MELCHSEE-FRUTT: Trotz Grün bleiben die Gäste – vorerst

Gastgeber und Gäste lassen sich vom fehlenden Schnee nicht unterkriegen. Auf der Frutt, die merklich vom Wintersport lebt, herrscht Hochbetrieb. Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Primus Camenzind
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Ob der dürftige Schnee für eine Bobfahrt ausreicht? Michi, Mutter Petra, Sina und Lia Reinhard (von links) beim Spazieren. (Bild: Corinne Glanzmann (Melchsee-Frutt, 28. Dezember 2016))

Ob der dürftige Schnee für eine Bobfahrt ausreicht? Michi, Mutter Petra, Sina und Lia Reinhard (von links) beim Spazieren. (Bild: Corinne Glanzmann (Melchsee-Frutt, 28. Dezember 2016))

Primus Camenzind

 

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Während wir vormittags gegen 10 Uhr mit der Seilbahn dem Tal und seinem hartnäckigen Nebel entfliehen, erklingt in unseren Ohren eine altbekannte Melodie von Vico Torriani: «Alles fährt Ski, alles fährt Ski, Ski fährt die ganze Nation.» Auf der 1900 Meter über Meer gelegenen Frutt angekommen, wird man jedoch eines Besseren belehrt. In der Bergstation macht sich eine Horde Skifahrer, darunter Skischulklassen, auf den umgekehrten Weg nach unten – zu den Pisten etwa bei der Stöckalp, wo die weisse Pracht aus den Kanonen geschossen und das Schneesportvergnügen garantiert wird.

Uns hingegen führt ein Pfad über spärliches Weiss zum Hotel Frutt Lodge & Spa. Chef Thorsten Fink, zugleich Generaldirektor der Frutt Resort AG, wird gleich erklären, wie die Hotelgäste der weihnächtlichen Hochsaison trotz Schneemanko die Tage über die Runden bringen.

Auch Mitarbeiter geizen nicht mit Tipps

«Wir sehen im Moment keine Probleme», sagt der gut gelaunte Hausherr. «Wir fühlen uns hier auch mit wenig Schnee sehr winterlich.» Tönt für eine Winterdestination überraschend, doch Fink ist überzeugt, dass er damit nicht nur seine eigene Gemütslage, sondern auch die überwiegende Stimmung unter den Gästen wiedergibt. «Wir haben ein reichhaltiges Angebot an Aktivitäten, mit denen wir dem Schneemangel zu Leibe rücken.» An der Aussage von Thorsten Fink ist kaum zu zweifeln, denn in der Lobby und auf der Sonnenterrasse unterhält er sich durchwegs mit gut gelaunten Gästen.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Front geizen nicht mit alternativen Tipps für die skilose Zeit. Wer es sich nicht auf der Terrasse oder in den Gesellschaftsräumen gemütlich macht, verlässt das Viersternehotel für einen Spaziergang in der Bergwelt oder geniesst die Wellness-Landschaft, die man üblicherweise erst nach der Rückkehr von den Skipisten aufsucht.

Sportler weichen von der Skipiste aufs Eis aus

Der Blick hinunter zeigt zuallererst, dass die Wintersportler von den noch braun gefleckten Berghängen der Erzegg und der Balmeregg auf die tragfähige Eisfläche des Melchsees umgezogen sind. Dort üben sie sich im Schlittschuhfahren. Auch der Hang im Vogelbüel ist bis vor kurzem brach gelegen. Nur das Kinderparadies Fruttli-Land ist seit einiger Zeit voll in Betrieb.

«Das Eisfeld ist eine gelungene Gemeinschaftsaktion, bei der niemand auf den persönlichen Profit schaut», sagt der Hoteldirektor. «Ich bewundere zudem die Sportbahnen, die mit grossem personellem und technischem Aufwand die geöffneten Pisten im Schuss halten.» Es sei aber nur schon der Wasserversorgung wegen unmöglich, sämtliche 36 Pistenkilometer künstlich zu beschneien, gibt Fink zu bedenken. Immerhin: die Abfahrten vom Bonistock ins Frutt-Dörfli oder über Bettenalp und Cheselen nach Stöckalp sind gut präpariert.

Skifahrer sind nicht das einzige Klientel

Ist es vielleicht einem «Wetterschmöcker» zu verdanken, dass die Betriebe rechtzeitig auf den Schneemangel reagieren konnten? «Natürlich nicht», kontert der Direktor und lächelt, «denn die Infrastruktur und die Konzepte unserer beiden grossen Hotels Frutt Lodge & Spa und Frutt Family Lodge sind darauf ausgerichtet, dass die Gäste nicht ausschliesslich zum Skifahren kommen», erläutert er. «Natürlich kann ich aber nicht für alle Betriebe auf der Frutt sprechen.» Thorsten Fink attestiert seinen Gästen überdies eine gewisse Kreativität und Unternehmungslust.

Gäste stellen sich auf die Situation ein

Dem gehen wir auf den Grund und treffen auf Martina Lüscher und Beat Schwertfeger aus dem aargauischen Muhen. Sie tanken Sonne auf der Terrasse und scheinen das Skifahren nicht überaus zu vermissen. «Richtig», bestätigt uns das Paar. «Natürlich fehlt es an Schnee, aber wir haben uns tipptopp darauf eingestellt. Wir sind viel in der Natur oder geniessen die Gastronomie des Hauses und den Wellnessbereich. So wäre es hier ruhig noch einige Tage länger auszuhalten.»

Unten am Melchsee begegnen wir Petra Reinhard und ihren Kindern Lia (6), Sina (4) und Michi (2). «Jetzt gehen wir halt aufs Eis und schauen, wie es mit den Schlittschuhen funktioniert», klärt uns die Familienfrau aus dem Melchtal auf.

Petra Reinhard strahlt dieselbe Zuversicht aus wie Thorsten Fink. «Der Schnee wird kommen, er kam noch immer», sind beide überzeugt. Fink macht aber kein Geheimnis aus der Tatsache, dass mit einem andauernden Schneemangel längst nicht mehr alles nur «eitel Sonnenschein» wäre: «Der Tagestourismus ausserhalb der Ferienzeit – beispielsweise vor Weihnachten – war spürbar rückläufig.» Das ändert aber nichts daran, dass der Optimismus nach wie vor zu den ständigen Begleitern des Thorsten Fink zählt.