konzert «We are the Beatles».

Vor knapp zwei Wochen wurde der gebürtige Engelberger 65-jährig, vom Typ her wirkt er jünger. Martin Ledergerber ist Musikautodidakt mit einem Händchen für sämtliche Musikinstrumente: Von Kindheit an spielt er Klavier. «Wir waren sieben Kinder, alle spielten Klavier, die Übungsstunden daheim wurden mit einem Stundenplan geregelt», erzählt er. Genervt habe ihn das nie. «Ich habe gerne geübt.» Profimusiker wurde er über Umwege. Nach dem zweiten Vordiplom im Agronomiestudium (Landwirtschaft), Praktika in Italien, in der Westschweiz und im Thurgau wechselte er ins Musikfach. Er hatte Personen aus der Kunstgewerbeschule und dem Konservatorium kennen gelernt und dachte sich: «Was die können, kann ich auch.» Er behielt Recht, studierte Querflöte am Konservatorium in Luzern, hatte Engagements als Mitglied und auch Solist bei verschiedenen Orchestern der Zentralschweiz und unterrichtete als Musikschullehrer in Sarnen und Sachseln. Als 2011 sein Vorgänger Georges Enz pensioniert wurde, übernahm er dessen Stelle mit 57 Jahren.

250 Musikschüler werden aktuell in Sachseln unterrichtet, das entspricht 50 Prozent der Schüler. Die Zahl ist seit Jahren konstant. Neu übernimmt Rolf Ambauen aus Ennetbürgen seine Stelle. Er hat die Tontechniker-Schule absolviert und ist Jazz-Saxofonist.

Tipp vom Profi für die Eltern

Auch wenn sich Ledergerber nicht mokiert, was früher besser war, konstatiert er: «Die Frustrationstoleranz bei den Kindern ist eher zurückgegangen.» Das Handy und die Digitalisierung fordern ihren Tribut. «Es gibt heute so viele Möglichkeiten der Freizeitbetätigung. Dreimal in der Woche eine halbe Stunde üben sollte aber drin liegen», findet er.

Was rät der erfahrene Pädagoge Eltern heute, um Kinder zum Musizieren zu bringen? «Am besten macht man mit dem Kind feste Zeiten für das Üben ab und hilft ihm dann, diese einzuhalten. Noch besser ist es, wenn die Eltern mitspielen oder mindestens zuhören und das Musizieren so zum gemeinsamen Erlebnis wird.»

Stubete Musikschule Sachseln im Restaurant Bahnhof Sachseln, heute Freitag, 19 Uhr.