Leserbrief

«Mein Drahtesel bleibt im Stall»

Weshalb die Einschränkungen wegen des Coronavirus für einen Leser Sinn machen.

Josef Bucheli, Hergiswil
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Glück gehabt, Freitag-Vormittag, auf dem Mountainbike in Alpnach Dorf. Ich radle Richtung Sarnen. Gleichzeitig verlässt ein gelbes Auto ein Parkfeld auf der linken Strassenseite. Ich merke, dass es sich in meine Richtung bewegt und mich dabei mit dem rechten Vorderrad näher und näher an den Strassenrand drängt. Ich kann nicht mehr auf das erhöhte Trottoir ausweichen; der Schlag auf den rechten vorderen Kotflügel des Wagens beim Kontakt mit meinem Gefährt ist unüberhörbar. Mich überrascht, dass ich trotzdem noch fest im Sattel sitze und setze meine Fahrt, ohne anzuhalten, fort.

Kurze Zeit später überholt mich das gelbe Auto und die junge Lenkerin fragt im Fahren durch das geöffnete Wagenfenster, ob alles in Ordnung sei, was ich bejahe. Glück gehabt.

Ich stelle mir auf der Weiterfahrt um den Sarnersee vor, dass die junge Frau vielleicht im Gesundheitsdienst arbeitet und dass ihre kurze Unachtsamkeit der Müdigkeit geschuldet ist infolge der beruflichen Überlastung dieser Tage.

Ich selber bin froh, keinem Corona-Patienten im Krankenhaus einen Betten-Platz entwendet zu haben. Ausserdem bin ich um ein Argument reicher, weshalb gegenwärtig Leute ohne besonderen Grund ihr Haus nicht verlassen sollten. Mein Drahtesel wird daher im Stall bleiben, bis die Behörden die persönliche Einschränkung für Rentner aufgehoben haben.