Nach der Blitzhochzeit gab's einen Apéro en miniature

Trauung in Zeiten von Corona: Fünf Minuten, null Gäste. Martin und Andrea Bacher aus Wilen nehmen’s mit Humor.

Marion Wannemacher
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Improvisierter Parkplatz-Apéro nach der Trauung: Andrea und Martin Bacher aus Wilen.

Improvisierter Parkplatz-Apéro nach der Trauung: Andrea und Martin Bacher aus Wilen.

Bild: PD

So haben sich Andrea und Martin Bacher aus Wilen ihre Hochzeit nicht vorgestellt. Statt ihres lange geplanten Termins am Freitag, 20. März, erhielten sie Anfang der Woche ein Schreiben des Zivilstandsamtes, in dem ihnen nahegelegt wurde, ihre Hochzeit wegen des Corona-Virus zu verschieben. Im Schreiben hiess es weiter, man könne dem Paar nicht garantieren, dass ihre Trauung stattfinde. «Unser spontaner Gedanke war, dass wir nicht bis Mai warten können, weil ich im achten Monat schwanger bin», erzählt Andrea Bacher. So fragte das Paar nach Notlösungen.

«Es war nicht unsere Wunschtrauung, aber wir sind glücklich, dass wir heiraten konnten.»

Am Dienstagmorgen erhielt Martin Bacher einen Anruf des Zivilstandsamtes Obwalden: ob sie nicht in zwei Stunden heiraten wollten, um 11 Uhr. Seine zukünftige Ehefrau war zu diesem Zeitpunkt fast an ihrem Arbeitsplatz in Zug angekommen. Per Telefon besprachen sich die Brautleute – und entschieden sich für die «Blitzhochzeit». Andrea Bacher informierte die Trauzeugin, ihre Schwester aus St.Gallen. Die Braut kaufte sich an der Tankstelle ihren Hochzeitsstrauss. Der andere Trauzeuge, ein Kollege von Martin Bacher, kam von seiner Arbeit aus Emmenbrücke.

Die Trauung war ein kurzer Prozess

Die Trauung ging fix vonstatten: «Kurzer Text, Ringe anlegen, wieder raus. Es war sicher nicht unsere Wunschtrauung, aber wir sind glücklich, dass wir heiraten konnten», erzählt Andrea Bacher. Den Apéro gab es dann am Campingbus auf dem Parkplatz der Kantonsschule, mit Luftballons und Prosecco aus Plastikbechern. Das in die Ringe gravierte Datum stimmt nun nicht. Das Brautpaar nimmt’s pragmatisch: «Dienstag war der 17.3. Und 17 plus 3 gibt auch 20», sagt Andrea Bacher lachend. Und das Fest wird nächstes Jahr nachgeholt.

«Wir haben nun eine Information an die Brautpaare versendet und raten ihnen, die Trauung zu verschieben.»

In Corona-Zeiten ist eben alles anders. «Bis und mit 19. April haben wir einen Notbetrieb», erklärt Melanie Gutschi, die Leiterin des Zivilstandsamtes Obwalden. «Wir versuchen, die Weisungen des Bundes umzusetzen und das Beste daraus zu machen», betont sie. Im Klartext bedeutet das: Die wichtigen Angelegenheiten um Tod und Geburt oder Kindesanerkennungen können weiterhin erledigt werden. Auch Trauungen werden vollzogen, dies jedoch nur noch im Zivilstandsamt an der Brünigstrasse 180a in Sarnen. Anwesend dürfen nur noch das Brautpaar und die beiden Trauzeugen sein. «Für die Trauzeremonie beschränken wir uns auf den gesetzlichen Teil, so dauert diese nur noch fünf Minuten», erklärt die Zivilstandsbeamtin. «Ziel ist, dass die Anwesenden so kurz wie möglich in einem Raum miteinander verbringen und den nötigen Abstand einhalten, um Ansteckungen zu verhindern.» Im Trauzimmer sieht es zurzeit anders aus: Die Stühle sind weit weg voneinander aufgestellt, Desinfektionsmittel steht parat.

16 Trauungen wären eigentlich im März und April geplant, bis Ende Juli sogar 50. «Wir haben nun eine Information an die Brautpaare versendet und raten ihnen, die Trauung zu verschieben. Auch wissen wir ja nicht, was mit uns und unserer Gesundheit ist, ob wir Trauungen noch garantieren können», hält Melanie Gutschi fest. So könne es auch dazu kommen, dass Trauungen aus organisatorischen Gründen vorverlegt werden, wie im Fall der Bachers.

Die Reaktionen der Brautpaare fielen unterschiedlich aus, erklärt die Amtsleiterin. «Manche möchten lieber abwarten, andere trotzdem auch in dieser Form heiraten.» Allein in dieser Woche lassen sich acht Paare in Sarnen trauen.

Harte Einbussen bei den Gastrobetrieben

Dass keine Hochzeitsfeiern mehr stattfinden, trifft die Gastrobetriebe besonders hart. «Wir haben bereits drei Absagen», erklärt Thomas Thürig, Direktor des Jugendstilhotels Paxmontana in Flüeli-Ranft. «Ausgerechnet dieses Jahr waren wir bereits im Januar so gut im Voraus gebucht wie noch nie, wegen des Datums wäre es 2020 mit Hochzeitsfeiern sehr gut gewesen.» Nun werde es eine Herausforderung, die Feiern auf den Herbst zu verschieben, denn im August und September sei das Hotel bereits gut gebucht. Stornierungsgebühren entstehen dann nicht, wenn Gäste aufgrund des Bundesbeschlusses ihre Feier absagen müssen.