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MELCHSEE-FRUTT: Barfuss durch 600 Grad heisse Glut

Was unmöglich scheint, wagen 15 mutige Leute: Sie zünden ein Feuer an und laufen später barfuss über einen glühenden Teppich.
Romano Cuonz
Armin Kiser (rechts) führt Lambert Liesenberg über den glühend heissen Feuerteppich. Zuvor hatten alle Teilnehmer gemeinsam den Scheiterhaufen für die Glut angezündet. (Bilder Romano Cuonz)

Armin Kiser (rechts) führt Lambert Liesenberg über den glühend heissen Feuerteppich. Zuvor hatten alle Teilnehmer gemeinsam den Scheiterhaufen für die Glut angezündet. (Bilder Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Der Teppich aus zischender Feuerglut, über den ihr heute laufen werdet, wird 400 bis 600 Grad heiss sein», verkündet Feuer-Guide Armin Kiser den wagemutigen Frauen und Männern. Dann fügt er hinzu: «Normalerweise würdet ihr euch dabei grauenvoll verbrennen; wenn ihr jedoch gut vorbereitet seid, passiert praktisch nichts.» Im Winter leitet Armin Kiser mit 80 Mitarbeitern die Skischule des Obwaldner Sportgebiets Melchsee-Frutt. Schmilzt der Schnee und zieht der Bergsommer ins Hochtal, mag der Mentaltrainer es ganz heiss. «Neben Fruttspielen und Orientierung in den Bergen – wo es vor allem um Teamwork geht – bieten wir seit einiger Zeit das Feuerlaufen als besonderen Event für Gäste und Gruppen an», erzählt er. Die Idee finde mehr und mehr grossen Anklang.

Wagnis wird minutiös vorbereitet

15 Männer und Frauen spitzen im «Distelboden» die Ohren. Einige kommen aus Deutschland, jemand aus Kanada, wieder andere aus St. Gallen und Obwalden. Alle haben sie an diesem Freitag einen gemeinsamen Wunsch: Sie möchten in einem einzigen Nachmittag lernen, wie man Feuer und Glut zu trotzen vermag.

Ruhig und gekonnt führt Armin Kiser die bunte Gruppe ins bevorstehende Abenteuer ein. Während interessanten mentalen Übungen und mit geradezu minutiösen Instruktionen wird Teilnehmern erst so richtig klar, worauf sie sich da einlassen. «Dass ihr barfuss über glühende Kohle laufen könnt, ohne euch dabei ernsthaft zu verbrennen, hat physikalische und mentale Gründe», verrät Kiser. Physikalisch: Da müsse man lernen, das Gewicht flach zu verteilen, zügig und gezielt zu laufen, sodass gar kein Sauerstoff zwischen Kohle und Füsse gelangen könne. Mental aber gelte es, sich am Abend selber etwas zuzutrauen, was man sich am frühen Nachmittag noch nicht zugetraut hätte. «Ein paar ‹Feuerküsse› in Form von Blasen können unsere empfindlichen Füsse schon erhalten, aber das ist alles», verspricht Kiser den skeptisch zögernden Feuerläufern in spe.

Feuerlaufen ist ein Zeremoniell

Die Sonne verschwindet hinter den Bergen, und je näher die Nacht kommt, desto demütiger und ehrfürchtiger werden die Feuerläufer. Ja, ein solcher Event wird nach Regeln zelebriert und sachte initiiert. Vorerst vertraut jeder und jede dem Feuer noch seine Wünsche an. Ein alter Brauch bei Feuerläufern. Dann wird der Stapel aus Buchenholz durch alle Teilnehmer mit 15 Streichhölzern gemeinsam in Brand gesetzt. Während Flammen lodern und zischen, geniesst man den Sonnenuntergang. Dreht Runden, stochert im Feuer, spürt, wie heiss es ist.

Langsam stellt man sich auf etwas ein, das man nicht kann und doch können will. Und wie dann die Scheiter in sich zusammenfallen und zur Glut werden, spürt man die Hitze im weiten Umkreis. Nochmals macht Trainer Armin Kiser jeder und jedem Mut. Nochmals konzentriert man sich. Dann kommt der grosse Moment: Der Trainer holt die Glut aus dem Feuer und legt sie zu einem Teppich aus. Am seinem Ende steht ein Planschbecken mit kaltem Wasser bereit.

