Porträt

Menzinger Schwestern verlassen nach 151 Jahren Flüeli-Ranft

Sie waren die letzten Schwestern aus dem Menzinger Orden im Bruder-Klausen-Dorf: Schwester Lea Summermatter und Schwester Ruth Walker.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen

Verwaist wirken die Fenster ihrer Wohnung im ersten Stock der ehemaligen Post in Flüeli-Ranft ohne Gardinen. Der Zügelwagen ist weg, die beiden Menzinger Schwestern, Schwester Lea Summermatter und Schwester Ruth Walker, folgten im Auto.

Auf die Frage, ob sie das Flüeli vermissen werden, antwortet Schwester Ruth mit einem «Ja» mit Ausrufezeichen. Der Abschied sei ihnen schwer gefallen, berichtet sie und dass sie mit Heimweh rechne. «Es ist ein sehr guter Ort mit ganz guten Aufgaben und einem Haufen lieber Begegnungen», bringt sie es auf den Punkt. Ab und zu werde man aber sicher auf Besuch kommen, lässt die Schwester durchblicken. Denn Bruder Klaus ist der Patron der Schweizer Provinz des Ordens der Menzinger Schwestern.

Ordensschwestern hatten «tragende Rolle fürs Dorf»

«Es geht eine über 150-jährige Ära zu Ende», sagt Doris Hellmüller, Geschäftsführerin des Fördervereins Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss. «Die Menzinger Schwestern haben fürs Dorf Flüeli eine tragende Rolle gespielt, unter anderem als Lehrschwestern für die Schule. Dass diese Zeit jetzt zu Ende ist, hinterlässt eine gewisse Wehmut», findet sie.

Schwester Ruth Walker (rechts) und Schwester Lea Summermatter vor dem Wohnhaus Bruder Klaus.

Schwester Ruth Walker (rechts) und Schwester Lea Summermatter vor dem Wohnhaus Bruder Klaus.

Bild: Marion Wannemacher
(Flüeli-Ranft, 25. Oktober 2019)

Gerhard Gasser, heute Vorsitzender der Betriebskommission der Kapellenstiftung, erzählt: «Aus der Schulzeit hatte ich, wie viele andere, eine sachliche Beziehung mit den Schwestern. Wie etwa drei Generationen Schüler ging ich auch noch bei Schwester Leonarda Helfenstein in den Unterricht.»

Von 1869 bis 1980 waren die Schwestern im Schuldienst in Flüeli-Ranft. Schwester Leonarda Helfenstein unterrichtete allein 57 Jahre lang. Viel hat sich seitdem geändert. Wer weiss zum Beispiel heute noch, dass das Geburtshaus von Bruder Klaus mal ein echtes Wohnhaus war? Auf Nachfrage erzählt Gasser, dass dort seine Mutter Marie Gasser-Rohrer aufgewachsen war und auch bis 1951 dort gewohnt hatte. Wohn- und Geburtshaus waren damals auch Schulhäuser.

Zuletzt betreuten die Menzinger Schwestern noch Wohn- und Geburtshaus von Bruder Klaus

In den vergangenen Jahren waren die Menzinger Schwestern in der Betreuung der beiden Häuser tätig sowie eine Zeitlang noch im Ranft. Wie geht es nun mit dem Wohn- und dem Geburtshaus weiter? «Seit dem 1. April 2020 ist der Förderverein zuständig für die Betreuungsdienste. Wir hatten dieses Jahr einen grossen Wechsel: Sieben neue, motivierte Betreuerinnen sind zum überwiegend weiblichen Team gestossen und begrüssen Besucher. Sie schauen zum Rechten und beiden Häusern», berichtet Doris Hellmüller.

Die neuen Mitarbeiterinnen hätten ganz unterschiedliche Hintergründe, so die Geschäftsführerin. Darunter sei eine junge Mutter oder Frühpensionierte, alle seien aber vor allem aus der nahen Umgebung, kontaktfreudig, sprechen teilweise mehrere Sprachen und haben Interesse an Bruder Klaus. Vorbereitet haben sie sich im Selbststudium. In ihre Aufgaben werden sie durch den Förderverein eingeführt. Zudem sind Weiterbildungsanlässe geplant. Für beide Häuser gelten in Bezug auf Corona die gleichen Schutzmassnahmen wie für Museen bezüglich beschränkter Besucherzahl und Hygienemassnahmen.

Mehr zum Thema