Messe am TV: Pfarreien gehen neue Wege

Um für ihre Mitmenschen trotz Versammlungsverbot da zu sein, zeigen sich zwei Pfarreien kreativ – und gehen dabei unterschiedliche Wege.

Irene Infanger
Hören
Drucken
Teilen
Abt Christian Meyer feiert am TV die Messe zu Ehren des Heiligen Benedikt in der Klosterkirche Engelberg.

Abt Christian Meyer feiert am TV die Messe zu Ehren des Heiligen Benedikt in der Klosterkirche Engelberg.

Bild: Irene Infanger (Engelberg, 21. März 2020)

So nah und gleichzeitig fern waren die Engelberger ihrem Abt während einer Messe wohl noch nie. Statt auf den Holzbänken in der Klosterkirche Engelberg zu sitzen, sahen sich die Gläubigen den Gottesdienst zu Ehren des Heiligen Benedikt von Zuhause aus an: entweder auf dem Fernsehgerät über den Kabelanschluss der Tele Alpin AG oder online über den Livestream der klostereigenen Website. Auch auf dem Online-Portal unserer Zeitung wurde der Gottesdienst übertragen. Und trotz physischer Ferne: Die Kamera ermöglichte es den Zuschauern, Abt Christian Meyer für einmal ganz nah zu sein am Altar.

«Wir hoffen, mit dieser Lösung dem Festtag gerecht zu werden», erläuterte Abt Christian zu Beginn des Gottesdienstes, bevor er – ganz allein am Altar stehend und lediglich von einem Organisten im Hintergrund unterstützt – zur Messfeier überging. Ein Gottesdienst, der sich von einem gewöhnlichen kaum unterschied. Abt Christian meisterte die Aufgabe, ohne Gegenüber eine vollständige Messe zu gestalten, gekonnt. Er sprach und sang klar und ermöglichte es den Menschen daheim, dank genügend Sprechpausen, an der Messfeier aktiv teilzunehmen. Gleichzeitig spendete der Abt seinen Mitmenschen Trost. Er sei sich bewusst, dass die Situation einige Menschen fordere und bisweilen überfordere. Auch innerhalb der Klostergemeinschaft sei dies spürbar. Er betonte aber: «Gemeinsam können wir die Situation meistern. Geben wir der Zukunft eine Perspektive.» Und er versprach: «Es wird wieder besser, wieder anders sein.»

Auch Pfarrei Emmetten zeigt sich kreativ

Halt geben in dieser ungewohnten und beängstigenden Zeit, da sein für Mitmenschen: Das wollen die Pfarreien auch während der Corona-Pandemie. Sie gehen dabei aber unterschiedliche Wege. So werden in Emmetten in diesen Tagen keine Gottesdienste gefeiert, auch nicht über Liveschaltungen. Der Pfarreileitung ist es jedoch wichtig, dass die Kirche weiterhin ein Ort des Rückzugs, Gebets und des Innehaltens ist. Die Kirche ist deswegen nicht nur ganztags geöffnet, sondern bietet seit Samstag jeweils von 18 bis 20 Uhr die Möglichkeit, einer Andacht zu lauschen. Während der sich stetig wiederholenden Präsentation sollen die Menschen für einen Moment der Dunkelheit und den Ängsten entfliehen und ihren Gebeten und Gedanken nachgehen können. Hinterlegt mit schönen Bildern und beruhigender Musik erleben die Besucher einen Moment der Ruhe. Natürlich stets unter Beachtung der Vorgaben des Bundes: So sind zahlreiche Bänke abgesperrt, damit die Menschen weit genug auseinander sitzen. Die Türfalle wird regelmässig desinfiziert und die Besucher werden mit Tafeln darauf hingewiesen, sich und schwächere Mitmenschen zu schützen. Pfarreileiter Markus Limacher ist gespannt, wie das Angebot ankommen wird. Einen Grossandrang erwartet er deswegen nicht.

Die Liveübertragung des Gottesdienstes in Engelberg zumindest stiess auf Zustimmung. Deswegen kamen die Gläubigen auch gestern Sonntag in den Genuss eines Gottesdienstes – wiederum vor dem TV.

Einkehr in der Emmetter Kirche mit Powerpoint-Präsentationen, hinterlegt mit Musik und Bildern.

Einkehr in der Emmetter Kirche mit Powerpoint-Präsentationen, hinterlegt mit Musik und Bildern.

Bild: Irene Infanger (Emmetten, 21. März 2020)

Kloster Engelberg bringt Gottesdienst in die heimische Stube

Wegen der Vorschriften betreffend Corona-Virus ist auch der Besuch von Gottesdiensten nicht mehr möglich. Das Kloster Engelberg greift deshalb zu Live-Übertragungen übers Kabelfernsehen. Der Gottesdienst soll aber nicht zu einer Show werden.
Philipp Unterschütz