Maulkorb abgelehnt

Für einmal schreibt Markus von Rotz im «Blitzlicht» in eigener Sache.

Markus von Rotz
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Sie konnten kürzlich bei uns über die Verhandlung vor Nidwaldner Obergericht wegen mögliches Betrugs durch einen EDV-Fachmann lesen. Die Berichterstattung vor Kantonsgericht war aus Sicht des Verteidigers zu wenig anonym ausgefallen, sodass man habe Rückschlüsse auf den Angeklagten machen können. Das sollten Journalisten vermeiden, ist aber in einem kleinen Kanton nicht immer einfach, weil es auch zu verhindern gilt, dass fälschlicherweise Dritte in Verdacht geraten.

Der Verteidiger wollte daraufhin gleich alle Medienschaffenden vom Prozess ausschliessen. Oder zumindest unsere Zeitung oder dann wenigstens den Mitarbeiter, der damals schrieb. Das war dem Obergericht zu stark aufgetragen. Damit «würde in schwerer Weise in die Medienfreiheit (möglicherweise auch in die Informationsfreiheit) eingegriffen». Der Gerichtsberichterstattung komme «eine wichtige Wächterrolle» zu, weil erst die «vermittelnde Tätigkeit» der Medien eine Kontrolle möglich mache. «Die Kontrolle staatlichen Handelns dient dem Interesse der Verfahrensbeteiligten und der Öffentlichkeit», schreibt der Obergerichtspräsident weiter. «Sie soll das Gericht zu einer verantwortungsvollen, fairen Aufgabenerfüllung anhalten und zu sachgerechten und rechtmässigen Urteilen bewegen.» Diese klärenden Worte sind für uns und im Interesse unserer Leser höchst erfreulich. Dass dann auf Wunsch des Gerichts jemand anders darüber schrieb, ist kein Widerspruch, sondern diente lediglich der Unabhängigkeit.