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Kanton Obwalden spart Stipendien trotz mehr Studenten

Seit Obwalden vor fünf Jahren die Berechnung von Stipendienansprüchen geändert hat, haben die Gesuche massiv abgenommen. Die Entwicklung ist bei steigenden Studentenzahlen schwierig zu erklären.
Franziska Herger
Blick in eine Vorlesung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Luzern.

Blick in eine Vorlesung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Luzern.

Im Jahr 2014 hat in Obwalden die Stipendiengesetzgebung geändert. Seither sind die eingereichten Gesuche um 37 Prozent zurückgegangen, von 422 im Jahr 2014 auf 263 im Jahr 2018. Dies zeigt der Wirkungsbericht des Regierungsrats fünf Jahre nach Inkrafttreten der Stipendienverordnung. Auch die Zahl der bewilligten Gesuche ist gesunken, von rund 200 im Jahr 2014 auf gegen 150 im vergangenen Jahr. Dies schlägt sich im Kantonsportemonnaie positiv nieder: Wurden 2014 rund 1,7 Millionen Franken an Ausbildungsbeiträgen gesprochen, waren es 2018 noch 1,2 Millionen.

Dies, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Obwaldner Studenten an Universitäten, eidgenössischen Hochschulen, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen (PH) in der Tendenz gestiegen ist, von rund 600 auf gut 650 im Jahr 2018 (2004 waren es noch rund 400 Studierende). Ihnen wurden letztes Jahr rund 70 Gesuche bewilligt, im Gegensatz zu 120 im Jahr 2014. Die übrigen Gesuchsteller stammen aus der Sekundarstufe II (Lehre, Berufsmatura, Zwischenjahr und andere Brückenangebote).

Bessere Selbsteinschätzung als möglicher Grund

Weniger Gesuche bei steigender Studentenzahl – wie kommt das? Die gegenläufige Entwicklung könne mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht vollständig erklärt werden, schreibt die Regierung. Als möglicher Grund für die rückläufigen Gesuche wird die bessere Selbsteinschätzung der potenziellen Gesuch­stellenden aufgrund von Informationen der Fachstelle Ausbildungsbeiträge genannt.

«Die Gesuche müssen jedes Jahr neu gestellt werden», erklärt Margrith Walpen von der Fachstelle. «Bei jedem Entscheid erhalten die Gesuchsteller ein genaues Berechnungsblatt. So können sie gut einschätzen, ob sich ein erneutes Gesuch im nächsten Jahr lohnt.» Obwalden ist dabei kein Einzelfall: Schweizweit sei die Zahl der Stipendienbezüger eher rückläufig, schreibt die Regierung im Bericht.

Vor der Änderung herrschte wenig Transparenz

Vor 2014 wurden die Ausbildungsbeiträge in Obwalden nach einem Punktesystem berechnet. Dieses sei für Gesuchsteller kaum nachvollziehbar und zu ungenau gewesen, heisst es im Bericht. So stützte sich die Stipendienberechnung etwa auf das steuerbare Einkommen, das die zumutbare Leistung nicht genau abbildete. «Dadurch erhielten Personen Stipendien, welche eigentlich wirtschaftlich in der Lage waren, die Ausbildungskosten selber zu finanzieren», so der Regierungsrat.

Heute berechnen sich die Ausbildungsbeiträge nach dem sogenannten Fehlbetragsdeckungssystem: Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten werden der zumutbaren Eigenleistung der Studenten sowie jener der Eltern gegenübergestellt. Was fehlt, wird als Ausbildungsbeitrag gewährt. Margrith Walpen sagt:

«Das neue System ist nicht strenger, aber gerechter.»

«Die Transparenz ist grösser, weil die Ausgaben und die zumutbaren Fremd- und Eigenleistungen genau aufgezeigt werden.» Bei Uni-, Hochschul-, Fachhochschul- und PH-Studenten wird bei einem Vollzeitstudium in jedem Fall eine Eigenleistung von 4000 Franken jährlich einberechnet, auf der Sekundarstufe II sind es 1000 Franken respektive 90 Prozent des Jahreslehrlings- oder Praktikumslohns.

Grossteil der Studenten will keine Schulden machen

2017 erhielten Stipendienbezüger im Kanton Obwalden durchschnittlich rund 6900 Franken. Im interkantonalen Vergleich liegt Obwalden damit im Mittelfeld: Schweizweit waren es rund 7300 Franken. Eine Ausnahme bildet Obwalden beim sogenannten Splitting: Wie in nur fünf anderen Kantonen wird ein Teil der jeweiligen Ausbildungsbeiträge an Uni-, Hochschul-, Fachhochschul- und PH-Studenten automatisch als Darlehen gewährt. In Obwalden sind es 30 Prozent. Auf der Sekundarstufe II werden die Beiträge nur als Stipendien vergeben, die nicht zurückgezahlt werden. Das Splitting basiere vor allem auf finanziellen Überlegungen, sagt Margrith Walpen.

Es zeigt sich, dass ein Grossteil der Studenten nach der Ausbildung keine Schulden haben möchte. Ganze 73 Prozent der Gesuchsteller verzichten auf den Bezug des optionalen Darlehensanteils. «Scheinbar ist es für eine Mehrzahl der Studierenden möglich, ihren Lebensunterhalt ohne die Darlehen zu bestreiten», so die Regierung.

Handlungsbedarf bestehe fast nur bei der Verzinsung

Der Systemwechsel habe sich bewährt, resümiert der Regierungsrat im Bericht an den Kantonsrat. Er liefert diesen auftragsgemäss auf Wunsch des Parlaments fünf Jahre nach Einführung der neuen Praxis ab. Handlungsbedarf bestehe einzig beim Beginn der Zinspflicht für Darlehen. Diese startet heute einen Monat nach Abschluss oder Abbruch der Ausbildung, was für die Finanzverwaltung sehr viel Administrativaufwand bedeute. Künftig soll die Verzinsung einheitlich auf den folgenden 30. November erfolgen. Zudem soll künftig für alle Gesuchsteller – und nicht erst für jene ab 18 Jahren – eine Pauschale von 2500 Franken für Kleider, Wäsche und Taschengeld zu den anerkannten Lebenskosten gerechnet werden. Dies weil für Jüngere mit ähnlich hohen Kosten gerechnet werden müsse. Der Kantonsrat behandelt den Bericht am 24. Oktober.

Beitritt soll Mitsprache bringen

(fhe) Die Obwaldner Regierung beantragt dem Kantonsrat den Beitritt zur interkantonalen Stipendienvereinbarung. Die 2013 in Kraft getretene Vereinbarung vereinheitlicht die Bemessungsgrundsätze und definiert Mindestvoraussetzungen für beitragsberechtigte Personen und Ausbildungen. Nur sieben Kantone sind ihr noch nicht beigetreten, neben Obwalden etwa auch Nidwalden, Zug und Schwyz.

Ein Beitritt sei weder mit einer Gesetzesanpassung noch mit Mehrkosten verbunden, schreibt die Regierung, denn die kantonale Gesetzgebung erfülle bereits heute alle Voraussetzungen. Weiter erhalten nur diejenigen Kantone Bundesbeiträge an die Stipendien (in Obwalden sind es rund 110000 Franken jährlich), welche die formellen Bestimmungen der Vereinbarung einhalten. Der Kanton sei also faktisch an die Vereinbarung gebunden, so die Regierung. «Ein Beitritt sichert dem Kanton ein Mitspracherecht.»

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