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MELCHSEE-FRUTT: Die Bartgeier werden zu Filmstars

Jara Malevez dreht einen Dokumentarfilm über die Bartgeier. Sie fragt nach dem Sinn der Auswilderung und schildert die Faszination für die Vögel.
Marion Wannemacher
Die Filmcrew bei den Dreharbeiten auf der Melchsee-Frutt. (Bild Marion Wannemacher)

Die Filmcrew bei den Dreharbeiten auf der Melchsee-Frutt. (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Jara Malevez trifft mit dem Kameramann noch einige Absprachen. Der Toningenieur hält das Mikrofon über die Köpfe der Schulklasse aus Horw. Christine Jutz von der Stiftung Pro Bartgeier erklärt den Kindern am Infostand im Hengliwang, worum es bei dem Auswilderungsprojekt der Bartgeier geht. Hier entsteht ein Dokumentarfilm. Arbeitstitel «Flügelschlag». Jara Malevez, die bereits 2012 einen Film über schulische Integration in Obwalden realisiert hat, dreht ihn. Unterstützt wird sie von der Kulturförderung Obwalden und Luzern und den Pilatus-Flugzeugwerken.

Auswilderung in Etappen

Im Fokus hat die Filmemacherin, die in Ob- und Nidwalden aufgewachsen ist, die Geschichte der Auswilderung von der Vorbereitung bis zur zweimonatigen Beobachtungszeit. «Es geht um die Vögel, darum, was da passiert, und um die Menschen, die sich dafür einsetzen.» Wie Franziska Lörcher und Christine Jutz von der Stiftung Pro Bartgeier.

Jara Malevez, die in Belgien Filmregie studiert und bis vor kurzem bei Steiner Sarnen Schweiz gearbeitet hat, stellt auch kritische Fragen in ihrem Film. «Warum investieren wir heute so viele Ressourcen und Energie in die Wiederansiedlung eines wilden Tieres, welches wir vor 100 Jahren ausgerottet haben?» Auf die Idee zu ihrem neuesten Projekt hat sie Kantonsoberförster Peter Lienert gebracht.

Insgesamt 15 Drehtage hat die 37-Jährige für den Film eingeplant. Er beginnt mit der Ankunft von Bartgeier Sempach II aus Barcelona auf dem Flughafen Zürich, zeigt, wie im Tierpark Goldau einzelne Federn der Geier zur besseren Identifizierung gebleicht wurden, wie sie beringt und mit GPS-Sendern ausgerüstet wurden. Jara Malevez hat unter anderem Wildhüter Hans Spichtig interviewt und gefragt, warum das Gebiet Hengliwang nahe der Tannalp als Auswilderungsstandort ausgewählt wurde. Sie zeigt die Schönheit der Tiere aus der Nähe und stellt sie der Weite der Landschaft des Kantons Obwalden gegenüber. Ausserdem stellt sie die Faszination der Obwaldner und Zentralschweizer für die speziellen ­Tiere dar. «Das hat etwas mit der Sehnsucht des Menschen nach wilder, unberührter Natur zu tun», denkt sie.

Technische Herausforderung

Technisch stelle der freie Flug der majestätischen Vögel die Crew vor eine Herausforderung, erzählt die Filmemacherin. «Für technisch und ästhetisch gute Flugbilder werden wir voraussichtlich Spiegelreflexkameras mit Teleobjektiven einsetzen», sagt sie.

Die Reaktionen auf die jungen Bartgeier seien durchwegs positiv, so Jara Malevez: «Es ist ein sehr ästhetisches Tier und ein guter Symbolträger. Der Bartgeier ist nicht umstritten wie der Wolf oder der Luchs. Er hat kein Verhalten, das beim Menschen Unbehagen hervorrufen könnte. Als Überlebenskünstler kann er sich nur von Knochen ernähren.» Ausserdem sei da noch der Aspekt der Wiedergutmachung. Man habe dem Tier unrecht getan. «Er frisst Lämmer und holt kleine Kinder», habe man früher geglaubt. «So wurde der Bartgeier ausgerottet und sein Lebensraum zerstört.»

Mit dem Verlassen des Beobachtungspostens als Schlusspunkt wird der Film voraussichtlich enden. «Im Herbst wird der Film geschnitten», weiss Jara Ma­levez. Bis wann er ganz fertig ist, weiss sie noch nicht. Gezeigt werde er aber sicher öffentlich in Obwalden und in der Zentralschweiz, stellt sie in Aussicht.

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