MONTE CARASSO: Kathrin Benz: «Das Buch ist eine Art ‹Bruder Klaus für Anfänger›»

Auf einer Beerdigung erzählte Kathrin Benz stolz, dass sie Nachfahrin von Niklaus von Flüe ist, und stiess prompt auf Skepsis dem Heiligen gegenüber. Sie entschied, sich mit ihm zu befassen, und schrieb ein Buch.

Marion Wannemacher
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Kathrin Benz mit einer Statue von Bruder Klaus. (Bild: PD)

Kathrin Benz mit einer Statue von Bruder Klaus. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Bücher, Publikationen und Schriften über Bruder Klaus gibt es viele. Allein in der Kantonsbibliothek Obwalden stehen 860, viele davon im Kellerarchiv verstaut. Ihren ganz persönlichen Grund, ein Buch über Bruder Klaus zu schreiben, hatte Kathrin Benz. Die 53-Jährige ist Nachfahrin vom Schweizer Nationalheiligen. Das erzählte sie einmal auf einer Beerdigung und wunderte sich über die ihr entgegengebrachte Skepsis: «Der sei ja von der Frau weg, sagten sie mir. Schliesslich ist der Mann nicht mit seiner Sekretärin durchgebrannt.» Sie fasste den Entschluss, sich mit Niklaus von Flüe zu beschäftigen.

«Eigentlich hatte ich selbst meine Vorurteile. Ich empfand ihn als verstaubt, seine Auffassung als esoterisch.» Vor drei bis vier Jahren begann die Wahltessinerin, deren Mutter aus Nidwalden stammt, sich durch die Literatur über den Schweizer Nationalheiligen und Historie seiner Zeit zu lesen. Innerhalb von zweieinhalb Jahren schrieb sie ihr eigenes Buch über ihn, sie habe es für sich geschrieben und für ihre Familie. Ihre Haltung Bruder Klaus gegenüber hat sich dadurch positiv verändert. Nun habe sich der intuitive Stolz durch profunder Recherchen bestätigt. «Das Buch ist eine Art ‹Bruder Klaus für Anfänger›», sagt sie. Im Untertitel heisst es denn auch «Bruder Klaus für Skeptiker».

Fasziniert von der Arbeit von Historikern

«Ich merkte, um ihn zu verstehen, muss ich den historischen Kontext kennen. Fast am meisten erstaunt hat mich, was die Historiker aus den überlieferten Fragmenten herauskristallisieren konnten», sagt Kathrin Benz, die als Journalistin bereits für das «Vaterland» in Luzern und für die Schweizerische Depeschenagentur in Lugano gearbeitet hat und aktuell für die deutschsprachige «Tessiner Zeitung» schreibt. Viel Arbeit steckt hinter dem 240 Seiten starken Werk, das ein Mitmachprojekt im Rahmen des Trägervereins ist. Kathrin Benz bettet die Geschichte von Bruder Klaus in all die historischen Ereignisse zu seiner Zeit ein, «eine spannende Welt voller politischer und gesellschaftlicher Umbrüche», wie sie selbst sagt. Der Leser begegnet historischen Grössen wie Karl dem Kühnen, Persönlichkeiten wie dem Ritter Adrian von Bubenberg und zweifelhaften Gestalten wie dem Tiroler Kaspar Koller, der trotz mehrfacher Morde und verschiedener Raubüberfälle von den Unterwaldnern eingebürgert wurde, hauptsächlich wohl, um dem Hassgegner Österreich eins auszuwischen.

Als hauptsächliche Quellen bezieht sich Kathrin Benz auf die Dissertation von Roland Gröbli, das Werk von Pirmin Meier über Bruder Klaus, die Forschungen von Werner T. Huber und von Mittelalterexperten Werner Meyer. Dem Umstand, dass die Quellenlage um Bruder Klaus begrenzt ist, begegnet die Autorin mit erzählerischer Freiheit. «Oft muss man sich die Szenen selber ausdenken, muss sich vorstellen, wie er, seine Frau, seine Kinder und die Freunde reagiert und gedacht haben», schreibt sie im Vorwort.

Die sechsfache Mutter ­versetzt sich in Dorothea

Kathrin Benz, die selbst sechsfache Mutter ist, versetzt sich auch in Dorothea. «Eine Frau, die ihren Mann durch Krieg oder Krankheit verlor, konnte wieder heiraten, sich materiell absichern und sich helfen lassen. Aber wenn Klaus sie verliess, war sie durch das Ehesakrament an ihn gebunden bis zum Tod», heisst es im Buch. Eine weitere Schwangerschaft kurz vor der Entscheidung, die Familie zu verlassen, habe Niklaus zwar erschüttert, aber nicht abgehalten. Wichtig ist der Autorin jedoch der wohlmeinende Blick: Bei Kathrin Benz hat «Dorothee», wie sie sie nennt, viel Verständnis für den von ihr geliebten Klaus. Ebenfalls wichtig ist Benz die Darstellung der demütigen Haltung von Bruder Klaus: Er fragt die Kirche, ob er fasten und ein Leben als Einsiedler führen dürfe.

Angst vor Kritikern wegen historischer Genauigkeit ob der frei erzählten Passagen hat Kathrin Benz kaum: «Es ist kein akademischer Auftrag», sagt sie. Zudem hat der wissenschaftliche Beirat des Trägervereins ihr Buch gelesen und als Mitmachprojekt für gut befunden.

Was hat ihr selbst die Beschäftigung mit Bruder Klaus gebracht? «Begeisterung und eine herzliche Begegnung mit einem Menschen und denjenigen rundherum, die unsere Heimat mitgestaltet haben.» Für das Jubiläumsjahr 2017 wünscht sich Kathrin Benz, die für den Trägerverein die Projekte im Tessin rund um Bruder Klaus mitkoordiniert, «Besinnung auf eine einzigartige Persönlichkeit von der Schweizer Kultur. Ich möchte, dass man ihn wahrnimmt und schätzen lernt.»

Hinweis

Kathrin Benz: «Der Aussteiger. Bruder Klaus für Skeptiker.» Freiburg: Paulusverlag 2016.