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Maturaarbeit brachte Luisa Waser persönlich weiter

Eine Maturaarbeit mit besonderem Thema hat die Engelbergerin Luisa Waser geschrieben. Sie untersuchte unter anderem am Fall Rupperswil, ob es für Anwälte ethisch vertretbar sei, die Verteidigung geständiger Mörder abzulehnen.
Marion Wannemacher
Luisa Waser. (Bild: PD)

Luisa Waser. (Bild: PD)

Es gibt Projekte in der Schule, die lassen Schüler etwas fürs Leben lernen. Im günstigsten Fall nutzen Gymi-Schüler ihre Maturaarbeit dafür. Etwa ein Dreivierteljahr sind sie mit einem Thema befasst. Wie gut, wenn dieses ihren persönlichen Interessen entspricht. «Eigentlich brachte mich die fiktive amerikanische Serie ‹How to get away with murder› (englisch für «Wie man mit Mord davon kommt») auf das Thema meiner Maturaarbeit», erzählt Luisa Waser aus Engelberg. In der Netflix-Serie geht es um eine erfolgreiche und skrupellose Strafverteidigerin, die Studenten beibringt, selbst hoffnungslose Fälle zu gewinnen.

Luisa Waser spitzte die ethische Frage nach der Strafrechtsverteidigung geständiger Mörder zu und untersuchte, ob es eigentlich für Anwälte ethisch vertretbar sei, die Verteidigung geständiger Mörder zu verweigern.

Ihr Coach, Philosophielehrer Hansueli Flückiger, riet ihr dazu, Regeln aufzustellen und diese dann zu untersuchen. Als Regel formulierte die 18-Jährige für alle Berufsgruppen, dass jemand einen Dienst verweigern dürfe, wenn er sicher davon ausgehen könnte, dass er psychische Schäden davon tragen würde, zum Beispiel dauerhafte Schlafstörungen.

Keine Torte für homosexuelles Paar

Allgemein gelte für alle Dienstleistungen das Diskriminierungsgesetz. In ihrer Arbeit untersucht sie unter anderem konkret das Beispiel eines amerikanischen Bäckers aus Colorado, der es aus religiösen Gründen ablehnte, eine Hochzeitstorte für ein homosexuelles Paar zu backen. Ausserdem analysiert sie ihre Regel am Vierfachmord von Rupperswil, der als einer der brutalsten Fälle in die Kriminalgeschichte der Schweiz einging und darum ein besonders krasses Beispiel darstellt.

«Meine Forschungsfrage und Regeln habe ich anhand dreier ethischer Theorien getestet», schildert die Maturandin ihre Vorgehensweise. Dem Utilitarismus entsprechend sei diejenige Handlung die beste, von der am meisten Menschen profitieren, legt Luisa Waser dar. «Wenn der Anwalt nach dieser Theorie den Mörder verteidigt, haben alle etwas davon, würde er die Verteidigung ablehnen, würde nur er davon profitieren», so die Maturandin. Folglich wäre es nach dieser Theorie nicht korrekt, eine Verteidigung abzulehnen.

Nach Kants Kategorischem Imperativ («Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte») dürfte ein Anwalt die Verteidigung ablehnen. Denn: «Selbst wenn ein Anwalt das Recht hätte, die Verteidigung abzulehnen, gäbe es immer noch genügend Anwälte, um Kriminelle zu verteidigen», schlussfolgert sie in ihrer Arbeit.

Aus Sicht von Aristoteles wäre es dagegen laut der Maturandin nicht korrekt, die Verteidigung eines geständigen Mörders wie dem Vierfachmörder von Rupperswil abzulehnen. Sie wendet seine Lehre vom Mass als dem Mittleren zwischen zwei Extremen für ihre Untersuchung an. «Das eine Extrem wäre die Angst des Anwalts vor psychischen Schäden, das andere Extrem wäre, dass der Anwalt seine eigenen Gefühle missachtet. In der Mitte stünde der Mut, auf sich selbst zu achten und gleichzeitig selbstlos zu handeln, indem der Anwalt ihn verteidigen würde. Aus dieser Theorie würde folgen, dass es ethisch nicht korrekt sei, den Mörder nicht zu verteidigen.»

Andere Theorien wären auch spannend gewesen

Gelernt hat Luisa Waser viel bei ihrer eigenen Arbeit. Diese verfasste sie auf Englisch, da sie an der Stiftsschule Engelberg die zweisprachige Maturität ablegt. «Ich habe gelernt, dass es verschiedene Perspektiven gibt, dass man nicht einfach sagen kann, das ist richtig und das falsch, sondern dass man die Argumente beachtet.» Sie habe in ihrer Arbeit die drei philosophischen Theorien betrachtet. «Andere wären auch spannend gewesen.»

Bei vielen Entwicklungen trete heute häufig die ethische Diskussion in den Hintergrund. «Ich habe oft den Eindruck, es geht nur ums Geld», sinniert sie. Die Arbeit habe ihr das Gefühl gegeben, ethische Fragen beantworten zu können.

Komplizierter als erwartet

Dabei habe sie die Kernfrage erst eine Woche vor Abgabe so formuliert, weil dies logischer war, als danach zu fragen, ob es ethisch vertretbar sei, Mörder zu verteidigen. Wie kompliziert das Thema wirklich war, fand sie erst während der Arbeit heraus.

Was die Engelbergerin nach der Matura macht, weiss sie noch nicht genau: «Ich finde, Medizin ist spannend, Recht aber auch. Vielleicht werde ich Gerichtsmedizinerin. Dann könnte ich beidem nachgehen.»

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