Millionen-Projekt auf dem Titlis: Umweltverbände fordern umweltfreundlicheren Ausbau

Die Umweltverbände Pro Natura, WWF und VCS reichen Einsprache ein gegen das Ausbauprojekt «Titlis 3020». Sie plädieren für einen umweltfreundlicheren Ausbau.

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Neue Seilbahn, neue Bergstation, neuer Aussichtsturm: Umwelt- und Landschaftsschutzverbände sind gegenüber dem Ausbauprojekt auf dem Titlis skeptisch.

Neue Seilbahn, neue Bergstation, neuer Aussichtsturm: Umwelt- und Landschaftsschutzverbände sind gegenüber dem Ausbauprojekt auf dem Titlis skeptisch.

(sre) Die Bergbahnen Titlis AG planen eine zweite Seilbahn-Linie vom Stand auf den Klein-Titlis, mit neuen Stationen, einem grossen Umbau der Bergstation sowie einer Umnutzung des Richtstrahlturms. Gegen diese Ausbaupläne haben die Umwelt- und Verkehrsverbände Pro Natura Unterwalden, WWF Unterwalden und VCS Ob- und Nidwalden nun gemeinsam Einsprache eingereicht, wie es in einer entsprechenden Mitteilung heisst. Sie seien «nicht grundsätzlich dagegen», sähen aber noch grosses Optimierungspotential im Projekt. Sie setzen sich deshalb für einen Ausbau ein, bei dem die Umwelt weniger Schaden nehmen würde.

Unkoordinierte Verfahren

Das Projekt «Titlis 3020» beinhaltet verschiedene Planungsebenen und mehrere involvierte Stellen (Bundesamt für Verkehr, Kanton Obwalden, Gemeinden Engelberg und Wolfenschiessen). Die einsprechenden Verbände seien aufgrund der aufgelegten Gesuchsunterlagen zum Schluss gelangt, dass eine Koordination all dieser Verfahren zwingend ist, da diese gegenseitig voneinander abhängig sind. Beispielsweise sei das Baugesuch zum Umbau des Richtstrahlturm separat und losgelöst von den anderen Planungen schon vorgängig durchgeführt worden. «Zentral ist, dass die Anpassung des kantonalen Richtplans Obwalden, die beiden Zonenplanungen von Engelberg und Wolfenschiessen und das Plangenehmigungsverfahren gemäss Seilbahngesetz nun umfassend aufeinander abgestimmt werden», schreiben die Pro Natura, WWF und VCS in einer Mitteilung. Dies, um die komplexen raumplanerischen, umweltrechtlichen, verkehrstechnischen und alle weiteren Aspekte zu erfassen und abzuwägen.

Ungenügende Abklärungen

Die einsprechenden Verbände seien nicht grundsätzlich gegen die intensive touristische Nutzung des Titlis, würden aber bei den nun geplanten Projekten viele ungeklärte Aspekte und setzen einige Fragezeichen sehen. So sollen beispielsweise auf dem Titlis mehrere grössere Verkaufsläden und Gastro-Angebote entstehen. Hierbei stellt sich die Frage, ob solche Konsumangebote auf einem hochalpinen Berggipfel am richtigen Ost stehen, und ob sich die geplanten Bauten nicht kleiner und angepasster realisieren liessen.

Ein anderer unklarer Punkt sei die Nutzung der zweiten neuen parallelen Pendel-Seilbahn. «Diese wirkt nicht nur landschaftlich störend, sie ist zudem bedarfsmässig nicht begründet», so die einsprechenden Verbände. Im Gesuch würden ausserdem widersprüchliche Angaben zur künftigen Nutzung der neuen Bahn gemacht. Die Einsprechenden fordern, dass diese lediglich als Bau- und Transportbahn befristet erstellt werde, oder dass zumindest in einem verbindlichen Betriebsreglement festgehalten werden, wann und für welche Zwecke diese Seilbahn künftig betrieben werden soll.

Ungelöste Verkehrsfragen

Die Attraktivitätssteigerung des Titlis wird laut den Einsprechenden zu einer Zunahme der touristischen Verkehrsströme führen. «Bereits heute das Strassensystem im Engelbergertal jedoch am Anschlag.» Der Planung der Titlisbahnen liege jedoch kein Gesamtverkehrskonzept zu Grunde, und der erarbeitete Verkehrsbericht würde auf veralteten und lückenhaften Daten basieren. Die Verbände fordern daher eine fundierte Datengrundlage, ein Konzept und «griffige Massnahmen, um die Verkehrsprobleme vor allem beim motorisierten Individualverkehr (MIV) in den Griff zu kriegen.»

«Die geplanten Bauten und Anlagen befinden sich im sensiblen hochalpinen Berggebiet», schreiben die Einsprechenden zudem. Betroffen sei auch ein kantonales Pflanzenschutzgebiet. Einerseits werde die Bauphase zu Störungen in der Natur führen, zudem planen die Titlisbahnen grössere Bauten und Anlagen als heute, Mehrnutzungen gegenüber den heutigen Besucherzahlen, und künftig nächtliche Events auf dem Gipfel. Daher fordern die Einsprechenden verbindliche und rechtskräftig festgelegte ökologische Kompensationen. «Die von den Titlisbahnen im Umweltbericht aufgelisteten Ausgleichsmassnahmen sind ungenügend und bisher lediglich eine Ideensammlung.»

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