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Nach harter Kritik sieht Sachsler Familie Kesb «auf dem richtigen Weg»

Familie Durrer machte Erfahrungen vom «Fehlstart» bis zur Kehrtwende. Heute pflegt sie mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ein angenehmes Miteinander.
Martin Uebelhart
Yvonne, Hansruedi und Michi Durrer: Vor knapp drei Jahren machte ihr Fall national Schlagzeilen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sachseln, 31. März 2016))

Yvonne, Hansruedi und Michi Durrer: Vor knapp drei Jahren machte ihr Fall national Schlagzeilen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sachseln, 31. März 2016))

Familie Durrer will die Entwicklung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ins rechte Licht rücken. Hansruedi Durrer und seine Frau Yvonne kümmern sich um ihren behinderten erwachsenen Sohn Michi – und das seit Jahrzehnten. Mit der Kesb verbindet sie aber eine wechselvolle Geschichte.

«Mit grosser Zufriedenheit stellen wir heute fest, dass sich viele Leute der Kesb vor wichtigen Entscheiden nicht mehr an der Meinung von externen Beobachtern und Experten orientieren, sondern man bemüht sich richtigerweise, das nähere Umfeld der betroffenen Personen und Parteien mit einzubeziehen», hält Hansruedi Durrer fest. Dazu gehörten die Familie, die Nachbarn, der Arbeitsplatz oder auch die Gemeinde. Dasselbe gelte auch bei der Einsetzung von Beiständen. Die wichtigen Kriterien seien deren Eignung und Charakter sowie ihr gesunder Menschenverstand.

Der behinderte Sohn wurde als «Sache» bezeichnet

So tönte es nicht immer. Durrers und die Kesb hatten einen denkbar schlechten Start. Im Januar 2015 hatten sie zum ersten Mal Post von der Behörde erhalten. Michi sei als Sache bezeichnet worden und es sei von einem Verfahren die Rede gewesen. Den beigelegten Fragebogen beachteten sie nicht weiter und monierten nach einer zweiten Aufforderung unmissverständlich, «dass wir diesen Ton nicht akzeptieren und dass wir unseren Sohn während 35 Jahre nach bestem Wissen und Gewissen begleitet hatten und dies auch in Zukunft tun würden. Wir forderten sie auf, uns in Ruhe zu lassen.»

Eine Aussprache habe keine Lösung gebracht, so Durrer weiter. Dabei habe sich auch herausgestellt, dass von den Ansprechpersonen niemand detaillierte Kenntnis der Artikel im Zivilgesetzbuch hatte, die es der Kesb erlaubten, Angehörige von hilfsbedürftigen Personen ganz von den bürokratischen Pflichten zu befreien und nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu handeln.

Schliesslich gipfelte die Auseinandersetzung in einem Verfahren vor Obwaldner Verwaltungsgericht. Hinzu kamen Vorstösse im Kantonsrat und im Nationalrat, nachdem Durrers mit Bundesparlamentariern in Verbindung getreten waren, und auch in den Medien fand der Fall seinen Niederschlag. Zur Überraschung beider Parteien entschied das Gericht zu ihren Gunsten. Die Kesb teilte mit, den Entscheid zur Kenntnis zu nehmen und leitete ihn an die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) weiter, Verbindungsorgan zwischen den kantonalen Aufsichtsbehörden im zivilrechtlichen Kindes- und Erwachsenenschutz.

Parallel zum laufenden Gerichtsverfahren passte die Kokes ihre Richtlinien an. Und diese hätten zumindest in Obwalden zu einem radikalen Umdenken geführt, so Hansruedi Durrer. «In einem abschliessenden, sehr kooperativen Gespräch wurde uns eröffnet, dass man sich in Obwalden ab sofort so weit wie möglich an diese Richtlinien und den Gerichtsentscheid halten werde und wir von allen Rechenschaftspflichten befreit seien», sagt Durrer. Man wisse jetzt endlich, wie man arbeiten müsse, und werde die Beschlüsse und Genehmigungen zukünftig stark vereinfachen und vor allem so weit wie möglich auf das Erheben der bisher sehr umstrittenen Gebühren verzichten. «Inzwischen pflegen wir ein persönliches und angenehmes Miteinander mit der Kesb.»

Eine Volksabstimmung ist der falsche Weg

Nach Meinung der Familie Durrer bringe ein Versuch, sich allenfalls mittels Volksabstimmung auf Feld 1 zurückzubewegen, nichts. Man ziele in der ganzen Schweiz auf die falschen. Die Kesb-Leute seien 2013 ins kalte Wasser geworfen worden, ohne klare Richtlinien und Weisungen von politischer Seite. Man könne nicht alle Fehler ihnen zuschieben. Vielmehr müssten sich die Politiker, welche eine unausgereifte Vorlage durchgeboxt haben, sowie alle, welche nicht in der Lage waren, eine vernünftige Organisation auf die Beine zu stellen und deren anfängliche Aktivitäten zu beaufsichtigen, wegen eigenes Versagens an der Nase nehmen.

«Wir sind überzeugt, dass die Kesb Obwalden auf dem richtigen Weg ist», hält Hansruedi Durrer fest. Ein rasches und einfaches Verfahren sei auch in allen anderen Fällen wünschenswert. Auch auf gesetzgeberischem Weg werde sich dank zwei angenommener Parlamentarischer Initiativen von Nationalrat Karl Vogler noch einiges verbessern.

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