MELCHSEE-FRUTT: Iglubau mit Schaufel und Säge

Einmal sein eigenes Iglu bauen – und darin übernachten. Dieses Wochenende haben sich Outdoor-Enthusiasten diesen Wunsch erfüllen können.

Martin Uebelhart
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Mit viel Spass beim Iglubau: Cedric Spirgi (links) und Jérémie Rothenfluh passen einen Schneeblock ein. (Bild Pius Amrein)

Mit viel Spass beim Iglubau: Cedric Spirgi (links) und Jérémie Rothenfluh passen einen Schneeblock ein. (Bild Pius Amrein)

Es ist ein Gewusel auf einer mehr oder weniger ebenen Fläche hinter dem Hotel Distelboden auf der Melchsee-Frutt. In vielfarbige winterfeste Kleidung verpackte Leute sind am Samstagnachmittag mit Sägen und Schaufeln dabei, ihr eigenes Iglu zu bauen. Schwer am Chrampfen sind auch Cedric Spirig und Jérémie Rothenfluh. Die beiden Aargauer sind Sandkastenfreunde und mehr zufällig auf das Iglu-Festival gestossen. «Wir wollten das mal ausprobieren», sagt Cedric und setzt den nächsten Schneequader. Es laufe nicht schlecht bei ihrem ersten Iglubau, finden die beiden.

Iglubauer Lukas Zogg füllt noch die grössten Zwischenräume seiner Schneekuppel aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Viele Baumeister, aber keinen Städteplaner, braucht es für das Igludorf. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kuppeln nehmen Formen an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Quader um Quader werden aus der Schneedecke gehauen und aufgetürmt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Cedric Spirgi (links) und Jérémie Rothenfluh passen mit der Säge einen Schneeblock ein. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Inmitten der Elemente: Sonne, Schnee, eine herannahende Nebelwand. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Iglubauer Laszlo Bansaghy: «Mich hat überrrascht, wie hell es im Innern ist.» (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Iglubauerin Maria Niedzialkowski:«Es ist einmal etwas anderes als Skifahren.» (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Iglubauer Lukas Zogg füllt noch die grössten Zwischenräume seiner Schneekuppel aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Es braucht 50 Blöcke

Schon mehr als zur Hälfte haben sie es hochgezogen. Den idealen Baustoff – verdichteten Schnee – haben sie unter der Neuschneedecke gefunden. Jetzt sägen sie Block um Block aus dem gefrorenen Weiss. Rund 50 davon braucht es für ein Iglu. Noch klaffen in der Wand einige Lücken. «Die werden wir noch mit Schnee stopfen», meint Cedric. Schliesslich soll der Wind nachts nicht durch die Ritzen pfeifen. Denn in dem Schneehaus werden sie auch übernachten, genau so wie die übrigen Zweier- oder Dreiergruppen. «Mit einer Isoliermatte und einem warmen Schlafsack wird das gehen», ist Jérémie überzeugt. Erst am Schluss werden die beiden einen Eingang graben. «Der muss tiefer liegen als der Boden, so fliesst die kalte Luft nach unten weg», erklärt Cedric den physikalischen Zusammenhang.

Das Sägen ist «ganz schön streng»

Andere Gruppen sind schon etwas weiter. Alex Becker aus Luzern und Lukas Zogg aus Neuenkirch sind eben dabei, ihr Werk zu verputzen und überstehende Kanten ein wenig abzuschleifen. Alex sägt einen letzten grossen Block heraus, um damit den Eingang zur Schneehöhle abzudecken. «Es ist einfach toll, selber so ein Iglu bauen zu können», findet er. «Es ist aber auch ganz schön streng, die Blöcke zu sägen», ergänzt Lukas. Ein paar Iglus weiter sind Maria Niedzialkowski und Eugene Filimon an den letzten Arbeiten. «Es ist einmal etwas anderes als Skifahren oder sonst eine Wintersportart», findet die gebürtige Russin, die in Zürich wohnt. Ebenfalls bereits bezugsbereit ist das Schneegewölbe von Laszlo Bansaghy aus Erlenbach im Simmental, der sein «Haus» zusammen mit seiner Partnerin hochgezogen hat. «Mich hat überrascht, wie hell es im Inneren ist», sagt er.

Bis zu sechs Stunden Arbeit

Das Iglu-Festival findet zum zweiten Mal auf der Melchsee-Frutt statt. Die rund 100 Teilnehmer bauen gut 30 Iglus. Organisiert hat den Event der Outdoor-Händler Transa, der auch für die Logistik vor Ort sorgt. «Wir haben ein Team hier, dass die Iglubauer unterstützt», sagt Marketingmitarbeiter Yannick Hartmann. «Und wir haben den Teilnehmern empfohlen, sich vorgängig schon mal in einem Youtube-Video ein wenig mit der Materie vertraut zu machen.»

Bis zu sechs Stunden dauert der Bau eines Iglus. Rund 30 davon stehen am Ende des Tages. Jetzt kann der gemütliche Teil beginnen, an einer Bar mitten in den Iglus, beleuchtet vom Schein von Fackeln. Im Bergrestaurant Erzegg können sich die Teilnehmer beim Nachtessen noch einmal etwas aufwärmen, bevor es zum Schlafen ins eigene Schneehaus geht.