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MELCHSEE-FRUTT: Auch mit 90 noch gerne «z Alp»

Die Welt des Bärti Windlin ist klein und wenig spektakulär. Mit seinem Leben zwischen Kerns und Hochalp Stöckenhütte ist er jedoch zufrieden.
Primus Camenzind
Albert (Bärti) Windlin (links) ist Älpler auf der Alp Stöckenmatt auf Melchsee-Frutt. Auf dem Bild ist er zusammen mit Enkel Matthias und Sohn Stefan. (Bild Primus Camenzind)

Albert (Bärti) Windlin (links) ist Älpler auf der Alp Stöckenmatt auf Melchsee-Frutt. Auf dem Bild ist er zusammen mit Enkel Matthias und Sohn Stefan. (Bild Primus Camenzind)

Heiter Sonnenschein auf «Schteckähittä», dort, wo die Talstation der Erzegg-Sesselbahn steht und sich das gleichnamige Restaurant der Korporation Kerns sowie eine prächtige Alpwirtschaft befinden. Am schattigen Mittagstisch im Freien hocken Bärti Windlin, sein Sohn Stefan mit Ehefrau Vreni, Bärtis Grosskind Matthias und sein Schwager, der aus dem Mittelland angereist ist und die Windlins zum Essen eingeladen hat. Nicht ohne Grund, ist zu vernehmen, denn Bärti Windlin wurde am 10. August 90-jährig.

Seit 68 Sommern fährt der Senior ohne Unterbruch «z Alp». Zwölf verschiedene Hütten waren es bisher; fünf Jahre die Stöckenhütte, vorher 18 Jahre lang die Zingelfrutthütte. «Vorne im Dörfli, ganz nahe beim Fruttlädeli», präzisiert Bärti Windlin. Hierher habe ihn der Zufall gebracht, erklärt er, «denn die Alpen werden von der Korporation verlost.» Zur Stöckenhütte gehören 29 Stück Vieh – davon 14 Milchkühe, 11 Rinder und 4 Kälber.

Ein traumhafter Berufswunsch

Der rüstige Neunziger ist rundum zufrieden. Das Glück hatte er in seinem Leben jedoch nicht immer für sich gepachtet, denn seine Familie wurde von argen Schicksalsschlägen heimgesucht. Darüber spricht Bärti heute nicht – viel lieber von unerfüllten Jugendträumen: «Ich wäre eigentlich gerne Tierarzt geworden», verrät er, «aber dieser Wunsch war für eine arme Familie wie die unsere unendlich weit weg.»

Also bewirtschaftete Bärti zeit seines Lebens das Bauerngut Hübeli in Kerns, um im Sommer jeweils einige Wochen auf den Alpen zu verbringen. «Das waren damals noch Voralpen oder Bodenalpen, wo wir den ganzen Sommer weilten, nebst dem Vieh noch Wald- und Landschaft pflegten sowie Käse und Anken produzierten. «Ganz schön streng», erinnert er sich, «da kann ich es auf der Frutt seit Jahren schon viel gemütlicher angehen lassen», lässt er uns wissen. Auf- und Abzug über eine Höhendifferenz von fast 1200 Metern werden heute auch nicht mehr zu Fuss in Angriff genommen. «An die sechs Stunden Marschzeit ist für Mensch und Vieh eine Plagerei», sind sich der Senior und sein Sohn einig.

Familie hilft mit

Stefan, der seinem Vater für jeweils sechs bis sieben Sommerwochen auf Stöckenhütte seinen Viehbestand anvertraut, bewirtschaftet tagsüber in Kerns mit Gattin Vreni das Bauerngut Hübeli in St. Antoni. Beide fahren am Abend zum Übernachten auf die Frutt, um dort die Kühe zu melken. Für Bärti bleibt seinem Alter entsprechend auch noch einiges zu tun. Klagen mag er allerdings nicht: «Wenn das Vieh draussen ist, reinige ich das Melkgeschirr, miste aus und putze den Stall. Gegen Abend sorge ich dafür, dass die Melkmaschine wieder parat ist und die Milchtanks gelöscht sind.» Ein tagsüber blitzblanker Stall liegt Vater Windlin besonders am Herzen: «Die Korporation betreibt direkt nebenan ihr Restaurant, es kommen viele Gäste hierher, und deshalb betrachte ich unsere Alpwirtschaft als eine Art Vorzeigebetrieb», betont er.

Häufig Käse und «Gschwellti»

Das Mittagessen kocht sich Bärti in der Regel selber. «Einfach halt; etwa Käse und ‹Gschwellti› oder umgekehrt», scherzt er. Heute sieht es auf seinem Teller vor dem «Erzegg-Beizli» allerdings anders aus. Es gibt ein saftiges Steak auf der heissen Steinplatte, dazu Pommes und Gemüse. «Mein Schwager verwöhnt uns heute ganz schön», sagt Bärti dazu.

Das Thema Essen führt zur Frage, wieso denn Bärtis Frau Paula die Sommerwochen nicht mit ihm auf der Alp Stöckenhütte verbringt. «Sie bleibt lieber in Kerns, wegen ihres geliebten Gartens und um die Grosskinder in der Nähe zu haben», begründet der Älpler. Die Freizeit verbringt er gerne mit seinen Hobbys Jassen, Politisieren oder Fachsimpeln über den Schwingsport. Am Wochenende vom «Eidgenössischen» in Burgdorf wird Bärti viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. Das sei schon jetzt so sicher wie das Amen in der Kirche. Er hält grosse Stücke auf die Obwaldner Peter Imfeld und Benji von Ah, setzt jedoch nüchtern auf den Berner Matthias Sempach – selbst nachdem ihm sein Sohn eröffnet, dass dieser am «Nordwestschweizer» vom vorangehenden Sonntag mehrfach im Sägemehl landete.

Zum Betruf Sorge tragen

Eine gewisse natürliche Frömmigkeit prägt auch die Frutter Alpen. «Dazu gehört noch immer der Betruf», erklärt Bärti und gibt zu verstehen, dass dieses religiöse Ritual noch heute sorgfältig gepflegt wird. «Zu so was muss man Sorge tragen», bekräftigt der Senior.

Einer weiteren Zukunft auf «Schteckähittä» sieht Bärti Windlin vorsichtig entgegen. Ohne den Optimismus zu verlieren, bringt er seine Gesundheit auf den Punkt: «Äs beesed mer halt ai uf all Syyte», stellt er fest. Der kommende Winter werde zeigen, ob er im Sommer 2014 nochmals z Alp fahre. Freude bereiten ihm hingegen junge Leute – auch solche aus der Stadt –, die bereit sind, sich auf einer Alp nützlich zu machen. Sein Urteil: «Die nehmen das in der Regel sehr ernst, lernen schnell und leisten gute Arbeit.»

Mit diesem Artikel schliessen wir die Serie «Meine Alp» ab. Alle Folgen finden Sie auf www.obwaldnerzeitung.ch/serien

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