Mulmiges Gefühl und grosser Stolz

Wie nun alle ihre Schuhe ausziehen, sich der Glut nach und nach nähern, pochen die Herzen. Beinahe hörbar. «Ich kenne niemanden, der beim ersten Mal nicht ein mulmiges Gefühl hatte», sagt Kiser. Dann aber wagt es zuerst eine Frau. Schnell geht sie die fünf Schritte. Es ist ganz heiss und gleich darauf wieder eiskalt im Wasser. Einer nach dem andern, eine nach der andern folgt der mutigen Vorläuferin. Niemand kneift im letzten Moment, obwohl man dies dürfte. Einige ziehen sich bald nach dem bestandenen Abenteuer zurück. Andere können nicht genug bekommen. Alle sind mächtig stolz. Und Armin Kiser ist hocherfreut: Er weiss, dass dieser Event Zukunft hat. «Wir wollen es auf Melchsee-Frutt institutionalisieren, weil es vor diese Bergkulisse gehört», schwärmt er.

HINWEIS

Öffentliche Feuerläufe auf Melchsee-Frutt: 13. und 20. August, 3. und 10. September. Nähere Auskunft: www.skischulemelchsee-frutt.ch

Armin Kiser (rechts) führt Lambert Liesenberg über den glühend heissen Feuerteppich. (Bild: Romano Cuonz)

Armin Kiser (rechts) führt Lambert Liesenberg über den glühend heissen Feuerteppich. (Bild: Romano Cuonz)

Die 41-jährige Bettina Blattmann stammt aus St. Gallenkappel und ist Naturheilpraktikerin. Ihr Kommentar: «Meine Berufserfahrung sagt mir, dass dem Menschen viel mehr möglich ist, als er sich zutraut. Oftmals steht man sich nur mit seinen Gedanken im Weg. Schlussendlich geht es immer ums Urvertrauen. In der Glut wurde es schön warm, ich lief langsam, sodass der Trainer mich zur Eile antreiben musste. Ob ich wohl Blasen haben werde?» (Bild: Romano Cuonz)

Die 41-jährige Bettina Blattmann stammt aus St. Gallenkappel und ist Naturheilpraktikerin. Ihr Kommentar: «Meine Berufserfahrung sagt mir, dass dem Menschen viel mehr möglich ist, als er sich zutraut. Oftmals steht man sich nur mit seinen Gedanken im Weg. Schlussendlich geht es immer ums Urvertrauen. In der Glut wurde es schön warm, ich lief langsam, sodass der Trainer mich zur Eile antreiben musste. Ob ich wohl Blasen haben werde?» (Bild: Romano Cuonz)

Der 52-jährige frühere Zehnkämpfer Lambert Liesenberg ist Geschäftsführer der Life Forestry Switzerland in Stans. Er sagt: «Ich möchte meine zahlenorientierten Mitarbeiter dazu animieren, einmal den Kopf auszuschalten und nur noch auf das eigene Vertrauen zu hören. Jetzt habe ich es selber ausprobiert. War gar nicht so schlimm wie befürchtet. Du musst einfach durchs Feuer laufen wollen, dann kannst du es auch. Tolle Erfah-rung!» (Bild: Romano Cuonz)

Der 52-jährige frühere Zehnkämpfer Lambert Liesenberg ist Geschäftsführer der Life Forestry Switzerland in Stans. Er sagt: «Ich möchte meine zahlenorientierten Mitarbeiter dazu animieren, einmal den Kopf auszuschalten und nur noch auf das eigene Vertrauen zu hören. Jetzt habe ich es selber ausprobiert. War gar nicht so schlimm wie befürchtet. Du musst einfach durchs Feuer laufen wollen, dann kannst du es auch. Tolle Erfah-rung!» (Bild: Romano Cuonz)

Die 26-jährige Corina Steger ist auf Melchsee-Frutt aufgewachsen und wohnt heute in Sarnen. Sie meint: «Eigentlich hat mich ein Kollege zur Teilnahme überredet. Als ich die Prüfung als Chefkoch machte, kam ich an einen Punkt, wo ich mir sagen musste, dass ich meine Grenzen überwunden hatte. Jetzt, beim Feuerlaufen, habe ich ausgetestet und erfahren, dass es noch andere Varianten gibt, seine Grenzen zu überwinden.» (Bild: Romano Cuonz)

Die 26-jährige Corina Steger ist auf Melchsee-Frutt aufgewachsen und wohnt heute in Sarnen. Sie meint: «Eigentlich hat mich ein Kollege zur Teilnahme überredet. Als ich die Prüfung als Chefkoch machte, kam ich an einen Punkt, wo ich mir sagen musste, dass ich meine Grenzen überwunden hatte. Jetzt, beim Feuerlaufen, habe ich ausgetestet und erfahren, dass es noch andere Varianten gibt, seine Grenzen zu überwinden.» (Bild: Romano Cuonz)

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