Maturafeier an der Stiftsschule Engelberg: Mit Durchhaltewillen zum Erfolg

Obwohl der Notenspiegel während der Schulzeit auch mal ins Dunkelrote gefallen war, durften sich 14 Absolventen der Stiftsschule an der Maturafeier über ihr Diplom freuen. Die Klassenlehrerin blickte auf schöne und schwierige Zeiten zurück.

Ruedi Wechsler
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Die Maturanden studierten ihre Diplome ganz genau. (Bild: Roger Zbinden, Engelberg, 21. Juni 2019)

Die Maturanden studierten ihre Diplome ganz genau. (Bild: Roger Zbinden, Engelberg, 21. Juni 2019)

Rektor Matthias Nüssli begrüsste am Freitagabend im neu renovierten Barocksaal des Klosters Engelberg die Maturi und Maturae zusammen mit ihren Eltern, Freunden und Gästen. «Nun heisst es zurücklehnen und zurückblicken. Viele Einschränkungen, die lästig geworden sind, fallen nun weg», meinte der Rektor. Wo Menschen aufeinandertreffen, entstünden Spannungen, und solche würden auch im folgenden Rückblick von Klassenlehrerin Maja Lenz thematisiert, fuhr er fort.

Bildungsdirektor Christian Schäli (Mitte) übergibt Chantal Esposito ihr Zeugnis. Auch Rektor Matthias Nüssli freut sich. (Bilder: Roger Zbinden, Engelberg, 21. Juni 2019)
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Auch Magdalena Burri erhält ihr Diplom.
Stolze Angehörige filmen und fotografieren die Maturafeier.
Bildungsdirektor Christian Schäli braucht auch Requisiten für seine Ansprache.
Klassenlehrerin Maja Lenz blickt auf Tränen, Trotzanfälle und tolle Studienreisen zurück.
Die Maturandinnen Sophia Krethlow (links) und Magdalena Burri erinnern sich an physischen Schmerz auf der Pilgerreise und psychischen im Prüfungsstress.
Die Zeugnisse werden angeschaut...
...und verglichen.

Bildungsdirektor Christian Schäli (Mitte) übergibt Chantal Esposito ihr Zeugnis. Auch Rektor Matthias Nüssli freut sich. (Bilder: Roger Zbinden, Engelberg, 21. Juni 2019)

Als Maja Lenz vor vier Jahren vor der damaligen 1. OG-Klasse stand, hätten sie 21 junge Menschen erwartungsvoll angeblickt. Sympathische, offene Gesichter. «Dass ihr eine nette und völlig problemlose Klasse seid, hatte man mir gesagt. Gleich zu Beginn habt ihr mir erklärt, dass es keiner meiner beiden Vorgänger länger als ein Jahr mit euch ausgehalten habe – was natürlich nicht an euch lag», erzählte Maja Lenz. «Dass euch die Frage des Klassenlehrers nicht ganz unwichtig war, habt ihr mir am letzten Schultag bewiesen, in einer Situation, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet hatte. Ihr habt ins Blaue hinein applaudiert. Als ich nach dem Grund des Applauses fragte, kam die Antwort: ‹Sie sind die erste, die in die zweite Runde mit uns geht›. Das hat mich dann dazu bewogen, euch bis zum Schluss zu behalten und nicht turnusmässig nach zwei Jahren abzugeben», ergänzte die Klassenlehrerin.

Trotzanfällen widerstanden und Tränen getrocknet

«Dann folgte aber die 3. OG. Eine gereizte Stimmung, bleiche Gesichter und nicht nur konstruktive Kommunikation schlichen sich in den Unterrichtsalltag ein. Der Notenspiegel fiel teilweise ins Dunkelrote, Trotzanfällen musste widerstanden und Tränen getrocknet werden», erzählte Maja Lenz. Highlights im letzten Schuljahr seien die Studienreisen in die Romandie und nach Paris gewesen.

Für Regierungsrat Christian Schäli ist die Maturafeier ein Freudentag. Er brachte eine Fichte mit nach Engelberg und verglich den Baum mit der Maturaklasse. Sie sei in den sechs Jahren nicht nur biologisch in die Höhe gewachsen, sondern auch bildungstechnisch. «Eine Pflanze wächst nicht nur in eine Richtung. Umso höher, desto tiefer wachsen die Wurzeln. Die Stiftsschule Engelberg bietet allerbeste Voraussetzungen für eine optimale Wurzelbildung. Die Eltern sind der Topf mit der Erde und ein solides Fundament für die Schüler», führte der Bildungsdirektor aus. Und dachte auch an den Dünger: Unsere Vorfahren seien mit ihren Pionierleistungen für den heutigen, guten Nährboden verantwortlich. Er dankte allen Lehrpersonen – sie seien das Licht, das jede Pflanze brauche – und den Eltern.

