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MELCHTAL: Muskelkranke Kinder im Sommerlager: Spiel, Spass und Manovriergeschick

Im Sommerlager für muskelkranke Kinder und Jugendliche herrscht eine super Stimmung. Deren Lebensfreude wirkt dermassen ansteckend, dass selbst Betreuer manchmal vergessen, dass die Teilnehmer im Rollstuhl sitzen.
Silvia Embacher
Ben absolviert die Stafette im Rollstuhl. Als «Stoppuhr» dient eine Wunderkerze. (Bild: Corinne Glanzmann (Melchtal, 18. Juli 2017))

Ben absolviert die Stafette im Rollstuhl. Als «Stoppuhr» dient eine Wunderkerze. (Bild: Corinne Glanzmann (Melchtal, 18. Juli 2017))

Silvia Embacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Wunderkerzen spritzen durch die Luft, als die Kinder im Rollstuhl mit ihnen einen Slalom absolvieren. Wer am weitesten fährt, bis sie erlöschen, gewinnt. Die funkelnden Kerzen passen gut zum diesjährigen Thema «Flucht ins All» im Lager für muskelkranke Kinder und Jugendliche im Melchtal. Es ist eines von vier Lagern, das die Schweizerische Muskelgesellschaft – eine gemeinnützige Organisation, die sich für Anliegen von Menschen mit einer Muskelkrankheit einsetzt – jährlich durchführt.

17 Teilnehmer zählt das zweiwöchige Camp, das zum zehnten Mal in der Umgebung der Obwaldner Bergwelt durchgeführt wird. «Wir haben hier super Verhältnisse», sagt Dimitri Ambühl, einer von vier Lagerleitern. Auf den vielen barrierefreien Wegen rund ums Sportcamp flitzen einem die Kinder mit halsbrecherischer Geschwindigkeit um die Ohren.

Im Workshop Umgang mit den Betroffenen gelernt

Inzwischen müssen die Kinder mit einer Augenbinde auf einer eingezeichneten Bahn fahren. Eine sichtlich knifflige Aufgabe. Mit einem lauten Knall, der an den Felsen des Tals widerhallt, detonieren Raketen und künden das nächste Spiel an. «Es ist hier genauso lustig wie sonst in den Ferien», findet die freiwillige Helferin Deborah Wyss. Am Anfang des Lagers standen auch für sie Workshops auf dem Programm, in denen der richtige Umgang mit den Betroffenen gelernt wurde.

Für die Teilnehmer sorgen 29 Betreuer. Es gibt eine Pflegefachfrau, die anderen sind oft Laien. Etwa die Hälfte studiert Medizin, aber es gibt auch andere Gründe, um hier zu sein. Martin Nigg, der zu den älteren Semestern unter den mehrheitlich jungen Freiwilligen gehört, meint: «Ich kann hier sehr gut abschalten, es reisst einen aus dem Alltag.» Er plane auch nach seiner Pensionierung, sich weiterhin ehrenamtlich zu engagieren.

Die 16-jährige Janina Meier ist eines von nur zwei Mädchen im Lager. Das macht ihr aber nichts aus. «Es hat hier super Leute», meint sie selbstbewusst, und es würde viel geboten. Für die Teilnehmer steht viel auf dem Programm: So haben sie die Wahl, ob sie in die Badi oder ins Kino gehen wollen, oder über den Skywalk auf dem Mostelberg. «Mit den anderen Blödsinn machen und Hockey spielen» ist das, was Ben Wadley am Lager so liebt. Leiter Dimitri Ambühl meint: «Ich staune, was für eine Lebensfreude diese Kinder trotz ihrem Schicksal haben. Manchmal vergesse ich beinahe, dass sie im Rollstuhl sitzen.»

Spendenaktion für Sanitäranlagen läuft

«Psst! Hier schläft die Nachtwache», steht auf einem Zettel an der Barackentür. Immer drei Betreuer schauen in der Nacht zum Rechten. Samira Bühler, die erst kürzlich Nachdienst hatte, meint dazu: «Es war immer etwas los, aber das ist in Ordnung. So läuft man auch nicht Gefahr einzuschlafen.» Ein kleiner Raum in der Baracke ist so vollgestopft mit Matratzen, dass die Tür fast nicht aufgeht. Grund: Die normalen Betten wurden vorübergehend durch Spitalbetten für die Teilnehmer ersetzt. In einem anderen Raum, wo Ladestationen für die elektrischen Rollstühle sind, zeugen Markierungen am Boden von der eigentlichen Einrichtung. Für eine Erweiterung der behindertengerechten Sanitäranlagen werden laut den Lagerverantwortlichen zurzeit Spenden gesammelt.

Zum Abschluss des Tages findet ein Hockey-Turnier auf den Elektrorollstühlen statt. Es scheint generell das beliebteste Hobby der Jugendlichen zu sein. Noê Spirig spielt sogar im Na­tionalkader des sogenannten Schweizer E-Hockey. Die letzten zwei Lager musste er wegen Turnieren absagen. Das machte er nur ungern, denn: «Die Stimmung hier ist einfach super.»

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