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MELCHSEE-FRUTT: Am Sonntag kommen die Bartgeier Alois und Cierzo

Zwei weitere junge Bartgeier werden im Huetstock ausgewildert. Ein weiterer Schritt zur Wiederansiedlung des majestätischen Vogels.
Matthias Piazza
Bartgeier Ewolina bei einem Ausflug im vergangenen Jahr. (Bild: PD)

Bartgeier Ewolina bei einem Ausflug im vergangenen Jahr. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Ihren ersten Flug legen sie mit dem Flugzeug zurück. Die beiden rund drei Monate alten Bartgeiermännchen sind auf der andalusischen Bartgeierzuchtstation Guadalentin im Süden von Spanien aufgewachsen. Flügge werden sie aber im Melchtal. Nach einem Zwischenstopp beim Tierpark Goldau, wo sie medizinisch untersucht werden, treffen sie am Sonntag im Huetstock ein.

Dort werden sie rund um die Uhr von Biologen überwacht und betreut. Bis zu einem halben Kilo Wild verspeist ein junger Bartgeier pro Tag – es sind vor allem Tiere, die von einem Auto angefahren wurden. Denn Bartgeier sind Aasfresser, keine Raubvögel. Mit rund fünf Kilo Körpergewicht und einer Flügelspannweite von nahezu drei Metern sind sie zwar schon praktisch ausgewachsen. Noch nicht fertig entwickelt ist hingegen ihr Gefieder.

Flugversuche in ein paar Wochen

Virtuose Flüge sind in den nächsten Wochen allerdings noch nicht zu erwarten. «Wenn sie ankommen, können sie noch gar nicht fliegen und sind darum auch auf Fütterung angewiesen», sagt Daniel Hegglin von der Stiftung Pro Bartgeier. «Nach ein paar Wochen werden sie ihre ersten kurzen Flugversuche unternehmen.» Die Auswilderungsaktion ist die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte, die im vergangenen Jahr mit der erstmaligen Auswilderung startete. «Die drei Bartgeier Trudi, Sempach II und Ewolina entwickelten sich prächtig», weiss Daniel Hegglin.

Man könne hier auf eine grosse Unterstützung durch die Behörden und Grundeigentümer zählen. Die Vögel haben ihre Kinderstube bereits verlassen und sind jetzt auf ihren Wanderjahren. Trudi fühlt sich in Frankreich wohl, Sempach II im Wallis und dem angrenzenden Italien, Ewolina scheints in der Zentralschweiz zu gefallen.

Zweite Auswilderungsserie

Und nun kommt mit Alois und Cierzo also bereits die zweite Auswilderungsgeneration auf der Frutt an den Start. Und das ist auch nötig. «Ohne weitere Auswilderung wird sich die Population nicht zu einem gesunden Bestand entwickeln», sagt Daniel Hegglin. Einerseits dauert es fünf bis sechs Jahre bis zur Geschlechtsreife. Andererseits ziehen die Vögel weg. Darum wäre es auch sinnlos gewesen, ein Paar auszuwildern. Bei den diesjährigen Jungvögeln handelt es sich um zwei Männchen, die drei Bartgeier aus dem vorigen Jahr waren weiblich.

Dass man aus europaweit rund 40 Zuchtstationen ausgerechnet auf Südspanien zurückgreift, hat einen bestimmten Grund. «Wir wollen dadurch eine möglichst hohe genetische Vielfalt erzeugen und Inzucht vermeiden.»

Voraussichtlich wird das Auswilderungsprogramm noch für drei Jahre auf der Frutt weitergeführt. Hegglin ist zuversichtlich, dass sich bis dahin der Bartgeier in der Zentralschweiz wieder ansiedelt, zumal die Lebensbedingungen hier ideal sind. Sein Tisch ist reich gedeckt. Als Aasfresser ernährt er sich von verendeten Huftieren, vor allem Steinböcken und Geissen. Als unverzichtbar in der heimischen Tierwelt möchte Hegglin diesen Vogel aber trotzdem nicht bezeichnen. «Bartgeier sind spezialisierte Knochenfresser, die im Gegensatz zu anderen Geierarten nicht das gesamte Aas verspeisen.»

Bis 250 Bartgeier im Alpenraum

Für ihn ist die Wiederansiedlungsaktion eine Wiedergutmachung an die Natur. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Bartgeier in den Gebirgen Südeuropas und den Alpen noch recht häufig anzutreffen. Heute zieht er seine Kreise über den Pyrenäen, Korsika und Kreta – und erst seit 1986 auch wieder über den Alpen. Zwischen 1991 und 2007 wurde er im schweizerischen Nationalpark im Engadin, zwischen 2010 und 2014 in der Ostschweiz wieder angesiedelt. Daniel Hegglin schätzt, dass zwischen 200 und 250 Bartgeier im Alpenraum unterwegs sind, viele davon in der Schweiz.

Hinweis

Die Bartgeierauswilderung am Sonntag ist öffentlich. Information und Anmeldung (bis morgen Donnerstag) auf www.bartgeier.ch/anmeldung

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