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MELCHTAL: Studenten aus 37 Ländern – und Superman

Ein europäischer Jahreskongress in der Abgeschiedenheit: Rund 160 angehende Geografen tauschten ihr Wissen aus.
Primus Camenzind
Superman überträgt seine Energie auf die Teilnehmer einer Workshop-Präsentation. (Bild Primus Camenzind)

Superman überträgt seine Energie auf die Teilnehmer einer Workshop-Präsentation. (Bild Primus Camenzind)

Wer diese Woche am Sportcamp vorbeikam, wähnte sich nicht im hintersten Winkel eines Obwaldner Bergtals. Die Gebäude und Baracken waren mit Main Hall, Bell House, Chalet, Robin Hood, Gastro House und ähnlichen englischen Begriffen bezeichnet. In der Dining Hall (Speisesaal) stand Sanja Hosi unserer Zeitung Red und Antwort. Sie ist Mitglied der European Geography Association (Egea), vertritt die Zürcher Sektion und wirkte von Montag bis Freitag als Medienbeauftragte. «Wir Schweizer – rund 30 Studenten der Züricher Uni – organisieren diesen Jahreskongress und sind deshalb nicht als Wissenschaftler, sondern als Küchenpersonal, Kellner, Putztruppe und dergleichen im Einsatz.» Ihre Dienstleistungen erbringen sie für rund 160 Studenten aus 37 europäischen Ländern zwischen Aserbaidschan und Irland. «Wir halten einen 24-Stunden-Betrieb aufrecht», sagt Sanja Hosi. Unserem Verdacht auf endlose Nachtpartys widerspricht Hosi allerdings. «Natürlich kommt der Schlaf hin und wieder zu kurz», räumt sie immerhin ein.

Mit Superman auf Touren

Am Donnerstagmorgen wird auf jeden Fall intensiv gearbeitet. In der Main Hall (Saal) ist die Präsentation der Workshops angesagt. Kurz vor Beginn dieser Vollversammlung ist der Egea-Vorstand noch intensiv mit dem heutigen Drehbuch beschäftigt, während sich zahlreiche Teilnehmer des Kongresses mit einem hastigen Frühstück fit machen. Und ausserdem macht «Superman» in Originalmontur die Runde, um seine energetischen Kräfte auf alle Anwesenden zu übertragen. «Ich komme vom fernen Planeten Krypton angereist», will uns der Held weismachen, bevor er sich als Lorant Toth aus Budapest vorstellt.

Sanja Hosi klärt uns über die Themen der Woche auf: «Geografische Aspekte beeinflussen unter anderem die Migration, Demokratie, Massenbewegungen oder den Klimawandel. Die Teilnehmer befassen sich auch mit gesellschaftlichen Themen und bearbeiten all dies in Workshops, bei wissenschaftlichen Vorträgen und auf Exkursionen.»

Kongress mit Polonaise

Die Main Hall füllt sich kurz nach 10 Uhr. Leinwände, Notebooks, Mikrofone und Flip Charts stehen bereit. Die Zürcherin Corina Leuch hat den Vorsitz der Präsentation und sorgt für deren geordneten Ablauf. Eine erste Gruppe betritt die Szene und stellt ihr «Travel Map Project» vor – die Welt und ihre Attraktionen auf dem Bildschirm. Andere wiederum stellen das Resultat ihrer Umfrage über die zukünftige Ausrichtung der Egea vor. Wieder andere befassen sich mit den Folgen der Konsum- und Wegwerfgesellschaft auf die Umwelt. Es wird ausschliesslich Englisch gesprochen und deshalb bleibt uns auch verborgen, weshalb auf einmal eine Polonaise gestartet wird ...

Zurück auf den Sitzen zeigt eine Gruppe mittels Power-Point-Präsentation die Umwelt- und Gefahrenkarten ihrer Bergwanderung in der Umgebung des Sportcamps. Und das alles ging nicht ohne den erneuten Einsatz von «Superman» mit seinen ausserirdischen Kräften über die Bühne.

Keine einfache Zukunft

Bei aller Lockerheit und guter Stimmung unter den Studenten aus 37 Ländern und 90 Universitäten – Sanja Hosi machte kein Geheimnis aus der Tatsache, dass den jungen Geografen eine herausfordernde Zukunft bevorsteht. «Einfach ist es in der Regel nicht, einen Job zu finden. Wir müssen uns deshalb auf verschiedenste Fachgebiete spezialisieren. Stellen bieten sich unter anderem auf allen Verwaltungsebenen der Staaten und bei Grossunternehmen an.»

Hosi sprach auch über die Merkzahlen des diesjährigen Kongresses: 90 000 Franken beträgt das Gesamtbudget. Etwas mehr als 20 Prozent steuern die Teilnehmenden mit ihren Gebühren bei; der überwiegende Rest wird von Stiftungen, von der Industrie und Bildungseinrichtungen finanziert. «Und für das Rahmenprogramm dieser Woche haben wir selber mittels Crowdfunding – eine Art Sammlung per Internet – fast 5000 Franken zusammengebracht. Dadurch konnte beispielsweise auch der Jodelklub Melchtal für ein Ständchen engagiert werden.»

Schlussendlich verriet Sanja Hosi auch, weshalb die Organisationen für einmal die Abgeschiedenheit eines Bergtals wählten: «Eine faszinierende Gegend, grosses Entgegenkommen der Vermieter und nicht zuletzt mehr Effizienz als in einer Stadt», lauteten die Argumente. Und auch dazu hatte «Superman» seine Meinung: «Ein schöner und komfortabler Ort in Westeuropa, aber für einmal mit günstigen Bedingungen für uns Studenten!»

Primus Camenzind

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