Musik für den leichten Zugang zur Klassik in der Sarner Aula Cher

Musikfreunde kamen in den Genuss einer Rarität: In Sarnen gastierten ausschliesslich junge Solisten mit dem Prädikat «Preisträger».

Primus Camenzind
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Daniel Moos (Piano) mit Solistin Veronika Miecznikowski (Violine).

Daniel Moos (Piano) mit Solistin Veronika Miecznikowski (Violine).

Bild: Primus Camenzind (Sarnen, 14. August 2020)

Der Pianist und Produzent Daniel Moos veranstaltet seit vielen Jahren jeweils im Sommer in Sarnen ein Konzert der Sparten «leicht zugängliche Klassik und Opernmusik». Es gelingt ihm immer wieder, das Geschehen auf der Konzertbühne sowohl qualitativ als auch dramaturgisch so zu inszenieren, dass die Musik ein breites Publikum erreicht und beglückt. Am vergangenen Freitag zogen in der Aula Cher eine Geigerin, sechs Cellisten und eine äusserst talentierte Sarnerin am Marimbafon rund 200 Personen während zwei Stunden in ihren Bann. Wie seit je begleitete Daniel Moos die jungen Instrumentalisten mit Virtuosität am Piano und moderierte mit Pointen und Anekdoten aus der Musikwelt.

Cellos aus der Südschweiz

Es gehört wohl nicht zum alltäglichen Konzertbetrieb, dass ein Ensemble – bestehend aus sechs Cellisten – eigens für diese unübliche Formation bearbeitete Werke zum Besten gibt. In der Gruppe namens TheXcellos musizierten junge Musiker, die ihrer Herkunft wegen der Südschweiz zuzurechnen sind. Jeder Einzelne outete sich im Verlauf des Abends als virtuoser Solist. Namentlich sei hier Claude Hauri erwähnt – seines Zeichens Leader des Sextetts und mit eindrücklichem musikalischem Tiefgang und stupender Technik ausgerüstet. Diese Vorzüge stellte er unter anderem in Vivaldis «Sonate in a-Moll» besonders eindrücklich unter Beweis.

Was die Violinistin Veronika Miecznikowski in der «Meditation Thais» von Jules Massenet an Klängen und Gefühlen ihrer im Jahr 1740 von Michael Platner gebauten Geige entlockte, löste im Saal Entzücken aus. Die Solistin überzeugte auch im Verbund mit den sechs Cellisten vollends oder wenn es darum ging, im Duett mit dem Pianisten die technischen Kapriolen des Komponisten Paganini (alias «der Teufelsgeiger») zu meistern.

Tolle Töne aus der Region

Für das Konzert in Sarnen machte sich Daniel Moos auf die Suche nach einem aussergewöhnlichen Talent in der Region. Er wurde im weltweiten Netz fündig und entdeckte dort Elena von Bergen aus Sarnen. Sie ist aktuelle Gewinnerin des Rotary-­Musikpreis 2019. Mit ihrem Marimbafon und dem Solostück «Rain Dance» von Alice Gomez oder in der berühmten «Czardas» von Monti versetzte die 17-jährige Sarnerin das Publikum in Staunen.

Elena von Bergen aus Sarnen als Solistin am Marimbafon.

Elena von Bergen aus Sarnen als Solistin am Marimbafon.

Bild: Primus Camenzind (Sarnen, 14. August 2020)

In der Pause wollten wir wissen, woher Elena die stoische Ruhe hernimmt, auf hohem Niveau und vor grossem Publikum zu musizieren. «Das Lampenfieber war schon da am heutigen Tag, denn ich habe noch nie vor einem Publikum dieser Art gespielt», sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. «Es wird mir aber schon gefallen, wenn ich in Zukunft für Auftritte angefragt werden sollte», betonte sie. Sie macht eine technische Lehre mit Berufsmatura. Eine Karriere als Musikerin kommt nicht in Frage. «Für mich ist Musik ein reines Hobby», sagte sie mit Überzeugung.

Es gehört – wie bereits erwähnt – zum Markenzeichen von Daniel Moos und seinen «Sarner Produktionen» dass er immer wieder Raum für einen Schuss Humor oder gar Ironie lässt. So tauchte Claude Hauri plötzlich und unverhofft, jedoch mit einem Kontrabass ausgerüstet, auf der Bühne auf. Er trug in der Folge mit grosser Gestik zu einer Gavotte von David Popper eine knappe Handvoll Töne bei.

Ungarische Tänze von Brahms und ein glorioses Finale mit «Highlights» von Beethoven rundeten das kurzweilige und in allen Teilen gelungene Klassik-Sommerkonzert ab.