MELCHTAL: Wiehnachts-Huisli mit Kleinoden aus längst vergangener Zeit

Im Huisli von Thomas Wallimann gibt es Kleinode zu kaufen und Krippen zu bewundern. Der Lebenskünstler ist ein Hüter von Brauchtum und Volksglaube.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Im Wiehnachts-Huisli von Thomas Wallimann gibt es ihn noch, den nostalgischen Adventskalender.

Im Wiehnachts-Huisli von Thomas Wallimann gibt es ihn noch, den nostalgischen Adventskalender.

Ein hell erleuchtetes Fenster strahlt durch die feuchtkalte Nebelnacht. Es weist den Weg zum kleinen Heimet jenseits der Melchaa, auf der Sachsler Seite. Thomas Wallimann sitzt mit Gästen rund um den Stubentisch vor einem Cheli. In der Ecke bollert ein Kachelöfchen gemütlich vor sich hin. Hier ist noch alles so wie vor etlichen Jahrzehnten. Und auch der sympathische Wallimann mit Zipfelkappe, kariertem Hemd und grau meliertem Rauschebart wirkt so, als lebe er schon ewig in seinem behaglichen Huisli.

«Es ist mein Refugium, mein Rückzugsort», sagt er und erzählt, wie er dazu kam: «Ich hatte einen schlechten Arbeitstag gehabt und fuhr von Zürich aus mit Zug und Postauto ins Melchtal. Von meinem Balkon im ‹Alpenhof› aus sah ich das Huisli verlassen stehen.» Bei einer Klosterschwester, die er wegen ihrer Handstickereien kontaktierte, erkundigte sich Thomas Wallimann nach dem Besitzer. Der gebürtige Alpnacher konnte es mieten und sich seinen Traum erfüllen. «Das Huisli wurde 1909 erbaut und diente bis Ende der 70er-Jahre der Bauernfamilie zum ‹Uishirtä› und ‹Chäsä›.»

Sein privates Glück in der Talschaft Melchtal fand er vor sieben Jahren. Damals war er noch Geschäftsführer einer Möbelfirma in Zürich. Der 54-Jährige ist in der Welt herumgekommen. Er lebte 25 Jahre in Lausanne und arbeitete unter anderem als Einkäufer von Rohtabak in Afrika, Asien und Südamerika. In Alpnach wuchs er mit drei Brüdern auf, einer von ihnen war der vor zweieinhalb Jahren verstorbene Martin Wallimann, Verleger, Kunstdrucker und Politiker. Weihnachten habe daheim einen wichtigen Stellenwert gehabt und habe ihn geprägt, erzählt er. «Wir sind mit den Eltern früher die Krippen anschauen gegangen. In der Schwendi war es der Stall mit einer Krippe im Nazarener Stil.»

Einlegen in Schwarztee lässt Stoffe künstlich altern

Wallimann, der mittlerweile in Zürich arbeitet, hat ein Faible für Kleinode aus früheren Zeiten, für Handgemachtes, für «Brauchtum, Religion und Volksglaube», wie er selbst sagt. Im Keller seines Heimets hat er drei Krippen mit Liebe zum Detail aufgebaut: eine im Nazarener Stil, eine Beduinen-Krippe und eine Berg-Krippe. Für die Beduinenkrippe hat Wallimann mit viel handwerklichem Geschick ein orientalisches Gebäude gefertigt, das er eigenhändig mit Lehm verputzt hat. Er hat so seine Tipps und Tricks: «Damit Stoffe alt wirken, muss man sie in Schwarztee einlegen.»

Das Ambiente im Wiehnachts-Huisli schätzen auch die Melchtaler: Immer wieder bekommt Thomas Wallimann Besuch von älteren Einheimischen, die ihm von früher erzählen.

Durch einen glücklichen Zufall sei er an die Lieferadresse der Krippenfiguren im Nazarener Stil gekommen, erzählt er. Nachdem er diese wieder und wieder in einem Devotionalienhandel in Einsiedeln gekauft hatte, habe einmal der Lieferschein des Herstellers in der Schachtel gelegen. Wallimann besuchte die Adresse und gelangte an einen kleinen Familienbetrieb im Loiretal, der die Figuren seit 1876 in Handarbeit produziert. Von dort bezog er die Heiligen- und Krippenfiguren, die er zum Verkauf anbietet.

Selbstbedienung für ehrliche Kunden

Viele Schätze und Kleinode hat Thomas Wallimann zusammengetragen: Engel aus Wachs aus Österreich, Adventskalender in Papierform, wie man sie früher hatte, mit Glitzersilber und ohne Schoggi, Adventskerzen, auf denen jeder Tag von 1 bis 24 gedruckt ist und Bastelbögen mit Transparentpapier für Adventsfensterschmuck. Auch handgemachte Seifen aus Schafmilch, handgewebtes Leinen aus Langenthal gibt es im Huisli zu kaufen. Thomas Wallimann verkaufte einige Zeit auf grossen Bauernmärkten im Kanton Schwyz, in Kaltbrunn und auf dem Stanser Märcht. Er setzt nun während seiner Abwesenheiten auf die Ehrlichkeit seiner Kunden: «Einfach addieren und den Einzahlungsschein ausfüllen», sagt er. Noch bis 2. Februar, Mariä Lichtmess, bietet er seine Ware an – zum halben Preis. Nach drei Jahren Wiehnachts-Huisli braucht er Platz: «Ich würde gern einmal eine grosse Krippe mit Schneelandschaft im ganzen Keller aufbauen.»

Hinweis:Den Wegweisern unterhalb der Wallfahrtskirche Melchtal über die Melchaa folgen. www.huisli.com

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch