MOUNTAINBIKE: O-Tour Obwalden: Lapsus kostet Urs Huber den Sieg

Weil der lange führende Urs Huber vor dem Ziel falsch gefahren war, kam sein Teamkollege Thomas Dietsch an der O-Tour in Alpnach zum Handkuss. Bei den Frauen ­feierte Milena Landtwing bereits ihren vierten Triumph in der diesjährigen iXS-Classic.

Martin Platter
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Zu diesem Zeitpunkt stimmte für den Führenden (88 km) und späteren zweitplatzierten Urs Huber aus Jonen die Routenwahl noch. (Bild: Philipp Schmidli)

Zu diesem Zeitpunkt stimmte für den Führenden (88 km) und späteren zweitplatzierten Urs Huber aus Jonen die Routenwahl noch. (Bild: Philipp Schmidli)

O-Tour Bike Marathon in Alpnach. (Bild: Philipp Schmidli)
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Milena Landtwing gewinnt das 88km Rennen der Damen. (Bild: Philipp Schmidli)
Urs Huber wird zweiter im 88km-Rennen der Herren. (Bild: Philipp Schmidli)
Norbert Amgarten (Bild: Philipp Schmidli)
Susanne Tanner im 43km Rennen der Damen. (Bild: Philipp Schmidli)
Franziska Brun wird zweite im 43km Rennen der Damen. (Bild: Philipp Schmidli)
Andreas Sigrist (Bild: Philipp Schmidli)
Urs Huber (Bild: Philipp Schmidli)
Milena Landtwing gewinnt das 88km Rennen der Damen. (Bild: Philipp Schmidli)
Bild: Philipp Schmidli
Bild: Philipp Schmidli
Dafflon im Wunderwald. (Bild: PD)
Dietsch auf der Abfahrt vom Ächerlipass. (Bild: PD)
Huguenin rückt auf den 3. Platz vor. (Bild: PD)
Dietsch auf dem Ächerli. (Bild: PD)
Hansueli Stauffer am Leiden. (Bild: PD)
Huber auf dem Ächerli. (Bild: PD)
Huber vor Dietsch bei der 1. Zieldurchfahrt. (Bild: PD)
Landtwing führt bei der 1. Zieldurchfahrt mit plattem Reifen. (Bild: PD)
Huber und Dietsch auf dem Weg zum Ächerli. (Bild: PD)
Spitze Fun nach Lütholdsmatt. (Bild: PD)
iXS-classic-Leader Jérémy Huguenin nach Lütholdsmatt. (Bild: PD)
Dietsch vor Huber und Stauffer links Dafflon nach Lütholdsmatt. (Bild: PD)
Nadia Walker vor Florence Darbellay in der Steigung zur Lütholdsmatt. (Bild: PD)
Milena Landtwing in der Steigung zur Lütholdsmatt. (Bild: PD)
Die Spitze der Herren in der Steigung zur Lütholdsmatt. (Bild: PD)
Thomas Dietsch vor Urs Huber: So lautete auch der Zieleinlauf. Links Frauensiegerin Milena Landtwing. (Bild: PD)

O-Tour Bike Marathon in Alpnach. (Bild: Philipp Schmidli)

Bis fünf Kilometer vor dem Ziel sah Urs Huber noch wie der sichere Sieger aus. In der letzten Steigung zum Ächerli, dem Haupthindernis der O-Tour, fuhr der Schweizer Bike-Marathonmeister, ohne an die Leistungsgrenze gehen zu müssen, einen komfortablen Vorsprung von einer Minute auf seinen elf Jahre älteren Teamkollegen Thomas Dietsch aus Frankreich heraus. Das Duo hatte sich bereits in der ersten Hälfte des Rennens vom Rest gelöst. «Ich wusste, dass ich besser bergab fahre als Dietsch, und konnte die Abfahrt so richtig geniessen. Kurz bevor ich jedoch unten im Tal war, habe ich eine Richtungsanzeige falsch gedeutet und bin vom richtigen Weg abgekommen. Das ist sehr ärgerlich», nervte sich Huber im Ziel. Nach einiger Zeit schob der 28-jährige Aargauer wieder lachend nach: «Ich konnte hier 2009 gewinnen. Damals waren Lukas Buchli und Thomas Zahnd falsch gefahren. Heute habe ich wohl meine Retourkutsche erhalten.»

Leadertrikot als Trost

Als kleine Genugtuung konnte sich Huber ins iXS-Classic-Leadertrikot einkleiden lassen. Der Grund, weshalb er angetreten war, denn er möchte sich wie 2007, 2008 und 2009 auch 2014 wieder einmal die Gesamtwertung sichern. Sein 39-jähriger Kollege Dietsch, der sein Bike Ende Saison in die Ecke stellen wird, ist kein Unbekannter. Der Franzose sicherte sich die iXS-classic im Jahr 2000 und hat in der Schweiz schon fast alle namhaften Bike-Marathons mindestens einmal gewonnen.

Landtwing: Sieg trotz Platten

Trotz eines platten Reifens kurz vor der ersten Zieldurchfahrt vermochte Milena Landtwing auf ihrer ersten Siegfahrt an der O-Tour ihre erste Verfolgerin Florence Darbellay um 8:25 Minuten zu distanzieren. «Ich war eigentlich extra vorsichtig unterwegs, dass eben kein Defekt passiert. Dennoch hat es plötzlich gezischt.» Sanft rollte sie die letzten Meter bis zum Reparaturposten beim Ziel und holte sich ein Ersatzrad. «Es ist mir heute wider Erwarten gut gelaufen. Im Hinblick auf die morgen beginnende Swiss Epic wollte ich die O-Tour erst gar nicht fahren. Jetzt bin ich froh, dass ich mich für den Start entschieden habe», sagte Landtwing.

«Die Abfahrten hier sind der Hammer. Ich wünschte mir mehr solche Rennen», schwärmte die zweitplatzierte Florence Darbellay. Und die drittplatzierte Nadia Walker doppelte nach: «Florence ist sensationell bergab gefahren. Ich hatte manchmal ein ganz mulmiges Gefühl.» Zu Beginn heftete sich Walker ans Hinterrad der Führenden Landtwing, musste die Dominatorin jedoch nach einigen Kilometern bergauf ziehen lassen. «Irgendwann kam dann Florence von hinten. Wir haben lange Zeit perfekt harmoniert. In der Schlussabfahrt habe ich sie dann ziehen lassen», sagte Walker zum Rennverlauf.

Indergand: Test vor der WM

«Das war mega hart», räumte Linda Indergand nach geschlagener Schlacht ein. Erst am Vorabend hatte sie sich nachgemeldet. «Im Hinblick auf die Strassen-Weltmeisterschaften, zu denen ich aufgeboten worden bin, wollte ich unbedingt noch ein längeres Rennen bestreiten», begründete die Silenerin ihren kurzfristigen Start in Alpnach. Indergand hatte ja nicht nur an der Bike-WM vor Wochenfrist Silber im Eliminator-Sprint und Bronze im U-23-Crosscountry-Rennen gewonnen. Die 21-Jährige ist auch Schweizer Meisterin im Einzelzeitfahren auf der Strasse und wurde Zweite im SM-Strassenrennen.

o-tour in Alpnach

Elite. 88 km. Männer: 1. Thomas Dietsch (Fr) 3:51:24. 2. Urs Huber (Jonen) 0:07. 3. Jérémy Huguenin (Neuchâtel) 3:26. 4. Xavier Dafflon (Avry-sur-Matran) 4:12. 5. Lucien Besancon (Safenwil) 8:15. 6. Hansueli Stauffer (Sigriswil) gl. Zt. 7. Stefan Sahm (De, Krattigen) 10:23. 8. Florian Thie (Thun) 12:33. 9. Konny Looser (Hinwil) 15:59. 10. Philipp Gerber (Aeschiried) 16:17. – Frauen (88 km): 1. Milena Landtwing (Pontresina) 4:45:03. 2. Florence Darbellay (Neuchâtel) 8:25. 3. Nadia Walker (Altdorf, UR) 11:21. 4. Linda Indergand (Silenen) 15:45. 5. Cornelia Hug (Amsoldingen) 24:41.

43 km. Männer: 1. Rick Reimann (Uster) 2:07:58. 2. Jeremias Marti (Gettnau) 2:51. 3. Stefan Roffler (Trimmis) 3:12. 4. Samuel Stoll (Osterfingen) gleiche Zeit. 5. Urs Baumann (Igis) 3:48. 6. Florian Meyer (Rubigen) 6:50. 7. Silvan Kälin (Unteriberg) 10:10. 8. Philipp Bohren (Grindelwald) gl. Zt. 9. Sebastian Ostertag (Wädenswil) gl. Zt. 10. Lorenz Inauen (Appenzell) 10:11. – Frauen. 43 km: 1. Ramona Forchini (Wattwil) 2:30:55. 2. Franziska Brun (Emmenbrücke) 7:27. 3. Margrit Abächerli (Estfeld) 8:48. 4. Rahel Rüegg (Stans) 9:42. 5. Sue Tanner (Luzern) 10:42.

Komplette Rangliste: www.o-tour.ch

Heisser Obwaldner Kampf ums Leadertrikott

«Das Heimrennen in Alpnach im Leadertrikot (Männer, Fun 2) des iXS-classic-Cups zu fahren, war für mich sehr motivierend», schwärmte der Kernser Norbert Amgarten über die Ambiance auf der 88 Kilometer langen und abwechslungsreichen Strecke. «Auch wenn ich, wie schon im letzten Rennen, meinem hartnäckigen Bikekollegen Andreas Sigrist auch diesmal wieder den Vortritt lassen musste.» Bis Rennhälfte fuhren die beiden Kontrahenten zusammen, dann verabschiedete sich der Sachsler Sigrist und holte in diesem kräfteraubenden Rennen bis ins Ziel einen Vorsprung von 5:40 Minuten her­aus.

Vom Unihockey zum Bikesport

Ob Amgarten das Trikot des Leaders verteidigen konnte, das weiss Amgarten noch nicht. «Es wird äusserst knapp, es geht um Sekunden, ob ich mein Leadertrikot weiter tragen kann oder ob ich dieses verlieren werde», verweist der 34-jährige Physiotherapeut, der erst vor fünf Jahren Gefallen an dieser fordernden Sportart gefunden hat. Vorher spielte er bei Ad Astra Sarnen Unihockey und kehrte letzte NLB-Saison nach dem Trainerwechsel als Assistent von Tobias Lengen sogar wieder an die Bande zurück. Dass der locker wirkende Amgarten nicht nur erfolgreich bergauf und bergab fahren kann, das hat er vor drei Jahren beim 24-Stunden-Rennen in Schötz bewiesen. Zusammen mit seinem hartnäckigsten Gegner Andreas Sigrist, Dani Abächerli und Hubi Flüeler gewann die Gruppe den Teamevent. Ambitionen, im Feld der «Grossen» zu fahren, hat er hingegen keine mehr, dazu sei er schon zu alt. «Ich will den Plausch an diesem spannenden und anspruchsvollen Sport haben. In der Fun-Klasse kann ich selber bestimmen, wo und wann ich fahren will. So gefällt es mir», meinte er schmunzelnd.

Letztes Rennen ist entscheidend

Doch was das nächste Rennen betrifft, da hat der die Kombination von Ausdauer und technischen Finessen bei den Abfahrten liebende Amgarten klare Vorstellungen. «Das letzte Bikerennen in zwei Wochen in Einsiedeln will ich ganz einfach gewinnen und mir so den iXS-classic-Cup sichern», gibt er sich bestimmt. Doch da muss der Kernser mit harter Gegenwehr rechnen. Denn auch Sigrist, der Auftragsplaner bei Maxon Motor, hat in diesem letzten Rennen der Serie das gleiche Ziel vor Augen. Es wird wieder ein Kampf auf Biegen oder Brechen geben, bis der Cupsieger feststeht.

Tolles Bikefest in Alpnach

Die 12. Auflage des O-Tour-Marathons überzeugte mit beeindruckenden Zahlen. An diesem gut organisierten Anlass konnte man einen neuen Teilnahmerekord von gegen 950 Bikerinnen und Bikern verbuchen, 1500 Zuschauer unterstützten die Bikecracks lautstark, und 240 Helfer sorgten für einen einwandfreien Rennverlauf.