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Mit Drainagen kämpfte Obwalden auch gegen Malaria, nun müssen die Leitungen saniert werden

Rund 700 Hektaren Kulturland sind dank Entwässerungen entstanden. Weil sie ans Ende ihrer Lebensdauer gelangen, drohen in den nächsten zehn Jahren bis zu 7 Millionen Franken Reparaturkosten.
Philipp Unterschütz
Das Bild aus dem Bundesarchiv zeigt den Bau eines Drainagesystems in den 1950er-Jahren. (Bild: PD)

Das Bild aus dem Bundesarchiv zeigt den Bau eines Drainagesystems in den 1950er-Jahren. (Bild: PD)

Ein ansehnlicher Teil des Obwaldner Kulturlandes ist nur dank Drainagen entstanden. Entwässerungen wurden gebaut, um aus vernässten Flächen wertvolles Land für die Nahrungsmittelproduktion urbar zu machen. Es sind heute die besten Futterbauflächen und mehrheitlich sogar Fruchtfolgeflächen. In Obwalden ist eine Kulturlandfläche von rund 700 Hektaren drainiert. Nun kommt auf die Grundeigentümer – oft sind es Flurgenossenschaften oder Korporationen – ein grösserer Sanierungsbedarf zu. «Trotz regelmässiger Instandhaltung zeichnen sich aufgrund des hohen Alters der Anlagen umfassende und kostspielige Sanierungen der Drainagen ab», heisst es im Rechenschaftsbericht der Regierung. Diese könnten kaum ohne öffentliche Finanzhilfe getragen werden.

Umfrage zeigt Sanierungsbedarf

Bruno Abächerli, Leiter Amt für Landwirtschaft und Umwelt Obwalden.

Bruno Abächerli, Leiter Amt für Landwirtschaft und Umwelt Obwalden.

Hauptsächlich befinden sich die entwässerten Gebiete im Talboden, einige wenige aber auch an Hanglagen, erklärt Bruno Abächerli, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt. «Namen, die mit ‹Ried› enden, weisen darauf hin, dass dort früher sumpfiges oder vernässtes Land war.» Die Gebiete mit Sanierungsbedarf, seien in den 1930er- und 1940er-Jahren entwässert worden. «Die Ton- und Zementröhren, die rund 60 bis 150 Zentimeter tief im Boden liegen, haben eine Lebensdauer von etwa 80 Jahren. Das Leitungssystem als Ganzes gelangt ans Ende seiner Lebensdauer», sagt Bruno Abächerli, der als Präsident der Flurgenossenschaft Hirsernried in Giswil das Problem aus eigener Erfahrung kennt.

Das Amt für Landwirtschaft und Umwelt hat im vergangenen Jahr eine kantonsweite Umfrage gemacht, um mehr über das Alter und den Zustand der Drainagen zu erfahren. Von den rund 100 an Besitzer, Flurgenossenschaften oder Korporationen verschickten Fragebogen wurden laut Abächerli etwa 70 retourniert. «Sie decken rund 85 Prozent des drainierten Kulturlandes ab.»

Das Ergebnis zeigt, dass tatsächlich viele Systeme bald am Ende ihrer Lebensdauer seien. «Wir schätzen für die nächsten fünf bis zehn Jahre einen Sanierungsbedarf von rund 6 bis 7 Millionen Franken», so Bruno Abächerli weiter. Es sei aber nicht so, dass die Arbeiten von heute auf morgen gemacht werden müssten. «Teilweise sind die Entwässerungen trotz des Alters noch in gutem Zustand.» Bisher sei punktuell geflickt worden, wenn man in einem Bereich Vernässungen festgestellt habe.

Fast zwei Millionen kantonale Investitionshilfen

Falls Eigentümer ihre Drainagen sanieren wollen, können sie Beiträge der öffentlichen Hand beantragen. Im Rechenschaftsbericht der Regierung heisst es: «Falls alle Werkeigentümer Investitionshilfen beantragen würden, hätte dies einen Bedarf an Kantonsbeiträgen von 1,7 bis 1,9 Millionen Franken, verteilt auf fünf bis zehn Jahre, zur Folge.» Dazu kämen noch Beiträge vom Bund in etwa gleicher Höhe.

Man habe nur Investitionshilfen im Rahmen des Budgets zur Verfügung, betont Bruno Abächerli. «Diese Mittel stehen aber auch für die Sanierung von Ökonomiegebäuden, Alpstrassen und anderem zur Verfügung. Wir müssten deshalb allenfalls Prioritäten setzen und die Drainagesanierungen über die Jahre verteilen.»

Einzelne Werkeigentümer hätten bereits Sanierungsprojekte für eine Unterstützung mit Investitionshilfen angemeldet, heisst es weiter im Rechenschaftsbericht. Laut Bruno Abächerli ist darunter auch die Sanierung des Aarieds in Giswil (siehe Box), wo man in der Vergangenheit wieder vermehrt Vernässungen feststellen musste.

Blick auf das Giswiler Aaried. (Bild: Romano Cuonz, Giswil, 11. März 2016)

Blick auf das Giswiler Aaried. (Bild: Romano Cuonz, Giswil, 11. März 2016)

Aus dem Aaried in Giswil kam die Malaria ins Dorf

Wo heute das Aaried in Giswil liegt, erstreckte sich früher der Rudenzersee. Vor 250 Jahren, im Jahre 1767, wurde dessen Wasser abgelassen. Das war der entscheidende Schritt zur Trockenlegung des Aarieds. Wie Ludwig Degelo in seiner Schrift «Die Trockenlegung des Aarieds in Giswil» schreibt, geht zwar die Überlieferung davon aus, dass der See zur Gewinnung von Kulturland abgelassen wurde, wahrscheinlicher sind aber ständige Probleme mit dem Seeauslauf. In seinem Text beschreibt Degelo den umstrittenen Bau eines neuen Auslaufs mit Tunnel unter der Talacheri, der Gericht und Landrat jahrelang beschäftigte. Zurück blieb vorerst eine wüste Sumpflandschaft. Erst die massive Intervention von Dr. Peter Halter habe die Verantwortlichen im Jahre 1850 dazu gebracht, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Sumpf trocken zu legen, schreibt Degelo. «Halter war der erste studierte Arzt in Giswil und hatte als Mediziner jeden Frühling mit dem Wechselfieber (europäische Malaria) seiner Patienten zu kämpfen. Schon früh erkannte er, ohne detaillierte Kenntnisse der Übertragungswege der Malaria, den Zusammenhang zwischen dem in jedem Frühjahr auftretenden Wechselfieber und dem Brutgebiet der Anopheles-Mücke im Sumpfgebiet des Aarieds wie auch des Städerriedes in Alpnach.» (unp)

Quellenangabe: Schrift «Die Trockenlegung des Aarieds in Giswil» von Ludwig Degelo. www.kulturlandschaft-ow.ch

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