Maskenpflicht in Zentralschweizer Läden ist vorerst unwahrscheinlich

Die Zentralschweizer Kantone wollen ihre Massnahmen gegen das Coronavirus koordinieren. Dazu findet am Mittwoch eine Telefonkonferenz statt. Drei der sechs Kantone sprechen sich gegen eine Maskenpflicht in Läden aus – zumindest vorerst.

Christian Glaus
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Eine Frau beim Einkaufen im Kanton Waadt. Dort gilt seit dem 8. Juli eine Maskenpflicht in Läden mit Platz für mehr als zehn Kunden gleichzeitig.

Eine Frau beim Einkaufen im Kanton Waadt. Dort gilt seit dem 8. Juli eine Maskenpflicht in Läden mit Platz für mehr als zehn Kunden gleichzeitig.

Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Crissier, 8. Juli 2020)

Mit einem deutlichen Appell hat sich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vergangene Woche an die Kantone gewandt: Es hat ihnen eindringlich empfohlen, aufgrund steigender Fallzahlen eine Maskenpflicht in Läden einzuführen. Am Dienstag äusserte sich die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren dazu. Der Vorstand empfiehlt Kantonen mit anhaltend hohen oder steigenden Zahlen eine Maskenpflicht in Läden oder eine striktere Personenbeschränkung bei Anlässen. Die Massnahmen sollen regional koordiniert werden.

Die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren wollen ihre Massnahmen am Mittwoch an einer Telefonkonferenz koordinieren. Dass sie dabei eine Maskenpflicht in Läden beschliessen werden, scheint unwahrscheinlich. So sprechen sich mit Uri, Ob- und Nidwalden drei der sechs Kantone gegen eine solche Massnahme aus.

Wenige Neuansteckungen in der Urschweiz

Ein Grund ist, dass sich dort nur wenige Personen mit dem Coronavirus infiziert haben. In Obwalden ist die Zahl der Erkrankten innerhalb eines Monats von 83 auf 94 gestiegen. Am Dienstag kamen zwei neue Fälle hinzu. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Nidwalden: Seit dem 4. Juli sind die Fallzahlen von 124 auf 129 gestiegen. Uri zählt bisher 117 Ansteckungen, wovon vier Fälle als aktiv bezeichnet werden.

«Die Maskenpflicht in Läden ist im Zusammenhang mit den Schutzkonzepten ein Thema. Sie wird dann eingeführt, wenn es die Situation erfordert», sagt die Obwaldner Gesundheits- und Finanzdirektorin Maya Büchi auf Anfrage. Momentan erachtet sie die Maskenpflicht nicht als zwingend. Die FDP-Regierungsrätin appelliert in erster Linie an die Eigenverantwortung. Es sei im Interesse jedes Einzelnen, sich und andere zu schützen, um wenigstens eine gewisse Normalität leben zu dürfen.

«Das erreichen wir nur, wenn wir alle vernünftig sind und die Eigenverantwortung nicht aushebeln.»

Dass eine Maske nützt, davon ist Maya Büchi überzeugt. Könne man den Mindestabstand und die Hygienemassnahmen nicht einhalten, solle man konsequent eine Maske tragen. Unabhängig davon, ob eine Pflicht gilt oder nicht. «Die Maske hilft aber nur, wenn man sie auch richtig trägt. Ich selber spreche Personen an, welche die Maske falsch aufgesetzt haben», so Büchi. Die Maske muss zwingend Nase und Mund bedecken, um einen gewissen Schutz vor dem Virus bieten zu können. Das Bundesamt für Gesundheit hat auf seiner Website ein Erklärvideo zum Tragen von Schutzmasken aufgeschaltet.

Im Kanton Nidwalden ist aktuell eine Person wegen des Coronavirus in Behandlung, wie Karen Dörr, Vorsteherin des Gesundheitsamts, auf Anfrage erklärt.

«Seit Ende Mai haben wir wenige bestätigte Fälle in unserem Kanton. Das macht es schwierig, eine Maskenpflicht in Läden durchzusetzen.»

Es bräuchte «deutlich steigende Zahlen», damit sich Nidwalden für diese Massnahme ausspreche. Dörr ist kritisch gegenüber einer Maskenpflicht. Einerseits müsste geklärt werden, wie man diese durchsetzt und die Einhaltung kontrolliert. Andererseits bestehe die Gefahr, dass sich die Menschen mit Schutzmasken in falscher Sicherheit wägen. «Die wichtigsten Massnahmen sind nach wie vor regelmässiges Händewaschen und Abstand halten. Diese werden mit einer Maskenpflicht möglicherweise nicht mehr konsequent befolgt.»

Im Kanton Uri ist die Corona-Situation stabil. Die vier aktiven Fälle habe man unter Kontrolle, sagt Roland Hartmann, Generalsekretär der Gesundheitsdirektion. Die Kontakte konnten zurückverfolgt und betroffene Personen in Quarantäne gesetzt werden. «Aufgrund der aktuellen Lage stellt sich für uns die Frage nach einer Maskenpflicht in Läden derzeit nicht», sagt Hartmann. «Sie ist im Sonderstab deshalb auch noch nicht diskutiert worden.» Hartmann ist sich aber bewusst, dass sich die Situation schnell ändern kann. Deshalb werde die Lage vom Sonderstab regelmässig beurteilt. Wenn es die Situation erfordert, werden verschiedene mögliche Massnahmen geprüft. «Dazu gehört auch die Ausweitung der Maskentragpflicht.»

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