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Mit 50 lernte die Präsidentin des EHC Engelberg-Titlis Eishockey spielen

Beim EHC Engelberg-Titlis starten nach und nach alle Mannschaften mit dem Eistraining in die neue Saison. Erstmals in der Klubgeschichte amtet mit Fran Hancock eine Frau als Präsidentin.
Andrea Hurschler
Die 55-jährige Fran Hancock ist eine der wenigen Frauen, die einen Schweizer Eishockeyclub führen. (Bild: PD)

Die 55-jährige Fran Hancock ist eine der wenigen Frauen, die einen Schweizer Eishockeyclub führen. (Bild: PD)

«Als ich für das Präsidentenamt angefragt wurde, musste ich nur kurz überlegen», erzählt Fran Hancock. Sie war als Leiterin der Hockeyschule bereits im erweiterten Vorstand des Vereins – und auch sonst im Klub sehr engagiert. Eishockey und Engelberg liegen ihr am Herzen. Wie sie zu ihrem Hobby und ihrem neuen Wohnort kam, sind nicht alltägliche Geschichten. Das passt zu ihr, denn Hancock ist alles andere als eine gewöhnliche Frau.

Hancock, selbst schweizerisch-irische Doppelbürgerin, heiratete einen kanadischen Mann. Zusammen begleiteten sie dessen Sohn an jedes Eishockeyspiel. «Mir gefiel die Sportart, doch ich dachte, ich sei zu alt, um sie lernen.» Trotz dieser Bedenken suchte sie mit 50 Jahren eine Mannschaft und fand mit den Frauen des HC Luzerns eine Mannschaft, in der gar noch eine ältere Spielerin mitspielte. Hancock trainierte mehrmals pro Woche, investierte überdurchschnittlich viel Zeit ins Schlittschuhlaufen, besuchte Trainingscamps in ganz Europa. Inzwischen spielt die 55-Jährige bei den Frauen und dem Plauschteam «Beerginners» des EHC Engelberg-Titlis. «Ich wurde sehr offen und freundlich aufgenommen», erzählt die neue Präsidentin. So freundlich, dass sie gerne in Engelberg leben wollte. Statt wie zuerst geplant, ihr erträumtes Haus in den Bergen in Grindelwald zu erstellen, bauen sie und ihr Mann nun im Klosterdorf. «Engelberg lebt und ist kein Schattendorf wie Grindelwald.» Im November werden sie von Hergiswil nach Engelberg ziehen, wo die beiden schon viele Leute kennen.

Berufliche Erfahrung kommt ihr zugute

Für den Verein ist eine derart engagierte Frau ein Glückstreffer. Zudem bringt sie aus ihrer beruflichen Laufbahn viel Erfahrung mit. Sie war Vizepräsidentin bei IBM und Philip Morris, Unternehmensberaterin bei Pricewaterhouse Coopers und viele Jahre als Selbstständige tätig. Vor mehreren Jahren hat sie dem Berufsleben den Rücken gekehrt und ist nun «im selbst gewählten Ruhezustand». Obwohl es Ruhestand bei Hancock nicht wirklich trifft. Neben dem Hausbau absolviert sie ein Fernstudium, sie trainiert mindestens dreimal pro Woche fürs Eishockey und fährt während der Sommermonate Rennauto. Und seit Neustem engagiert sie sich eben als Präsidentin ehrenamtlich für die Geschicke des EHC Engelberg-Titlis.

Etwas, das ihr sehr am Herzen liegt, ist der Nachwuchs. Sie will aber keine Spitzensportler heranzüchten. «Ich möchte mehr Kinder zum Spielen bringen», sagt sie. «Eishockey ist Breitensport.» Je mehr kleine Kinder in den Verein integriert werden können, desto eher wird es in Zukunft wieder möglich, auf allen Nachwuchsstufen eine Mannschaft stellen zu können. «Das wäre nämlich ein langfristiges Ziel von mir», sagt Hancock. Da die erste Mannschaft als Zugpferd für den Klub wichtig ist, möchte sie auch diese stärken und vor allem mehr Fans für die Meisterschaftsspiele der 3. Liga begeistern.

Der Vorstand hat viel Sachverstand

Mit Vicky Mantegazza, der Präsidentin des HC Lugano, ist Hancock eine der wenigen Frauen an der Spitze von Schweizer Eishockeyklubs. «Ich war bei der Arbeit oft die einzige Frau, in der Schule das einzige Mädchen in Mathematik. Ich bin mich das also gewohnt», sagt sie und lacht.

So verschwendet sie an diese Tatsache keine Gedanken. Muss sie auch nicht: Denn sie selbst versteht viel von Eishockey und im Vorstand hat sie Kolleginnen und Kollegen mit noch längerer Eishockeyerfahrung. Zudem sind die Frauen im Verein grundsätzlich sehr akzeptiert. Ihr Team «Bösi Büsi» geniesst im Vergleich zu anderen Damenmannschaften einen sehr hohen Stellenwert im Verein. Beste Voraussetzungen also, dass die Powerfrau ihre für den Verein gesteckten Ziele erreichen und so ihrer geliebten Sportart und dem neuen Wohnort etwas zurückgeben kann.

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