Nach zwölf Jahren im Amt: Obwaldens oberster Gewerbler tritt ab

John de Haan hört im Mai als Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden auf. Der 67-Jährige hat trotz harzigem Start viel für das Gewerbe getan und hat nun die Kommunalpolitik im Visier.

Matthias Piazza
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Der abtretende Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden, John de Haan, zu Hause in Alpnachstad.

Der abtretende Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden, John de Haan, zu Hause in Alpnachstad.

Bild: Corinne Glanzmann (4. Februar 2020)

Knietief strömte das Wasser durch das Sarner Dorfzentrum. Das Hochwasser im August 2005 richtete auch immense Schäden an den Obwaldner Geschäften an. «Das war eine grosse Katastrophe für die Gewerbler», erinnert sich John de Haan, Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden (GVO). Um dem Gewerbe wieder auf die Beine zu helfen, rief die Vereinigung Sarner Fachgeschäfte die «Sarnä07» ins Leben. De Haan ging als damaliger Präsident auf Sponsorensuche für den dreitägigen Anlass im Juni 2007. Rund 150 Aussteller zeigten sich von ihrer besten Seite im Dorf.

Der damalige Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden, Marcel Krummenacher, fragte ihn, ob er nicht Lust habe, sein Nachfolger zu werden. Gesagt – getan. Nach zwölf Jahren gibt der 67-jährige Alpnacher und Gemeinderatskandidat (FDP) das Amt an der Generalversammlung in Lungern nun am 9. Mai ab – an den Sarner Jonas Wieland. Der 37-jährige selbstständige Kaminfeger mit vier Mitarbeitern und Standorten in Alpnach und Ennetbürgen ist seit acht Jahren im Vorstand und seit fünf Jahren Vizepräsident.

Jonas Wieland soll neuer Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden werden.

Jonas Wieland soll neuer Präsident des Gewerbeverbandes Obwalden werden.

Bild: Corinne Glanzmann

«Jonas Wieland ist bestens verankert im Obwaldner Gewerbe, auch bei den Jungunternehmern», sagt de Haan. «Auch als Vizepräsident hat er, zusammen mit dem übrigen Vorstand und der Geschäftsstelle, gute Arbeit geleistet. Damit kann ich mit einem guten Gefühl das Amt abgeben.»

Er spricht von einer spannenden, lehrreichen Zeit an der Spitze des Verbandes mit rund 500 Mitgliedern, darunter vor allem klein- und mittelständische Unternehmen. «Ich konnte in viele Betriebe hineinblicken. Die Unternehmer brachten mir mit Begeisterung ihr Handwerk näher.»

Den Anfang seiner Amtszeit empfand er allerdings als harzig. Verschiedene Mentalitäten prallten aufeinander. «Ich erlebte die Obwaldner Unternehmer als sehr fleissig und solide – aber als zu bescheiden und zu zurückhaltend. Damit hatte ich anfänglich etwas Mühe. Als Holländer bin ich mir eine forschere Art gewohnt», sagt de Haan, der viele Jahre in Sarnen wohnte und noch in einem reduzierten Pensum als selbstständiger Broker arbeitet.

Anerkennungspreis hat sich etabliert

Als eine seiner ersten Amtshandlungen rief er den jährlichen Anerkennungspreis ins Leben – für ein Unternehmen, das aus Sicht des Gewerbeverbandes für das Geleistete eine besondere Anerkennung verdient. Die Obwaldner Kantonalbank honoriert diese Auszeichnung mit 5000 Franken. «Wurde der Preis in den ersten zwei Jahren noch mit etwas Argwohn betrachtet, geniesst er mittlerweile im Gewerbe eine hohe Anerkennung», erzählt de Haan.

«Nun haben die Pokale in den Geschäften einen Ehrenplatz, gut sichtbar im Eingang. Das macht mich stolz.»

Der Gewerbeverband Obwalden unterstützt seine Mitglieder, ist ihnen bei Problemen behilflich, umreisst de Haan den Zweck. Er erwähnt auch die Unterstützung in der Berufsbildung und die Erfolge der jungen Obwaldner Berufsleute an den Swiss- und Worldskills. An solchen Berufsweltmeisterschaften im vergangenen August im russischen Kazan gingen gleich zwei der fünf Schweizer Goldmedaillen nach Obwalden. De Haan ist überzeugt, dass es einen solchen Verband auch künftig braucht. Auch deshalb, weil er Bindeglied zwischen dem Gewerbe und der Regierung sei.

Obwaldner Gewerbe ohne Verband unvorstellbar

«Ich setze mich gerne für das Gewerbe ein und schätze die tolle Zusammenarbeit im Vorstand», sagt Jonas Wieland zu seiner Motivation. Gerade weil man im Arbeitsalltag als Unternehmer eher Einzelkämpfer und mitunter Konkurrent sei, spiele der Verband eine wichtige Rolle beim Netzwerken, dem Hervorheben der Gemeinsamkeiten und dem Auftritt gegen aussen. Für ihn ist ein Obwaldner Gewerbe ohne Verband unvorstellbar.

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