Mehr Zusammenarbeit mit einem Zentrumsspital: Der Obwaldner Spitalrat stellt seine Zukunftsstrategie vor

Im Rahmen der Ausrichtung des Kantonsspitals innerhalb des Gesundheitsgesetzes hat der Spitalrat dem Kantonsrat seine Zukunftsstrategie unterbreitet. Die Vorschläge fliessen in die Versorgungsstrategie im Akutbereich ein.

Philipp Unterschütz
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Das Kantonsspital Obwalden.

Das Kantonsspital Obwalden.

Bild: PD

Vertiefung der Zusammenarbeit mit einem Zentrumsspital zur Sicherung des medizinischen Angebots, Prüfung und Umsetzung einer weiteren Ausgliederung von Nicht-Kernleistungen sowie die Überprüfung des Leistungsauftrags im kantonalen Gesundheitsgesetz. Das sind die Kernpunkte der Vorschläge für die strategische Ausrichtung des Kantonsspitals Obwalden (KSOW), die der Spitalrat dem Regierungsrat vorgelegt hat.

Diese Vorlage an die Regierung erfolgte eigentlich bereits Ende März. Weil aber das Personal wegen der Coronasituation nicht vorher informiert werden konnte, hat der Spitalrat erst gestern die Öffentlichkeit mit einer Mitteilung informiert. Mit seiner neuen Spital-Strategie verfolge der Spitalrat für das KSOW die klare Zielsetzung, zu Gunsten der Obwaldner Bevölkerung ein medizinisch sinnvolles und finanzierbares Angebot zur Verfügung zu stellen. «Insbesondere soll die Zukunft einer eigenständigen Institution sichergestellt werden», schreibt der Spitalrat. «Auch sollen die Kosten für den Kanton in allen Belangen langfristig tragbar sein.» Die neue Strategie stehe auch vor dem Hintergrund, dass sich das gesundheitspolitische Umfeld rasant verändere. Der Spitalrat erwähnt unter anderem die zunehmende Spezialisierung der Medizin, den Mangel an Fachpersonal, Mindestfallzahlen für operative Eingriffe, die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit oder die gesetzlichen Grundlagen.

In der Nacht soll es keine Operationen mehr geben

Mit seiner Strategie hat der Spitalrat dem Regierungsrat verschiedene Massnahmen zur Prüfung vorgeschlagen. Die stationäre Grundversorgung soll in einem medizinisch sinnvollen und finanziell tragbaren Rahmen weitergeführt werden. Das bereits heute sehr breite Angebot soll in Zukunft aber vermehrt im Verbund mit einem Zentrumsspital als Partner erbracht werden. Die Spezialisten am KSOW würden die notwendigen Abklärungen zu Behandlungen im Rahmen der Spitalgrundversorgung im KSOW vornehmen oder bei Bedarf als Belegarzt den Patienten ins Zentrumsspital begleiten. Durch diese Form der Zusammenarbeit, die beispielsweise in der Bauchchirurgie mit dem Luzerner Kantonsspital bereits gut etabliert sei, könnten die Kosten stabilisiert und die Infrastrukturbedürfnisse konzentriert werden, hält der Spitalrat fest.

In der Strategie werden vor allem drei Massnahmen erwähnt. Erstens soll die Innere Medizin und Geriatrie gestärkt werden. Dabei sollen die heimischen Hausärzte, die Spitexdienste und die Alters- und Pflegeheime einbezogen werden. Zweitens soll nur noch zwischen 7 und 22 Uhr im zweischichtigen Betrieb operiert werden. Während des gesamten Jahres 2019 wurden zwischen 22 und 7 Uhr und an den Wochenenden nur gerade 33 Operationen durchgeführt, weniger als drei pro Monat. Als Konsequenz dieser Reduktion soll als dritte Massnahme die Regierung eine Neuregelung des Leistungsauftrags Geburtshilfe prüfen. «Die Vorhalteleistungen dafür kosten pro Jahr rund 2 Millionen Franken, werden aber eher wenig genutzt», erklärt Thomas Straubhaar. Wenn man sie aber reduzieren oder weglassen wolle, könne die ganze Geburtshilfe nicht mehr angeboten werden.

Gesundheitsgesetz müsste geändert werden

«Welche Leistungen am KSOW künftig angeboten werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere davon, was unter den geltenden und künftigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist», präzisiert Straubhaar. «Was wir vor Ort leisten wollen, hängt letztlich ab vom politischen Willen, von den Bedürfnissen der Bevölkerung und deren Bereitschaft, die Finanzierung sicher zu stellen.»

Es handle sich bei den Überlegungen des Spitalrats um eine fundierte, betriebswirtschaftlich orientierte Analyse, lässt sich Gesundheitsdirektorin Maya Büchi in einer Mitteilung der Regierung zitieren. Die Umstellung der operativen Medizin und die Neuregelung der Geburtshilfe weise finanzielle Vorteile auf, was die Regierung in ihrer Gesamtbeurteilung berücksichtigen werde. Gemäss Gesundheitsgesetz müssen in Sarnen aber mindestens die Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe und Anästhesie geführt werden. Noch fehlten aber die notwendigen Unterlagen für eine grundlegende Gesetzesrevision im Spitalbereich.

Gegenwärtig führt eine Projektgruppe eine Analyse zur «Akutversorgung im Verbund» durch. «Der Fächer der Varianten reicht vom heutigen Zustand bis zur Schaffung eines regionalen Gesundheitszentrums», erklärt Landstatthalter Daniel Wyler. Ende dieses Jahres soll die Gesamtbeurteilung vorliegen. Anschliessend legt der Regierungsrat das weitere Vorgehen fest.

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