Mobilität
Obwaldens Gesamtverkehrskonzept geht in die Vernehmlassung

Nachdem Ziele, Strategien und Massnahmen zusammengetragen wurden, folgt jetzt die letzte Überprüfung durch alle Beteiligten.

Philipp Unterschütz
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Wirtschaft und Bevölkerung sollen auch in Obwalden weiter wachsen. Damit steigen die Bedürfnisse an eine sichere und zuverlässige Mobilität. Um diese nachhaltig, sicher und ressourcenschonend weiterzuentwickeln, hat die Regierung ein umfassendes Gesamtverkehrskonzept mit Strategien und Massnahmen erarbeitet.

Ein Elektropostauto bei der Schoriederstrasse in Alpnach.

Ein Elektropostauto bei der Schoriederstrasse in Alpnach.

Archivbild: Obwaldner Zeitung

Neben dem Alltagsverkehr spielt der Tourismus- und Freizeitverkehr eine wichtige Rolle. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei der Abstimmung von Siedlung und Verkehr sowie bei der Erschliessung der Tourismusgebiete. Neben Grundlagen und übergeordneten Zielen enthält das Gesamtverkehrskonzept auch konkrete Strategien und Massnahmen zur Weiterentwicklung des Bereichs Verkehr und Mobilität. Dabei geht es unter anderem um die siedlungsverträgliche Neugestaltung der Ortsdurchfahrten, den gezielten Ausbau der Veloinfrastruktur, die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs inklusive eines behindertengerechten Ausbaus der Bushaltestellen und ein Mobilitätsmanagement in grösseren Unternehmen. Mit geeigneten Massnahmen sollen die Erreichbarkeit der Tourismusgebiete attraktiver und die damit zusammenhängenden Verkehrsprobleme reduziert werden.

Eine Grundlage für künftige Projekte und Planungen

«Es ist wichtig, dass die Lösungen gemeinsam erarbeitet werden», sagt Baudirektor Josef Hess. So wurden alle für den Verkehr in Obwalden relevanten Organisationen einbezogen: Gemeinden, Transportunternehmen, Bergbahnen, auch Fachorganisation wie VCS, TCS oder Pro Velo, Tourismusorganisationen sowie die Nachbarkantone und betroffene Bundesämter. In mehreren gemeinsamen Workshops wurden die Ziele, Strategien und Massnahmen erarbeitet und diskutiert. Nachdem in einer ersten Runde die Auslegeordnung gemacht und in einer zweiten Massnahmen definiert wurden, wird der Bericht daraus nun bis Ende Juni in die Vernehmlassung durch die Beteiligten geschickt. «Die Frist ist relativ kurz, weil die meisten Inhalte bereits bekannt sind. Es geht darum, sicherzustellen, dass alles richtig abgebildet ist», so Josef Hess.

Parallel zur Vernehmlassung arbeitet der Kanton am Konzept weiter. Es gilt, Prioritäten und Zuständigkeiten festzulegen und Kosten abzuschätzen. Im September soll der Bericht zuhanden des Kantonsrats verabschiedet werden, der ihn dann im Januar 2022 zur Kenntnis nehmen soll. Wie die Regierung in einer Mitteilung festhält, ist das Gesamtverkehrskonzept als Fachgrundlage zwar nicht direkt verbindlich für Behörden oder Private, bildet aber die Grundlage für eine koordinierte Projektierung und Realisierung von Verkehrsprojekten und für eine zukünftige Überarbeitung der kantonalen Richtplanung.

Verkehrssituation in Sachseln mit der neuen, nicht unumstrittenen Kernfahrbahn.

Verkehrssituation in Sachseln mit der neuen, nicht unumstrittenen Kernfahrbahn.

Bild: (Eveline Beerkircher, Sachsen, 20. April 2021)

Zusammenarbeit mit dem Nachbarn Nidwalden

Eine besondere Rolle im Konzept nimmt der Freizeit- und Tourismusverkehr nach Engelberg ein. Die Auswirkungen sind in mehreren Nidwaldner Gemeinden an Spitzentagen spürbar und führen zu Überlastungen auf den Strassen im Engelbergertal. Die vorgeschlagenen Massnahmen umfassen eine zeitliche Glättung der Spitzen im Rückreiseverkehr sowie eine systematische Stärkung des öffentlichen Verkehrs. Dabei sei man auch im Austausch mit dem Kanton Nidwalden, der ebenfalls daran ist, ein Gesamtverkehrskonzept zu erstellen, sagt Josef Hess. «Die Konzepte werden aufeinander abgestimmt.» Berücksichtigt wurde, soweit schon möglich, auch das Projekt Titlis 2030. Die im Plangenehmigungsverfahren definierten Massnahmen wie ÖV-Attraktivierung oder Parkplatzbewirtschaftung sowie erwartete Frequenzen fliessen ebenfalls ins Konzept ein. Auch in anderen Belangen arbeite man Seite an Seite mit Nidwalden, betont Josef Hess. «Auch wir wollen eine Kapazitätsverbesserung auf der A2 am Lopper, weil uns die Rückstaus ebenfalls betreffen.»

Nach Vorliegen des Gesamtverkehrskonzepts will Josef Hess möglichst bald an die Umsetzung gehen. «Insbesondere bei den Radwegen wollen wir jetzt wirklich vorwärtsmachen, das ist schon lange ein brennendes Thema.»