Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Nachfrage für nachträgliche Maxon-Ausbildung ist grösser als Angebot

Die nachträgliche Lehre zur Automatikmonteurin EFZ für ungelernte Maxon-Mitarbeiter ist ein Hit. Eine Bilanz nach dem ersten Jahr.
Philipp Unterschütz
Lidija Radivojevic (links) und Merita Prenrecaj an ihrem Arbeitsplatz bei Maxon.Bild: Boris Bürgisser (Sachseln, 10. Juli 2019)

Lidija Radivojevic (links) und Merita Prenrecaj an ihrem Arbeitsplatz bei Maxon.Bild: Boris Bürgisser (Sachseln, 10. Juli 2019)

«In meiner ursprünglichen Heimat Kosovo habe ich nur die Primarschule besucht – damit konnte ich mich nie abfinden», erzählt Merita Prenrecaj (36, verheiratet, 2 Kinder, seit 16 Jahren in der Schweiz). «Ich ging zwar ab der 5. Klasse in der Schweiz zur Schule, fand danach aber keine Lehrstelle», so klingt es bei ihrer aus Serbien stammenden Kollegin Lidija Radivojevic (30, verheiratet, 1 Kind, seit 19 Jahren in der Schweiz). Die beiden Frauen arbeiten beide schon seit 13 Jahren bei Maxon in Sachseln. Und seit einem Jahr ermöglicht ihnen die Firma, dass ihr Traum von einer Ausbildung doch noch wahr wird.

Merita und Lidija gehören zu einem Pilotprojekt, mit dem Maxon im letzten Sommer gestartet ist. Seit einem Jahr machen die beiden mit sechs weiteren Kolleginnen die zwei Jahre dauernde Ausbildung zur Automatikmonteurin EFZ.

Viel Engagement 
ist ein Muss

Auch für Maxon sei es nicht einfach, genügend Fachkräfte zu rekrutieren, erklärt Thomas Müller, Leiter der Berufsbildung bei Maxon und «Vater» der neuen Ausbildungsmöglichkeit. «Die Ausbildung bringt grosse Chancen für den Betrieb. Sie ermöglicht neue Arbeitsplätze für die immer komplexer werdenden Aufgaben.» Zudem mache die Ausbildungsmöglichkeit Maxon auch als Arbeitgeber attraktiver. Laut Thomas Müller gibt es im Betrieb viele ungelernte Mitarbeiter, die Interesse angemeldet haben. «Die Nachfrage ist grösser als die verfügbaren Plätze.» Obwohl Maxon sich bewusst ist, dass die Mitarbeiter durch die Ausbildung auch ihren eigenen Marktwert steigern, gibt es für die Teilnehmerinnen am Lehrgang keinerlei Verpflichtung. Thomas Müller befürchtet auch keine Abwanderung. «Im Gegenteil. Ich denke, wir steigern damit die Motivation und auch die Loyalität.»

Bei Merita und Lidija ist genau das der Fall. Beide wollen auf jeden Fall bei Maxon bleiben, sich dank ihrer Ausbildung weiter entwickeln und für neue Aufgaben empfehlen. Ihr Vorgesetzter Amir Mujkic, Leiter Produktionslinie CCA, bestätigt, dass die Teilnehmerinnen bei der täglichen Arbeit noch motivierter als zuvor seien.

Mittlerweile haben sie die Hälfte der Ausbildung hinter sich. Ende Mai haben alle acht «Lehrlinge» der Pilotklasse ihre Teilprüfung vor dem kantonalen Experten erfolgreich bestanden. Dafür mussten sie in Luzern Arbeiten im Bereich mechanische Bearbeitung erledigen und einen Schaltschrank bauen und prüfen.

Im nächsten Jahr folgen dann die Lehrabschlussprüfung in Berufskunde und die individuelle Prüfungsarbeit, die sie während etwa anderthalb Wochen an ihrem Arbeitsplatz bei Maxon ablegen müssen. Für die Ausbildung müssen die Frauen alle eine grosse Leistung erbringen. Neben ihrer «normalen» Arbeit bei Maxon gehen sie den ganzen Samstagmorgen im Berufs- und Weiterbildungszentrum Sarnen in die Berufsschule. Am Mittwochabend findet der allgemeinbildende Unterricht via Skype statt. Dazu gibt es einiges an Hausaufgaben und Selbststudium. Und schliesslich haben ja auch alle Beteiligten noch ihr Familienleben. «Es ist schon sehr streng. Ich habe es aber noch keine einzige Sekunde bereut», betont Merida. Lidija nickt zustimmend.

Dass sie die eigentlich dreijährige Lehre in «nur» zwei Jahren absolvieren können, hat einerseits mit der jahrelangen Berufserfahrung zu tun, die sie bereits mitbringen. Sie haben mehr Schulstunden, mehr Selbststudium und keine Schulferien. Zudem sei die Lernmoral und das Engagement viel grösser als in Regelklassen, sagt Thomas Müller.

Weitere Ausbildung 
ist in Vorbereitung

Viel Einsatz muss aber auch Maxon zeigen. Der Betrieb setzt alles daran, die Auszubildenden auch gut zu betreuen und auf die Prüfungen vorzubereiten, was einiges an Aufwand bedeutet. «Wir haben deshalb für den zweiten Lehrgang, der Ende August beginnt, unserer Teilnehmerzahl von acht auf sechs reduziert. Dafür machen von anderen Betrieben noch vier Personen mit, die wir teilweise ebenfalls bei uns vorbereiten», sagt Thomas Müller. Der Pilotversuch stosse auch bei anderen Firmen auf immer grösseres Interesse.

Bereits im kommenden Jahr könnte ein weiterer, neuer Ausbildungslehrgang beginnen. «Ich bin mit Swiss Plastic daran, etwas Vergleichbares für Kunststofftechnologen zu entwickeln», verrät Thomas Müller. Auch in diesem Bereich gebe es viele ungelernte Mitarbeiter und einen Mangel von ausgebildeten Fachkräften.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.