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MELCHSEE-FRUTT: Auf der Tannalp sollen wieder Tannen wachsen

Im Hochtal gibt es seit dem Mittelalter keinen Wald mehr. Seit 30 Jahren beschäftigt sich der Forstverein Melchsee-Frutt mit der schwierigen Wiederaufforstung. 2800 Lärchen, Fichten und Arven haben die Mitglieder bereits gesetzt.
Philipp Unterschütz
Die Infotafel am neuen Fruttliweg vermittelt viel Wissenswertes über die Aufforstungsarbeiten, die trotz sichtbaren Erfolgen noch viel Geduld und Pflege verlangen. (Bild: Markus von Rotz (Melchsee-Frutt, 7. Juli 2017))

Die Infotafel am neuen Fruttliweg vermittelt viel Wissenswertes über die Aufforstungsarbeiten, die trotz sichtbaren Erfolgen noch viel Geduld und Pflege verlangen. (Bild: Markus von Rotz (Melchsee-Frutt, 7. Juli 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Trotz dem Namen – auf der Tannalp und im Hochtal Melchsee-Frutt gibt es weit und breit keine grossen Tannen oder andere Bäume. Ob das immer so war und ob der Name Tannalp von Tannen abgeleitet ist oder von einem Germanen namens Danno, der die Alp einst bewirtschaftet haben soll, ist unter Historikern und Experten umstritten. «Ich bin überzeugt, dass es dort einst Wald gab», sagt Peter Lienert, der ehemalige Oberförster des Kantons Obwalden. Schliesslich habe man beim Bau des Tannenseedamms 1955 auch alte Wurzelstöcke gefunden. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts soll der «Tannenboden» mit Hochwald bestockt gewesen sein. Dies geht aus geschichtlichen Berichten von Landabtretungen von Bern an Kerns hervor.

Eine «Bieridee», die sich prächtig entwickelt hat

Verschwunden ist der Wald vor allem im Zug des ab 1430 erfolgten Abbaus der Erzvorkommen, die man an der Erzegg gefunden hatte. Für Transportvorrichtungen und Schmelzöfen brauchte es nämlich gewaltige Mengen Holz: mindestens 50 Kubikmeter für eine Tonne Eisen. Das Fehlen von Bäumen ist nicht nur ein gewisses landschaftliches Manko, sondern begünstigt auch die Erosion. «Es ist allerdings nicht so, dass es sich um gravierende Folgen handelt», sagt Peter Lienert. Das sei auch der Grund, warum der Kanton nicht intervenieren müsse, sondern sich auf die wichtigen Schutzwälder im Kanton konzentriere. Bereits in den Fünfziger- und Sechzigerjahren wurden aber von der Eidgenössischen Versuchsanstalt für forstliches Wesen erstmals Aufforstungen durchgeführt, um den negativen Auswirkungen zu begegnen.

Im März 1986 wurde auf Initiative des mittlerweile verstorbenen Hoteliers Sepp Durrer eine Forstgenossenschaft mit dem Ziel der Aufforstung gegründet. 1987 erfolgte der Eintrag ins Handelsregister, 2003 die Umwandlung in den Forstverein Melchsee-Frutt. Seit Anfang dabei war auch Peter Lienert. «Es war ei­gentlich eine Bieridee», blickt er heute mit einem Schmunzeln zurück. «Aber sie hat sich prächtig entwickelt. Es macht Freude, dass viele junge Leute mit viel Enthusiasmus mitmachen.» Tatsächlich zählt der Verein heute 54 Mitglieder und kann diese Tage auf 30 Jahre Wiederaufforstung zurückblicken: Am 11. Juli 1987 schritt man erstmals zur Tat.

Maximal 50 Prozent der Pflanzen haben überlebt

Seither werden mit der Zustimmung der Korporation Kerns jedes Jahr 50 bis 100 neue Pflanzen gesetzt. Der Forstverein befasst sich hauptsächlich mit der Pflege und dem Ausbau der Pflanzgebiete. «Ausgesetzt werden Lärchen, Fichten und Arven», erzählt Peter Lienert. «Mit den Lärchen haben wir die grössten Erfolge. Grosse Verluste haben wir bei den Rottannen und zum Teil auch bei den Arven.» Von den bisher 2800 gesetzten Nadelbäumen haben höchstens 50 Prozent im rauen Klima überlebt. «Es fehlen die schützenden Altbäume», erklärt der ehemalige Oberförster und betont, dass es halt viel Geduld und Pflege brauche. «Da muss man schon 50 oder gar 100 Jahre warten können, dann besteht aber durchaus die Chance, dass junge Bäume wieder von selber wachsen.»

Die Voraussetzungen für eine Aufforstung auf der Melchsee-Frutt sind tatsächlich heikel. Schon 1991 kam eine Studie des Oberforstamtes Obwalden zum Schluss, dass sich die klimatischen Bedingungen verschlechtert hätten. «An den exponierten Stellen kämpfen die Pflanzen vor allem mit dem sogenannten Strahlenfrost, der die Spitzen der kleinen Bäume absterben lässt und das Wachstum sehr behindert», weiss Peter Lienert.

Viel Wissenswertes aus der Geschichte, zu den Pflanzungen und zum Verein sind seit kurzem für interessierte Besucher auf einer Infotafel beim neuen Fruttliweg festgehalten.

Hinweis

Weitere Informationen unter www.melchsee-frutt.com/forstverein.

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