Nach seiner Blütezeit sorgte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad für Interessenskonflikte

Vor genau 50 Jahren brannte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad vollständig nieder. Ein Rückblick erinnert an das Familienunternehmen Kaltbad der «Franzä-Tonis», das heute in sechster Generation weitergeführt wird.

Daniel Stöckli*
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Das Schwendi-Kaltbad auf einer Postkarte um ca. 1907.

Das Schwendi-Kaltbad auf einer Postkarte um ca. 1907.

Bild: Staatsarchiv

Mit seinem Bergrestaurant ist das Kurhaus Schwendi Kaltbad für Einheimische wie für Touristen ein beliebtes Ausflugsziel. Der idyllische Ort hat eine bewegte Vergangenheit: Vor 50 Jahren brannte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad vollständig nieder und beendete die Ära des Kur- und Hotelbetriebes im Kaltbad. Zu diesem Jahrestag hat das Staatsarchiv die Geschichte des Kurhauses aufgearbeitet.

Der Name des Betriebes Kaltbad entstammt den niedrigen Temperaturen des für die Kur verwendeten Quellwassers. Die eisenhaltige Quelle, welche den Grundpfeiler des Kurhauses legte, wurde im 17. Jahrhundert entdeckt und zog in der Folge immer mehr Heilsuchende an. Bereits im 18. Jahrhundert sollen es jährlich mehr als 60 gewesen sein.

110 Jahre Blütezeit für die Quelle auf dem Glaubenberg

Deshalb wurde die Infrastruktur rund um die Quelle ausgebaut: 1805 wurde aus der einfachen Hütte ein richtiges Haus für 18 Gäste. 50 Jahre später genügte dann auch diese Beherbergung den Ansprüchen nicht mehr: 1859 wurde das Kurhaus Schwendi Kaltbad für 40 Gäste erbaut. Es begann die Blütezeit des Schwendi-Kaltbades. 110 Jahre lang folgten Kurgäste jeweils im Sommer dem Ruf der heilenden Quelle auf den Glaubenberg. Die Gastgeber waren seit jeher die Familie Burch. Die sogenannten «Franzä-Tonis» führten den Kurbetrieb in mehreren Generationen erfolgreich über ein Jahrhundert hinweg.

Am 12. September 1970 brannte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad nieder.

Am 12. September 1970 brannte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad nieder.

Bild: Staatsarchiv

Dann das Unglück: Am 12. September 1970 brannte das Kurhaus Schwendi-Kaltbad vollständig nieder. Damit verschwand nicht nur ein Stück Kulturgut, sondern die ganze Existenzgrundlage der Betreiberfamilie Burch. Zeitgleich mit dem Brand von Schwendi-Kaltbad gewann auch der Naturschutz immer mehr an Bedeutung. Dem Natur- und Heimatschutzgesetz von 1967 auf Bundesebene folgte 1972 in Obwalden ein sogenannter Schutzgebietsplan, worin auch die Hochmoorlandschaft auf dem Glaubenberg enthalten war.

Kein Wiederaufbau – dafür Gebiet für Winter- und Sommersport

Zur gleichen Zeit wurde ein erstes Projekt zum Wiederaufbau des Kurbades aus wirtschaftlichen Überlegungen fallengelassen. Wenig später entwickelte die «Genossenschaft Sport- und Erholungszentrum Langis/Schwendi-Kaltbad» eine Gesamtplanung über das Gebiet Langis. Der Glaubenberg sollte so für den Sommer- und Wintersport erschlossen werden. Geplant waren zwei Hotels, Seilbahnen, Skilifte und verschiedene Sportanlagen.

Die erste Etappe konnte 1975 mit dem Bau des Berghotels Langis realisiert werden. Als zweite Etappe sollte dann der Ersatz für das Kurhotel Schwendi-Kaltbad folgen: eine Art Resort mit dem Kurshaus im Zentrum, einem Bad, Tennisplätzen, einer Minigolf-Anlage und weiteren Bauten. Zusätzlich sollten um diese Hotelanlage herum 14 Ferienhäuser mit insgesamt 56 Wohnungen entstehen.

Naturschützer stellen sich gegen das Resort

Nun regte sich Widerstand: Naturschutzorganisationen, Verbände aber auch Private meldeten ihre Bedenken an und sorgten für öffentlichen Druck. Der Planauflage folgten Beschwerden und politische Vorstösse. 1984 wurde das Hochmoor auf dem Glaubenberg dann in das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen. Der Obwaldner Regierungsrat erliess in der Folge eine Planungszone über die Parzelle Schwendi-Kaltbad, womit der Wiederaufbau des Hotels unterbrochen wurde.

Drei Jahre später folgte auf nationaler Ebene die Annahme der so genannten Rothenturm-Initiative zum Schutz der Moore. Auch Obwalden stimmte damals der Initiative zu und machte einen Wiederaufbau im geplanten Rahmen so fast unmöglich. 1992 folgte der endgültige Entscheid: Die Bezirksgemeinde Schwendi stimmte der überarbeiteten Ortsplanung zu. Diese legte fest, dass in der Kurzone Schwendi-Kaltbad keine Ferienhäuser gebaut werden dürfen. Damit war ein Kurhaus im Kaltbad definitiv vom Tisch.

1983 startete Franz-Toni Burch in der ehemaligen Kegelbahn des Hotels neu mit einer einfachen Kioskwirtschaft. Im Laufe der Jahre und mit der Gewissheit, dass das Kurhaus Schwendi-Kaltbad Geschichte bleiben wird, wurde aus dem Kiosk ein Restaurant. 2003 wurde dann ein Ergänzungsbau umgesetzt.

Dank dem Ergänzungsbau aus dem Jahr 2003 wurde aus der Kioskwirtschaft ein Bergrestaurant.

Dank dem Ergänzungsbau aus dem Jahr 2003 wurde aus der Kioskwirtschaft ein Bergrestaurant.

Bild: PD

Bergrestaurant hat im schnelllebigen Tourismus viele Vorteile

50 Jahre sind seit dem Brand des Kurbades vergangen. Über 20 Jahre dauerte der Konflikt zwischen Eigentum, touristischer Nutzung und Naturschutz im Schwendi-Kaltbad. Der Naturschutz obsiegte. Die einmalige Landschaft auf dem Langis ist heute praktisch unverändert und wurde von massiven Eingriffen verschont. Auch für die Betreiberfamilie Burch enthält der Blick zurück vom heutigen Kaltbad aus durchaus Positives. Für Franz-Toni Burch ist klar, dass ein Wiederaufbau des Kurbades – in welcher Form auch immer – auf Dauer kaum erfolgreich gewesen wäre.

Im schnelllebigen Event- und Tagestourismus unserer Zeit biete das Bergrestaurant durchaus Vorteile, so Burch heute. Seine Familie blieb dem Ort treu. Seit 2007 wird das Kaltbad von Sohn Toni Burch und seiner Familie geführt. Es ist inzwischen die sechste Generation der «Franzä-Tonis» im Kaltbad. Die Heilquelle fliesst derweil weiter ungenutzt ins Schlierental. Schon bald soll ein Brunnen mit dem eisenhaltigen Quellwasser für Besucher und Besucherinnen zur Verfügung stehen. Er wird nicht zuletzt an die bewegte Vergangenheit des Schwendi-Kaltbades erinnern.

*Daniel Stöckli, Autor dieses Textes, ist Mitarbeiter des Obwaldner Staatsarchivs.