Sie haben das Ticket an eine Top-Hochschule in den Händen

70 Prozent der Schweizer Universitäten zählten zu den Top 200 der Welt, sagte der Bildungsdirektor. Die Maturi und Maturae hätten nun das Ticket für eine davon in den Händen. Zusammen mit Dr. Alois Amstutz, dem Präsidenten der Maturitätsprüfungskommission, überreichte er den 14 Absolventen unter grossem Applaus die Zeugnisse. Jahrgangsbester war Felix Lichtner mit der Note 5.64, dicht gefolgt von Luisa Waser (5.57) und Sophia Krethlow (5.54).

Sophia Krethlow aus Luzern und Magdalena Burri aus Engelberg blickten nochmals zurück auf die Zeit in der Stiftsschule. Pro Tag waren sechs bis acht Stunden lernen, denken und handeln angesagt. Kameradschaft, Freundschaft, Durchhaltewillen und Solidarität lernte man in dieser Zeit. Magdalena Burri sprach von physischem Schmerz auf der Pilgerreise (als die Füsse brannten) und vom psychischem Schmerz geprägt durch Prüfungsstress. Absolut rührend und emotional war die Übergabe des Präsents an ihre Klassenlehrerin Maja Lenz.

Dieses Trio erhielt die besten Noten

Felix Lichtner (Note 5,64): Der Klassenbeste mit deutschen Wurzeln wohnte zunächst noch in Luzern, als er bereits die Stiftsschule in Engelberg besuchte. Nach gut anderthalb Jahren zügelte die Familie nach Engelberg. Zu seinen Lieblingsfächern gehören Physik und Mathematik. Felix erwähnte die unglaubliche Atmosphäre an der Stiftsschule und in Engelberg. «Es ist eine gute Lernumgebung und sehr friedlich hier. Ich habe viele Freunde gefunden.» Er habe mit einer guten Note gerechnet. «Da ich in Physik und Mathe sehr gut bin, konnte ich von einer guten Note ausgehen. Aber gerade Klassenbester, mit dem habe ich nicht gerechnet», meinte er etwas überrascht. An die tolle Schulzeit werde er sich immer wieder gerne zurückerinnern. Jetzt gehe es langsam in ein weniger strukturiertes Leben. Bald beginnt für Felix Lichtner das Studium der Theoretischen Physik an der ETH Zürich.

Luisa Waser (Note 5,57): Für die Engelbergerin war es naheliegend, das einheimische Gymnasium zu besuchen. Für Luisa war im 1.OG die einwöchige Pilgerreise nach Fischingen sehr eindrücklich. «Sie schweisste die Klasse extrem zusammen», meinte sie. Die schwierigste Phase erlebte Luisa im letzten Schuljahr. «Wir waren so nahe dran. Durchhaltewille war gefordert und wir gaben nochmals alles und hängten uns voll rein.» Künftig werde sie den geregelten Tagesablauf vermissen. Nun beginnt für Luisa Waser ein Zwischenjahr, gefolgt von einem Praktikum. Sie werde sich erst später entscheiden, in welche Richtung es studienmässig gehen werde, so die Maturandin.

Sophia Krethlow (Note 5,54): Ihr Vater und ihr Bruder hätten beide das Internat an der Stiftschule Einsiedeln besucht, erzählte Sophia. «Meinem Vater lag es sehr am Herzen, dass ich ebenfalls ein Benediktinerkloster besuche. Die letzten sechs Jahre waren eine Kombination aus Lernen und Zusammenleben». Die Reisen nach Lausanne und Paris blieben für sie unvergessen. Sie werde wohl erst später realisieren, was ihr künftig fehlen werde, meinte sie. Im Herbst beginnt Sophia mit einem Studium der Pharmazeutischen Wissenschaften an der ETH Zürich. (ruw)

Die Maturi und Maturae

Burri Magdalena, Engelberg; Esposito Chantal, Luzern; Fernandes Juliana, Engelberg; Gander Julian, Engelberg; Gasser Patrick, Luzern; Krethlow Sophia, Luzern; Kromer Cosmo, Emmetten; Lichtner Felix, Engelberg; Mathis Alice, Engelberg; Mathis Kay, Engelberg; Matter Armin, Grafenort; Stern Leonardo, Zumikon; Waser Luisa, Engelberg; Wirth Colin, Meggen. (pd/fhe)